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Erster Job: Gesetzlich oder privat krankenversichert?

Erster Job nach dem Studium: Wann du gesetzlich pflichtversichert bist, was die Versicherungspflichtgrenze 2026 und 2027 bedeutet, wann PKV in Frage kommt.

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Kurz beantwortet

Im ersten Job bist du bei einer Beschäftigung gegen Arbeitsentgelt in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert, solange dein regelmäßiges Jahresentgelt die Versicherungspflichtgrenze nicht übersteigt. Sie liegt 2026 bei 77.400 Euro. Nur wer darüber liegt, kann sich privat versichern. Dieser Ratgeber nennt die Kriterien und gibt keine Empfehlung.

KernfaktWertStand und Quelle
Versicherungspflichtgrenze 202677.400 € im Jahr, 6.450 € im MonatGKV-Spitzenverband, Faktenblatt Stand 1.1.2026, Abruf 25.10.2026
Versicherungspflichtgrenze 202784.150 € im Jahr (Entwurf)Rechengrößenverordnung 2027, Kabinettsbeschluss Oktober 2026, Zustimmung des Bundesrats offen
Beitragssatz GKV 202614,6 % allgemein plus durchschnittlich 2,9 % ZusatzbeitragGKV-Spitzenverband und BMG, Stand 2026
Beitragsbemessungsgrenze 20265.812,50 € im MonatGKV-Spitzenverband, Stand 1.1.2026
Bindungsfrist Kassenwechsel12 Monate§ 175 Abs. 4 SGB V, Stand 20.10.2026

Wann endet die studentische Versicherung?

Die studentische Pflichtversicherung knüpft an die Einschreibung (§ 5 Abs. 1 Nr. 9 SGB V) und gilt längstens bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres, nach der Verwaltungspraxis bis zum Ende des Semesters, in dem du 30 wirst. Wer mit Abschluss oder Exmatrikulation aus dem Studium ausscheidet, verliert sie. Wer neben dem Studium arbeitet, bleibt als Werkstudent bis 20 Wochenstunden in Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei, in der Rentenversicherung dagegen pflichtversichert (siehe Werkstudentenprivileg).

Ein Arbeitsvertrag über die Werkstudentengrenze hinaus ändert die Lage: Wer nach § 5 Abs. 1 Nr. 1 bis 8 SGB V bereits pflichtversichert ist, fällt nicht zusätzlich unter die studentische Versicherung (§ 5 Abs. 7). Die Lücke zwischen Examen und erstem Arbeitsvertrag behandelt der Beitrag Krankenversicherung beim Berufseinstieg.

Wann bin ich als Arbeitnehmer versicherungspflichtig?

Immer dann, wenn du als Angestellter gegen Arbeitsentgelt beschäftigt bist und dein regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt die Versicherungspflichtgrenze nicht übersteigt (§ 5 Abs. 1 Nr. 1 und § 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB V). Du musst dich dann nicht entscheiden: Die gesetzliche Krankenversicherung ist Pflicht. Du wählst die Krankenkasse, der Arbeitgeber meldet dich an und führt den Beitrag ab. Bei Pflichtversicherten teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die entgeltabhängigen Beiträge zu gleichen Teilen (§ 249 Abs. 1 SGB V). Den Zusatzbeitrag tragen sie nach den Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ebenfalls je zur Hälfte.

Was bedeutet die Versicherungspflichtgrenze?

Die Versicherungspflichtgrenze, rechtlich Jahresarbeitsentgeltgrenze, trennt die Pflichtversicherten von den Versicherungsfreien. Übersteigt dein regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt sie, bist du als Angestellter versicherungsfrei und kannst zwischen freiwilliger gesetzlicher und privater Versicherung wählen. Zuschläge wegen des Familienstands zählen nicht mit. Die Grenze wird zum 1. Januar an die Lohnentwicklung angepasst und per Verordnung festgelegt.

