Welche Krankenversicherung im Referendariat passt, entscheidet selten ein einzelner Punkt. Gefragt sind dein Status, ein möglicher Beihilfeanspruch, deine Familienversicherung, deine voraussichtlichen Kosten und die Fristen. Dieser Ratgeber führt dich in fünf Schritten durch diese Fragen, mit einem Rechenbeispiel am Ende.
Kurz beantwortet: Die Entscheidung folgt fünf Fragen: Welcher Status gilt für dich, besteht ein Beihilfeanspruch, und ist eine Familienversicherung möglich? Wie hoch sind deine Restkosten, und welche Fristen laufen? Mit Beihilfeanspruch ist meist eine PKV mit Ergänzung der übliche Weg. Ohne Beihilfe kommen GKV oder Vollversicherung in Betracht. Stand: Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Dein Status im Vorbereitungsdienst entscheidet über Beihilfe und Versicherungspflicht. Der Einstellungsbescheid zeigt, welcher Status gilt.
- Der Regelsatz der Beihilfe liegt für Beamte auf Widerruf ohne Kinder in vielen Ländern bei 50 Prozent. Abweichungen gibt es, etwa in Hessen.
- Familienversicherung ist im Referendariat in der Regel ausgeschlossen, weil die Einkommensgrenze überschritten wird.
- Eine PKV-Ergänzung ist nur dann sinnvoll, wenn du mit Restkosten rechnest, die sich lohnen. Das lässt sich durchrechnen.
- Fristen wie die Wahl der pauschalen Beihilfe oder die Öffnungsaktion sind teils unwiderruflich. Prüfe sie früh.
Schritt 1: Kläre deinen Status
Lies deinen Einstellungsbescheid. Dort steht, ob du in ein Beamtenverhältnis auf Widerruf berufen wurdest oder ob der Vorbereitungsdienst als öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis organisiert ist. Diese Unterscheidung ist entscheidend, weil sie Beihilfe, Versicherungspflicht und Bezüge beeinflusst. Da die Regeln je nach Bundesland verschieden sind, zählt immer das Recht deines Landes. Einen Überblick über die Bezüge in den Ländern findest du im Ratgeber Anwärterbezüge nach Bundesland.
Schritt 2: Prüfe deinen Beihilfeanspruch
Mit Beihilfeanspruch brauchst du eine Krankenversicherung, die die Restkosten übernimmt. In den meisten Ländern gilt für Beamte auf Widerruf ohne Kinder ein Regelsatz von 50 Prozent. Hessen weicht ab: Dort gelten nach dem Merkblatt des Regierungspräsidiums Kassel zur Hessischen Beihilfeverordnung höhere Sätze, nämlich 70 Prozent für ambulante und zahnärztliche Leistungen und 85 Prozent für stationäre Leistungen.
| Status | Beihilfe | Typische Absicherung |
|---|---|---|
| Beamter auf Widerruf mit Beihilfeanspruch | Ja, mit Bemessungssatz nach Landesrecht | PKV mit beihilfekonformer Ergänzung |
| Beamter auf Widerruf mit pauschaler Beihilfe | Zuschuss zu den Beiträgen statt Rechnungserstattung | Vollversicherung mit Zuschuss nach Länderregel |
| Öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis | Je nach Land geregelt | GKV oder PKV, Klärung beim Dienstherrn |
Wie die pauschale Beihilfe in Thüringen aussieht, erklärt der Ratgeber Beihilfe in Thüringen. Laut Merkblatt der Stadt Erfurt (Stand Juni 2024) ist die Wahl unwiderruflich. Nach dem Merkblatt richtet sich die pauschale Beihilfe an Beihilfeberechtigte, die freiwillig gesetzlich oder privat versichert sind.
Schritt 3: Prüfe die Familienversicherung
Familienversicherung ist nur möglich, wenn dein Gesamteinkommen eine Grenze nicht überschreitet. Für 2026 liegt diese Grenze bei 565 Euro im Monat. Anwärterbezüge liegen in der Regel deutlich darüber, deshalb ist die Familienversicherung während des Referendariats meist ausgeschlossen. Für 2027 sieht der Verordnungsentwurf eine Grenze von 590 Euro im Monat vor, die erst nach Zustimmung des Bundesrates verbindlich wird.
Laut § 10 SGB V gelten zusätzliche Voraussetzungen wie der Wohnsitz im Inland und die fehlende hauptberufliche Selbstständigkeit. Eine Prüfung im Einzelfall lohnt sich, wenn du bisher über einen Angehörigen versichert warst.
Schritt 4: Vergleiche die Kosten
Der Beitrag ist nur die eine Seite. Die andere ist, was du an Restkosten voraussichtlich trägst. Ein Rechenbeispiel macht das deutlich.
Annahme: Du bist 25 Jahre alt, hast keine Kinder und bist freiwillig gesetzlich versichert. Dann zahlst du für Kranken- und Pflegeversicherung zusammen 278,17 Euro im Monat, bei durchschnittlichem Zusatzbeitrag. Die Krankenversicherung allein liegt bei mindestens 222,80 Euro im Monat (Berechnung für 2026).
