More info

Beihilfe in Thüringen: Bemessungssätze, Eigenanteil und PKV

Wo du den Bemessungssatz der Beihilfe in Thüringen findest, wie du deinen Eigenanteil berechnest und was die pauschale Beihilfe seit 2020 bedeutet.
Referendar steht vor der Tafel in einem Klassenzimmer

Inhalt

Beihilfe in Thüringen ist der Teil deiner Krankheitskosten, den dein Dienstherr übernimmt, sobald du als Beamter oder Beamtin auf Widerruf im Vorbereitungsdienst stehst. Wie groß dieser Anteil ist, regelt das Landesrecht, und zwar für jede versicherte Person getrennt. Dieser Ratgeber erklärt die Regeln für Thüringen, rechnet einen Eigenanteil durch und zeigt, wann die pauschale Beihilfe eine Alternative sein kann.

Kurz beantwortet: Beihilfe in Thüringen ist die Leistung deines Dienstherrn zu Krankheitskosten. Für Beamte auf Widerruf ohne Kinder gilt als Regel ein Bemessungssatz von 50 Prozent. Den Rest deckt eine Krankenversicherung, oder du trägst ihn selbst. Seit 2020 gibt es zudem die pauschale Beihilfe. Stand: Oktober 2026. Maßgeblich bleibt die Thüringer Beihilfeverordnung in der jeweils geltenden Fassung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Regelsatz für Beamte auf Widerruf ohne Kinder liegt bei 50 Prozent der beihilfefähigen Aufwendungen.
  • Thüringen bietet seit dem 1. Januar 2020 die pauschale Beihilfe an. Sie beruht auf Zuschüssen zu deinen Krankenversicherungsbeiträgen, nicht auf einzelnen Rechnungen.
  • Die Wahl der pauschalen Beihilfe ist nach dem Merkblatt der Stadt Erfurt unwiderruflich.
  • Deinen Eigenanteil berechnest du, indem du die Restkosten nach Abzug der Beihilfe und der Krankenversicherungsleistung zusammenzählst.
  • Anwärter werden im Merkblatt zur pauschalen Beihilfe nicht gesondert genannt. Frage deshalb vor einem Antrag bei deinem Dienstherrn nach.

Wer bekommt Beihilfe in Thüringen?

Beihilfe erhalten Beamtinnen und Beamte des Landes, Richterinnen und Richter sowie Versorgungsempfängerinnen und Versorgungsempfänger. Im Vorbereitungsdienst betrifft das in der Regel Anwärterinnen und Anwärter, die im Beamtenverhältnis auf Widerruf stehen. Ob das bei dir so ist, steht in deinem Einstellungsbescheid. Der Vorbereitungsdienst kann auch als öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis ausgestaltet sein, etwa im Rechtsreferendariat. Dann gelten andere Regeln, die im Ratgeber Rechtsreferendariat in Thüringen erklärt werden.

Berücksichtigungsfähig sind außerdem Ehepartner, eingetragene Lebenspartner und Kinder. Ob ein Angehöriger einbezogen wird und zu welchem Satz, richtet sich nach der Verordnung und nach deinen Angaben im Antrag.

Zur Einordnung der Bezüge: Laut Gesetzentwurf zur Besoldungsanpassung in Thüringen (Anlage 7) beträgt der Anwärtergrundbetrag für Besoldungsgruppe A 13 1.803,92 Euro, gültig ab 1. April 2026. Der Entwurf ist nach unserem Stand noch nicht verkündet, deshalb gilt dieser Wert vorbehaltlich der Verkündung im Gesetzblatt. Lehramtsanwärter sollten außerdem prüfen, welches Eingangsamt ihre Schulart vorsieht.

Wie hoch ist der Bemessungssatz in Thüringen?

Der Bemessungssatz bestimmt, welcher Anteil der beihilfefähigen Aufwendungen vom Dienstherrn übernommen wird. Für Beamte auf Widerruf ohne Kinder gilt als Regel ein Satz von 50 Prozent. Abweichende Sätze für Angehörige stehen in der Thüringer Beihilfeverordnung, die du im Landesrecht vollständig nachlesen solltest.