JahrJahresarbeitsentgeltgrenzeIm MonatStatus
202677.400 €6.450 €amtlich
202784.150 €7.012,50 €Entwurf, Bundesrat offen

Rechenbeispiel: Du startest 2026 mit einem Monatsgehalt von 6.600 €. Das Jahresentgelt beträgt 6.600 € mal 12 gleich 79.200 € und liegt über 77.400 €. Du bist ab Beginn versicherungsfrei und wählst zwischen freiwilliger GKV und PKV. Bei 5.500 € im Monat wären es 66.000 €, also unter der Grenze und damit Pflichtversicherung. Wer schon versicherungspflichtig ist und die Grenze im Laufe des Jahres überschreitet, bleibt es bis zum Ende dieses Kalenderjahres (§ 6 Abs. 4 SGB V). Nur wenn das Entgelt auch die ab dem Folgejahr geltende Grenze übersteigt, endet die Pflicht.

Was kostet die gesetzliche Krankenversicherung im Job?

Der allgemeine Beitragssatz beträgt 2026 14,6 % des Bruttoentgelts bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 5.812,50 € im Monat, dazu kommt der Zusatzbeitrag deiner Kasse, im Durchschnitt 2,9 %. Die Pflegeversicherung kommt hinzu und bleibt in den Beispielen unberücksichtigt.

  1. Beispiel A, Bruttogehalt 4.000 €: 17,5 % (14,6 % plus 2,9 %) ergeben 700 € Gesamtbeitrag, dein Anteil bei hälftiger Teilung liegt bei 350 €.
  2. Beispiel B, Bruttogehalt 6.600 € und freiwillig gesetzlich versichert: Beitragspflichtig sind nur 5.812,50 €. 17,5 % davon sind 1.017,19 € Gesamtbeitrag.
  3. Der Arbeitgeberzuschuss im Beispiel B beträgt die Hälfte von 17,5 %, also 8,75 % von 5.812,50 €, das sind 508,59 € (§ 257 Abs. 1 SGB V, in Höhe des Betrags bei Pflichtversicherung).

Der Zusatzbeitrag der einzelnen Krankenkasse weicht vom Durchschnitt ab, und die Beitragsbemessungsgrenze steigt nach dem Entwurf 2027 auf 6.375 € im Monat. Die Beispiele sind Rechenbeispiele, keine Beitragsangabe einer Kasse.

Wann kommt eine private Krankenversicherung in Frage?

Als Arbeitnehmer nur, wenn du versicherungsfrei bist, in der Regel also oberhalb der Versicherungspflichtgrenze. Dann gibt es drei Wege, die sich in der Berechnung des Beitrags und im Zuschuss des Arbeitgebers unterscheiden.

Gesetzlich pflichtversichertFreiwillig gesetzlichPrivat
VoraussetzungEntgelt bis zur GrenzeEntgelt über der GrenzeEntgelt über der Grenze
Beitrag richtet sich nachEinkommen bis BeitragsbemessungsgrenzeEinkommen bis BeitragsbemessungsgrenzeVertrag, Eintrittsalter und Gesundheitszustand
Arbeitgeberträgt die HälfteZuschuss in Höhe des Anteils bei PflichtversicherungZuschuss höchstens die Hälfte des Beitrags
Mitversicherung von FamilieFamilienversicherung unter Voraussetzungen möglichFamilienversicherung unter Voraussetzungen möglichin der Regel eigener Vertrag je Person

Welche Seite zu dir passt, hängt von Gesundheitszustand, Familienplanung, Einkommensentwicklung und der Frage ab, wie sicher du dir beim späteren Wechsel zurück sein willst. Die private Versicherung verlangt in der Regel eine Gesundheitsprüfung, und die Rückkehr in die gesetzliche Versicherung ist nur in engen Fällen möglich. Dieser Ratgeber gibt keine Empfehlung. Die Einzelheiten zur PKV stehen im Beitrag PKV beim Berufseinstieg.

Was ist eine Anwartschaft?

Eine Anwartschaft ist eine Option in der privaten Krankenversicherung, den bisherigen Versicherungsschutz später wieder aufleben zu lassen, wenn man zwischenzeitlich anders versichert ist. Sie ist ein eigenes Thema und kommt vor allem für privat versicherte Studierende vor. Wann sie sich rechnet, erklärt der Beitrag Anwartschaft in der PKV, die Begriffe stehen im Glossar.

Wie wechsle ich die Krankenversicherung beim Jobstart?

