Kurz beantwortet
Als Beamter auf Widerruf im Referendariat bekommst du Beihilfe. Beim Bund zahlt sie 50 Prozent deiner beihilfefähigen Krankheitskosten, 70 Prozent für Ehe- oder Lebenspartner und 80 Prozent für Kinder, in den Ländern gilt eigenes Recht. Den Rest versicherst du privat. Rechtsreferendare im Ausbildungsverhältnis haben keinen Beihilfeanspruch, sie sind gesetzlich pflichtversichert.
| Kernfakt | Wert | Stand und Quelle |
|---|---|---|
| Bemessungssatz Bund | 50 % für dich, 70 % für Ehe- und Lebenspartner, 80 % für Kinder | § 46 BBhV |
| Mit zwei oder mehr Kindern | Eigener Satz beim Bund 70 % | § 46 Abs. 3 BBhV |
| Bemessungssatz Niedersachsen | 50 %, 70 %, 80 % | § 80 Abs. 5 NBG |
| Antrag | Bei der Beihilfestelle deines Dienstherrn, beim Bund Festsetzungsstelle | § 51 BBhV |
| Pauschale Beihilfe | 50 % des Krankenversicherungsbeitrags, nur in einzelnen Ländern | § 3 Nr. 62 EStG |
Wer hat im Referendariat Anspruch auf Beihilfe?
Die Beihilfe ist der Zuschuss des Dienstherrn zu den Krankheitskosten seiner Beamten. Sie erstattet einen festen Prozentsatz der beihilfefähigen Aufwendungen, den Bemessungssatz, und du sicherst den übrigen Teil über eine Krankenversicherung ab.
Anspruch haben Beamte auf Widerruf. Beamtenanwärter sind regelmäßig Beamte auf Widerruf, das gilt in der Regel auch für Lehramtsanwärter. Maßgeblich sind Ernennungsurkunde, Status und Dienstherr. Als Beamter auf Widerruf bist du in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung nicht pflichtversichert. Es gilt der Grundsatz der Eigenvorsorge: Du versicherst dich selbst, privat oder freiwillig gesetzlich, und die Beihilfe ergänzt diesen Schutz.
Einen Überblick über alle Wege der Absicherung gibt der Ratgeber Krankenversicherung im Referendariat. Wie es im Lehramt vom Studium bis zum Berufsstart weitergeht, beschreibt Lehramt: Versicherung vom Studium bis zum Referendariat.
Was gilt für Rechtsreferendare?
Bei Rechtsreferendaren entscheidet das Land. Sie sind je nach Land Beamte auf Widerruf oder stehen in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis. Der Vorbereitungsdienst dauert nach § 5b DRiG zwei Jahre, die Rechtsstellung regelt das Landesrecht. Als Beamter auf Widerruf bist du beihilfeberechtigt wie ein Lehramtsanwärter. Im Ausbildungsverhältnis bist du nach § 5 Abs. 1 Nr. 1 SGB V gesetzlich pflichtversichert, die Beiträge gehen von deinem Gehalt ab, und einen Beihilfeanspruch gibt es nicht.
Sachsen lässt Rechtsreferendare zwischen Beamtenverhältnis und Ausbildungsverhältnis wählen, Voraussetzungen sind unter anderem ein Alter unter 42 Jahren und die gesundheitliche Eignung (Merkblatt der sächsischen Justiz). Was in deinem Land gilt, zeigt dein Einstellungsbescheid. Besonderheiten für Juristen beschreibt der Beitrag Krankenversicherung im Rechtsreferendariat.
Wie hoch ist die Beihilfe im Referendariat?