PersonenkreisBemessungssatzHinweis
Beamter auf Widerruf ohne Kinder50 Prozent (Regelsatz)Ausgangspunkt für die Berechnung
Beamter auf Widerruf mit berücksichtigungsfähigen AngehörigenAbweichender Satz laut VerordnungKeine Zahl in diesem Ratgeber, bitte die Verordnung prüfen

Annahme: Eine Rechnung über 400 Euro ist beihilfefähig, der Satz liegt bei 50 Prozent. Die Beihilfe beträgt dann 200 Euro. Die übrigen 200 Euro sind die Restkosten. Erstattet deine Krankenversicherung davon 80 Prozent, bleiben dir 40 Euro als Eigenanteil.

Was ist die pauschale Beihilfe in Thüringen?

Thüringen kennt neben der individuellen Beihilfe seit dem 1. Januar 2020 die pauschale Beihilfe. Grundlage ist das Thüringer Gesetz zur Anpassung von Vorschriften aus dem Bereich des Dienstrechts vom 30. Juli 2019. Statt jede Rechnung einzureichen, erhältst du einen monatlichen Zuschuss zu deinen Krankenversicherungsbeiträgen, der mit den Bezügen ausgezahlt wird.

Nach dem Merkblatt der Stadt Erfurt (Stand Juni 2024) beträgt der Zuschuss grundsätzlich 50 Prozent der nachgewiesenen Beiträge, und zwar für dich und deine berücksichtigungsfähigen Angehörigen. Wer privat versichert ist, erhält höchstens 50 Prozent des Beitrags im Basistarif, und zwar nur für vergleichbare Leistungen. Aufwendungen, für die die Pflegeversicherung Leistungen erbringt, sind nicht umfasst. Ein Ehepartner wird nur einbezogen, wenn dessen Einkünfte im zweiten Kalenderjahr vor der Antragstellung 18.000 Euro nicht übersteigen.

Den Antrag stellst du schriftlich. Er wirkt frühestens ab dem Monat des Antragseingangs, rückwirkende Anträge sind nicht möglich. Nach dem Merkblatt ist die Entscheidung unwiderruflich, ein Wechsel zurück zur individuellen Beihilfe ist danach nicht möglich.

MerkmalIndividuelle BeihilfePauschale Beihilfe
GrundlageRechnungen über beihilfefähige AufwendungenNachgewiesene Krankenversicherungsbeiträge
Satz (Regel)50 Prozent der Aufwendungen50 Prozent der Beiträge, bei privater Versicherung höchstens 50 Prozent des Basistarifs
AuszahlungNach Einreichung der RechnungMonatlich mit den Bezügen
Änderung der WahlNicht erforderlichUnwiderruflich (laut Merkblatt)

Ob sich die pauschale Beihilfe lohnt, hängt davon ab, wie hoch deine Beiträge sind und welche Krankheitskosten du tatsächlich erwartest. Weil die Wahl unwiderruflich ist, solltest du beide Varianten für deine Lage durchrechnen, bevor du den Antrag stellst.

Wie berechnest du deinen Eigenanteil?

  1. Prüfe, ob die Leistung beihilfefähig ist. Nicht jede Position wird übernommen, Wahlleistungen und manche Hilfsmittel sind oft ausgeschlossen.
  2. Berechne den Beihilfeanteil, indem du die beihilfefähigen Aufwendungen mit dem Bemessungssatz multiplizierst. Beim Regelsatz von 50 Prozent entspricht das der Hälfte.
  3. Ziehe die Beihilfe von der Gesamtsumme ab. Das Ergebnis sind die Restkosten.
  4. Prüfe, wie viel deine Krankenversicherung an den Restkosten übernimmt und ob es Höchstsätze oder Jahreslimits gibt.
  5. Die Summe aller nicht erstatteten Restkosten ist dein Eigenanteil. Ihn kannst du jährlich überschlagen und mit deinem Budget abgleichen.