Annahme: Im Jahr entstehen beihilfefähige Kosten von 1.200 Euro, der Bemessungssatz beträgt 50 Prozent. Die Beihilfe übernimmt dann 600 Euro. Die Restkosten von ebenfalls 600 Euro musst du über eine Ergänzung decken oder selbst tragen. Liegt der Beitrag der Ergänzung für dich deutlich unter dem Wert, den die Restkosten ausmachen, rechnet sich der Tarif. Für den tatsächlichen Vergleich setzt du deinen Angebotsbeitrag ein.
Schritt 5: Kläre Fristen und Wahlrechte
Die Wahl der pauschalen Beihilfe in Thüringen ist laut Merkblatt unwiderruflich und wirkt nur für die Zukunft. Die Öffnungsaktion der PKV gilt nach dem Merkblatt des PKV-Verbands nur innerhalb der ersten sechs Monate nach der erstmaligen Verbeamtung. Wer später verbeamtet wird, sollte diese Fristen früh prüfen, weil der Vorteil sonst verloren gehen kann.
Was spricht für GKV, was für PKV?
Beide Wege haben Stärken. Die freiwillige GKV hat einen festen Rahmen und lässt sich leichter einschätzen. Die PKV bietet mehr Gestaltungsspielraum bei Tarif und Leistungen, verlangt aber eine Gesundheitsprüfung und einen Vergleich der Bedingungen. Keines der beiden ist für alle richtig.
- Für die freiwillige GKV spricht: Fester Beitragsrahmen, gesetzlich geregelte Leistungen, keine Gesundheitsprüfung bei Eintritt.
- Für die PKV spricht: Leistungen, Chefarztwahl und Erstattungssätze hängen vom gewählten Tarif ab. Mit Beihilfeanspruch deckt eine Ergänzung gezielt die Restkosten ab.
- Gegen die GKV spricht: Bei Beihilfeanspruch greift die Beihilfe dort nicht, und der Leistungsumfang ist gesetzlich vorgegeben.
- Gegen die PKV spricht: Beitrag hängt von Alter und Gesundheit ab, Tarifwechsel sind oft an Bedingungen geknüpft.
Entscheidend ist also weniger die Frage, welche Versicherung grundsätzlich besser ist, sondern welche zu deinem Status und deinen Kosten passt. Wer gesund ist, kaum Restkosten erwartet und nur kurz im Vorbereitungsdienst bleibt, kann mit der GKV gut fahren. Wer mit größeren Kosten rechnet oder einen Beihilfeanspruch hat, sollte eine PKV-Ergänzung ernsthaft prüfen.
Häufige Fragen
Kann ich mit Beihilfe in der GKV bleiben?
Mit individueller Beihilfe ist eine freiwillige GKV in der Regel nicht die passende Lösung, weil die Beihilfe dort nicht greift. Bei pauschaler Beihilfe kann eine freiwillige GKV in manchen Ländern möglich sein, weil der Zuschuss die Beiträge teilweise abdeckt. Welche Regel in deinem Land gilt, klärt die zuständige Stelle.
Was ändert sich bei der Verbeamtung auf Probe?
Mit der Verbeamtung auf Probe kann sich die Beihilfe ändern, und Anwärtertarife sind oft nur für die Ausbildungszeit gedacht. Prüfe deshalb die Umstellungsregeln deines Tarifs, bevor du in den Vorbereitungsdienst startest.
Brauche ich einen Krankenversicherungsschutz zwischen Examen und Referendariat?
Ja, ein Versicherungsschutz ist Pflicht. Wer zwischen Examen und Referendariat eine Lücke hat, sollte das früh klären. Dazu gibt es einen eigenen Ratgeber: Krankenversicherung zwischen Examen und Referendariat: Lücke vermeiden.
So gehst du jetzt vor
- Lies deinen Einstellungsbescheid und notiere deinen Status.
- Frage bei deinem Dienstherrn nach dem Bemessungssatz und nach der Möglichkeit der pauschalen Beihilfe.
- Rechne deine voraussichtlichen Restkosten für ein Jahr nach dem Beispiel dieses Ratgebers durch.
- Vergleiche Angebote mit einheitlicher Beispielrechnung und notiere die Fristen, bevor du einen Antrag stellst.
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Quellen: § 10 SGB V, Familienversicherung (gesetze-im-internet.de, Stand Oktober 2026); Faktenblatt Rechengrößen Beitragsrecht, GKV-Spitzenverband (Stand 1. Januar 2026); Verordnungsentwurf Sozialversicherungs-Rechengrößen 2027, BMAS (Entwurf, Stand Oktober 2026); Merkblatt zur Hessischen Beihilfeverordnung, Regierungspräsidium Kassel (Stand 2026); Merkblatt zur pauschalen Beihilfe, Stadt Erfurt (Stand Juni 2024).
Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.