Die Höhe bestimmt der Bemessungssatz, also der Prozentanteil der beihilfefähigen Kosten. Beim Bund steht er in § 46 der Bundesbeihilfeverordnung (BBhV). Die Länder haben eigenes Recht, deshalb gilt die Tabelle nur für die Dienstherren, deren Rechtsgrundlage gelesen wurde.
| Dienstherr | Sätze | So verteilen sie sich |
|---|---|---|
| Bund (§ 46 BBhV) | 50, 70 und 80 Prozent | 50 Prozent für dich, 70 Prozent für berücksichtigungsfähige Ehe- und Lebenspartner und für Versorgungsempfänger, 80 Prozent für Kinder und Waisen. Bei mindestens zwei berücksichtigungsfähigen Kindern liegt dein eigener Satz bei 70 Prozent. |
| Niedersachsen (§ 80 Abs. 5 NBG) | 50, 70 und 80 Prozent | 50 Prozent für Beamte, 70 Prozent für Ehe- und Lebenspartner und Versorgungsempfänger, 80 Prozent für Kinder und Waisen. Bei zwei oder mehr berücksichtigungsfähigen Kindern liegt der Satz des Beihilfeberechtigten bei 70 Prozent. |
| Nordrhein-Westfalen (§ 75 Abs. 7 LBG NRW) | Mindestens 50, höchstens 70 und höchstens 80 Prozent | Das Gesetz nennt den Rahmen. Mindestens 50 Prozent für Beihilfeberechtigte, höchstens 70 Prozent für Ehe- und Lebenspartner, höchstens 80 Prozent für Kinder. Die Einzelsätze regelt die Verordnung. |
| Übrige Länder | Nicht ermittelt | Meist 50 Prozent für dich und meist 80 Prozent für Kinder, Abweichungen im Landesrecht sind möglich. Den verbindlichen Satz nennt die Beihilfestelle deines Dienstherrn. |
Hast du Kinder, kann sich dein eigener Satz ändern. Beim Bund und in Niedersachsen steigt er mit mindestens zwei berücksichtigungsfähigen Kindern auf 70 Prozent. Im Landesrecht kann die Beihilfe für Beamte auf Widerruf im Vorbereitungsdienst eingeschränkt werden, etwa nach einer Mindestzeit im öffentlichen Dienst. Das steht in der Verordnung deines Landes.
Rechenbeispiele
- Jonas, 26, kinderlos, ist Lehramtsanwärter in einem Land mit dem Bemessungssatz 50 Prozent. Eine voll beihilfefähige Zahnarztrechnung über 300 € führt zu 150 € Beihilfe. Die übrigen 150 € erstattet seine Restkostenversicherung, soweit der Tarif sie abdeckt.
- Svenja, 33, ist Beamtin auf Widerruf beim Bund und hat zwei berücksichtigungsfähige Kinder. Ihr eigener Satz liegt bei 70 Prozent. Für eine voll beihilfefähige Rechnung über 200 € erhält sie 140 € Beihilfe, für eine Rechnung über 100 € für eines ihrer Kinder 80 €.
Was deckt die Restkostenversicherung, und was ist ein Anwärtertarif?
Die Restkostenversicherung ist eine private Krankenversicherung für den Teil der Kosten, den die Beihilfe nicht trägt. Bei einem Bemessungssatz von 50 Prozent versicherst du die anderen 50 Prozent. Der Beitrag kann dadurch zunächst niedrig ausfallen. Für Anwärter gibt es Tarife, die günstiger sind als der Normaltarif. Wie hoch der Beitrag ist, hängt von Anbieter, Alter und Tarif ab. Nach dem Referendariat wechselst du in der Regel in den Normaltarif desselben Versicherers, ohne dass deine Gesundheit erneut geprüft wird.
Vor dem Abschluss beantwortest du Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß (§ 19 VVG). Mit Vorerkrankungen ist eine anonyme Risikovoranfrage vor dem Antrag sinnvoll. Für Beamte, auch für Beamte auf Widerruf, gibt es zusätzlich die Öffnungsaktion der privaten Krankenversicherung: Die Frist von sechs Monaten beginnt mit der erstmaligen Verbeamtung, bei einem Vorbereitungsdienst frühestens nach dessen Ende. Der Risikozuschlag beträgt höchstens 30 Prozent, Leistungsausschlüsse gibt es nicht. Der Anspruch gilt für beihilfekonforme Tarife und nur beim ersten Versicherer, bei dem du einen formellen Antrag stellst (Merkblatt des PKV-Verbands, Stand September 2022).