Passt eine PKV-Ergänzung zur Beihilfe?

Die Beihilfe übernimmt nur einen Teil. Eine beihilfekonforme Krankenversicherung deckt davon einen Teil des Rests ab. Das lohnt sich vor allem, wenn du mit größeren Kosten rechnest, etwa bei Zahnersatz, Hilfsmitteln oder Behandlungen mit Chefarztwahl. Weniger passend kann sie sein, wenn du kaum Restkosten erwartest und nur kurz im Vorbereitungsdienst bist.

Wie der Vergleich im Einzelfall aussieht, hängt von Alter, Gesundheit und Tarifbedingungen ab. Für eine persönliche Einschätzung kannst du dich bei Academycon beraten lassen.

Häufige Fragen

Gilt die 50-Prozent-Regel für jeden Beamten auf Widerruf in Thüringen?

Nein. Die 50 Prozent sind der Regelsatz für Beamtinnen und Beamte auf Widerruf ohne Kinder. Mit berücksichtigungsfähigen Angehörigen gelten abweichende Sätze aus der Thüringer Beihilfeverordnung. Prüfe deinen Fall deshalb anhand der Verordnung oder frage die zuständige Beihilfestelle.

Kann ich mich später noch für die pauschale Beihilfe entscheiden?

Laut Merkblatt der Stadt Erfurt wirkt eine Wahl nur für die Zukunft und ist unwiderruflich. Das Merkblatt nennt Anwärter und Referendare nicht ausdrücklich. Frage deshalb vor einem Antrag bei deinem Dienstherrn nach, ob und ab wann du wählen kannst.

Deckt die Beihilfe auch die Pflegeversicherung?

Nein. Nach dem Merkblatt sind Aufwendungen, für die die Pflegeversicherung Leistungen erbringt, von der pauschalen Beihilfe nicht umfasst. Die Pflegeversicherung musst du deshalb in deiner Kalkulation separat einplanen.

Was gilt im Rechtsreferendariat?

Das Rechtsreferendariat kann als öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis ausgestaltet sein. Dann gelten für Beihilfe und Unterhaltsbeihilfe andere Regeln. Eine Zahl zur Unterhaltsbeihilfe nennen wir hier nicht, weil sie für Thüringen nicht belegt ist. Auskunft gibt das zuständige Oberlandesgericht, das deinen Vorbereitungsdienst betreut.

So gehst du jetzt vor

  1. Prüfe in deinem Einstellungsbescheid, ob du als Beamter oder Beamtin auf Widerruf oder im öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis stehst.
  2. Lies in der Thüringer Beihilfeverordnung nach, welcher Bemessungssatz für deinen Personenkreis gilt, oder frage bei der Beihilfestelle nach.
  3. Rechne für das laufende Jahr deinen Eigenanteil nach dem Schema aus diesem Ratgeber durch.
  4. Vergleiche die pauschale mit der individuellen Beihilfe, bevor du einen unwiderruflichen Antrag stellst.
  5. Kläre mit deiner Krankenversicherung, welche Restkosten sie übernimmt, bevor du dich festlegst.

Passend dazu

Quellen: Merkblatt zur pauschalen Beihilfe, Stadt Erfurt (Stand Juni 2024); Gesetzentwurf zur Besoldungsanpassung Thüringen 2026 bis 2028, Anlage 7 (Anwärterbezüge ab 1. April 2026, nicht verkündet); Übersicht zur pauschalen Beihilfe, Deutsche Beamtenversorgung (Stand Oktober 2026, nicht amtlich).

Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.

Teilen

Weitere Artikel

Zwei Studentinnen auf dem Campus im Herbst

Semesterbeitrag TU Dortmund: Stand und Semesterticket

Zwei Studentinnen auf dem Campus im Herbst

Semesterbeitrag Uni Potsdam 2026/27: 372,80 Euro und Frist

Referendar steht vor der Tafel in einem Klassenzimmer

Referendariat in Niedersachsen: Krankenversicherung vorab prüfen