Die Beihilfe deckt nicht alles, was auf einer Rechnung steht. Lücken können etwa bei Zahnersatz, Heilmitteln und Sehhilfen entstehen, ein Beihilfe-Ergänzungstarif kann sie schließen. Wer im Studium schon privat versichert war, findet im Beitrag PKV nach dem Studium den Weg weiter. Wer zwischendurch gesetzlich versichert ist und später zurück in die private Versicherung möchte, kann eine Anwartschaft in der PKV prüfen. Ob sie für dich rechnerisch passt, hängt von Gesundheit, Budget und Plänen ab.
Wie beantrage ich Beihilfe als Referendar?
Du stellst den Antrag bei der Beihilfestelle deines Dienstherrn, beim Bund heißt sie Festsetzungsstelle. So läuft es ab:
- Bezahle die Rechnung zunächst selbst, die Erstattung folgt nachträglich.
- Reiche den Beihilfeantrag mit Kopien der Belege bei der Beihilfestelle ein. Beim Bund geht das schriftlich oder elektronisch (§ 51 BBhV), die Länder nennen Formulare und Wege in ihren Merkblättern.
- Reiche die Rechnung außerdem bei deinem Versicherer ein. Dort ist das in der Regel innerhalb von drei Jahren ab dem Ende des Jahres möglich, in dem die Rechnung ausgestellt wurde (Beispiel: Rechnung von März 2026, Frist bis 31. Dezember 2029).
- Halte die Fristen der Beihilfestelle ein, sie sind je nach Dienstherr unterschiedlich geregelt und stehen im Merkblatt deiner Beihilfestelle.
Beim Bund gibt es Beihilfe erst, wenn die im Antrag geltend gemachten Aufwendungen zusammen mehr als 200 € betragen (§ 51 Abs. 8 BBhV), die Festsetzungsstelle kann darauf verzichten. Ob und in welcher Höhe in deinem Land eine solche Grenze gilt, steht im Merkblatt deiner Beihilfestelle.
Was ist die pauschale Beihilfe?
Die pauschale Beihilfe ist ein steuerfreier Zuschuss von 50 Prozent des Beitrags zur Krankenvollversicherung (§ 3 Nr. 62 EStG), bei gesetzlich Versicherten einschließlich Zusatzbeitrag und ohne Pflegeversicherung. Voraussetzung ist der endgültige Verzicht auf die individuelle Beihilfe. Der Antrag wirkt nur für die Zukunft, und bei einem Wechsel des Dienstherrn über die Landesgrenze kann der Anspruch entfallen.
Anwärter können die pauschale Beihilfe zum Beispiel in Brandenburg wählen. Die Entscheidung gilt als unwiderruflich und lässt sich mit der Begründung des Beamtenverhältnisses auf Probe einmalig neu treffen (Informationsblatt des Landes Brandenburg für Anwärter, Stand März 2021). Hamburg verlangt für die pauschale Beihilfe den Verzicht auf die ergänzenden Beihilfen für Hörgeräte, Sehhilfen, zahnärztliche Leistungen nach der GOZ, Implantate und Behandlungen im Ausland (Merkblatt der Stadt Hamburg, Stand Januar 2024). Nur einzelne Länder bieten die pauschale Beihilfe an, ob Anwärter sie wählen können, regelt das Land. Das sagt dir deine Beihilfestelle.
Die Länderliste, ein Rechenbeispiel und die Voraussetzungen stehen im Beitrag Referendar in der gesetzlichen Krankenversicherung: Wann das möglich ist.
So gehst du jetzt vor
- Kläre deinen Status: Beamter auf Widerruf oder Ausbildungsverhältnis, Einstellungsbescheid und Ernennungsurkunde geben die Antwort.
- Frag deine Beihilfestelle nach dem Bemessungssatz für dich und deine Angehörigen und danach, ob die pauschale Beihilfe für Anwärter möglich ist.
- Entscheide, ob du dich privat mit Restkostenversicherung oder freiwillig gesetzlich versichern willst. Bei Vorerkrankungen stellst du vor dem Antrag eine anonyme Risikovoranfrage.
- Notiere die Fristen deiner Beihilfestelle und das Datum deiner ersten Rechnungen.
- Plane den Übergang nach dem Vorbereitungsdienst, den der Beitrag Krankenversicherung nach dem Referendariat beschreibt.
Häufige Fragen
Haben Referendare Anspruch auf Beihilfe?
Ja, wenn sie als Beamte auf Widerruf eingestellt sind. Das trifft auf Lehramtsanwärter in der Regel zu. Rechtsreferendare haben Anspruch, wenn ihr Land sie in ein Beamtenverhältnis übernimmt. Im Ausbildungsverhältnis gibt es keine Beihilfe, dort bist du gesetzlich pflichtversichert. Welcher Fall gilt, zeigen Einstellungsbescheid und Ernennungsurkunde.
Wie hoch ist die Beihilfe im Referendariat?
Beim Bund 50 Prozent für dich, 70 Prozent für berücksichtigungsfähige Ehe- und Lebenspartner und 80 Prozent für Kinder. Mit zwei oder mehr berücksichtigungsfähigen Kindern steigt dein eigener Satz auf 70 Prozent. In den Ländern gilt eigenes Recht, meist sind es 50 Prozent für dich und 80 Prozent für Kinder. Den verbindlichen Satz nennt die Beihilfestelle deines Dienstherrn.
Brauche ich als Referendar eine private Krankenversicherung?
Nicht zwingend. Als Beamter auf Widerruf musst du dich selbst krankenversichern, kannst aber zwischen der privaten Restkostenversicherung und der freiwilligen gesetzlichen Versicherung wählen, sofern du deren Voraussetzungen erfüllst. Bei der gesetzlichen Variante kommt die pauschale Beihilfe in Frage, wenn dein Land sie anbietet. Die private Versicherung stellt Gesundheitsfragen. Im Ausbildungsverhältnis hast du keine Wahl, dort bist du gesetzlich pflichtversichert.
Wie beantrage ich Beihilfe als Referendar?
Du zahlst die Rechnung zunächst selbst und reichst sie mit Kopien der Belege bei der Beihilfestelle deines Dienstherrn ein, beim Bund schriftlich oder elektronisch. Den verbleibenden Anteil reichst du bei deinem Versicherer ein. Fristen und Mindestgrenzen stehen im Merkblatt deiner Beihilfestelle.
Was deckt die Restkostenversicherung?
Sie versichert den Teil der Kosten, den die Beihilfe nicht trägt. Bei einem Bemessungssatz von 50 Prozent sind das die übrigen 50 Prozent. Für Anwärter gibt es besondere Tarife.
Was ist die pauschale Beihilfe?
Sie ist ein steuerfreier Zuschuss von 50 Prozent zum Beitrag der Krankenvollversicherung, bei gesetzlich Versicherten einschließlich Zusatzbeitrag und ohne Pflegeversicherung. Dafür verzichtest du endgültig auf die individuelle Beihilfe. Nur einzelne Länder bieten sie an, ob Anwärter sie wählen können, regelt das Land. Die Länderliste steht im Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung im Referendariat.
Passend dazu
- Krankenversicherung im Referendariat: Beihilfe, PKV oder GKV?
- Referendar in der gesetzlichen Krankenversicherung: Wann das möglich ist
- Krankenversicherung nach dem Referendariat: GKV, PKV und Anwartschaft
- Zwischen Staatsexamen und Referendariat: Wer ist versichert?
- Lehramt: Versicherung vom Studium bis zum Referendariat
- Studieren mit 30: Chancen, Finanzierung und Alltag
- Glossar Krankenversicherung im Studium
Quellen und Prüfung
- § 46 BBhV (Bemessungssätze), gesetze-im-internet.de, und § 51 BBhV (Antrag), gesetze-im-internet.de
- § 80 NBG, Niedersächsisches Beamtengesetz, nds-voris.de
- § 75 LBG NRW, Landesbeamtengesetz Nordrhein-Westfalen, recht.nrw.de
- § 3 Nr. 62 EStG, gesetze-im-internet.de, § 5 Abs. 1 Nr. 1 SGB V, gesetze-im-internet.de, § 5b DRiG, gesetze-im-internet.de, § 19 VVG, gesetze-im-internet.de
- Verband der Privaten Krankenversicherung, Merkblatt Öffnungsaktion für Beamte, Stand September 2022, pkv.de
Information, keine individuelle Beratung.
Redaktion: Academycon · Stand: Oktober 2026
Stand: 20. Oktober 2026
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Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle Beratung. Information, keine individuelle Beratung.
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