  1. Prüfe das Datum, an dem deine studentische Versicherung oder Familienversicherung endet, und melde der Kasse die Exmatrikulation. Hinweise gibt der Beitrag Exmatrikulation und Krankenversicherung.
  2. Rechne dein regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt aus dem Arbeitsvertrag und vergleiche es mit der Versicherungspflichtgrenze des Jahres.
  3. Wähle bei Pflichtversicherung eine Krankenkasse und teile sie dem Arbeitgeber mit. Danach bindet dich die Wahl 12 Monate, die Kündigung wirkt zum Ablauf des übernächsten Kalendermonats. Bei einer Zusatzbeitragserhöhung gilt ein Sonderkündigungsrecht: Sonderkündigungsrecht.
  4. Prüfe bei Entgelt über der Grenze Angebote beider Seiten bei gleichem Leistungsumfang und frage den Arbeitgeber nach dem Zuschuss.
  5. Kläre bei Arbeitslosigkeit nach dem Studium die Folgen im Beitrag Arbeitslosengeld nach dem Studium.

Häufige Fragen

Muss ich mich im ersten Job selbst um die Krankenversicherung kümmern?

Bei einer Beschäftigung gegen Arbeitsentgelt unterhalb der Versicherungspflichtgrenze bist du pflichtversichert. Du wählst eine Krankenkasse, der Arbeitgeber meldet dich an. Selbst entscheiden musst du nur, wenn dein Jahresentgelt über der Grenze liegt und eine private Versicherung in Frage kommt.

Ab welchem Gehalt kann ich mich 2026 privat versichern?

Wenn dein regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt die Versicherungspflichtgrenze übersteigt. Sie liegt 2026 bei 77.400 € im Jahr, das sind 6.450 € im Monat. Für 2027 nennt der Verordnungsentwurf 84.150 €, die Zustimmung des Bundesrats steht noch aus.

Gibt es einen Zuschuss vom Arbeitgeber zur privaten Krankenversicherung?

Ja, wenn du nur wegen der Überschreitung der Jahresarbeitsentgeltgrenze versicherungsfrei bist. Der Zuschuss beträgt nach § 257 SGB V die Hälfte des allgemeinen Beitragssatzes plus die Hälfte des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes auf das beitragspflichtige Entgelt, höchstens aber die Hälfte deines tatsächlichen Beitrags.

Kann ich nach der Exmatrikulation bis zum Jobstart in der Familien- oder Studentenversicherung bleiben?

Das hängt vom Einzelfall ab: Die studentische Pflichtversicherung knüpft an die Einschreibung, die Familienversicherung an Alter und Einkommen. Für die Lücke zwischen Examen und erstem Arbeitsvertrag gibt es einen eigenen Beitrag mit allen Konstellationen.

Wie oft kann ich die Krankenkasse wechseln?

Nach einer Bindungsfrist von 12 Monaten. Die Kündigung wirkt zum Ablauf des übernächsten Kalendermonats. Erhebt deine Kasse erstmals einen Zusatzbeitrag oder erhöht sie ihn, kannst du bis zum Ablauf des Monats kündigen, ab dem die Erhöhung gilt, die Bindungsfrist entfällt dann.

Wie sich ein Nebenjob auf das BAföG auswirkt, steht im Beitrag BAföG und Nebenjob.

Passend dazu

Quellen und Prüfung

  • GKV-Spitzenverband, Faktenblatt Rechengrößen im Beitragsrecht, Stand 1.1.2026, gkv-spitzenverband.de, Abruf 25.10.2026
  • Gesetzestexte § 5, § 6, § 249, § 257 SGB V, gesetze-im-internet.de (§ 6), § 257, § 249, § 5, Abruf 25.10.2026
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung 2027 (Entwurf), bmas.de, Abruf 25.10.2026
  • Bundesregierung, Beitragsbemessungsgrenzen 2027 (im Kabinett beschlossen, Zustimmung des Bundesrats nötig), bundesregierung.de, Abruf 25.10.2026
  • Bundesgesundheitsministerium, durchschnittlicher Zusatzbeitrag 2026 (2,9 %), Stand 3.9.2026, bundesgesundheitsministerium.de, Abruf 25.10.2026
  • § 175 SGB V (Wahlrecht, Bindung, Kündigung), gesetze-im-internet.de, Abruf 20.10.2026

Redaktion: Academycon

Stand: 25. Oktober 2026

Wenn du wissen willst, welche Versicherung bei deinem Jobstart in Frage kommt, startest du im Online-Check von Academycon.

Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle Beratung. Information, keine individuelle Beratung. Werte für 2027 sind Entwurf.

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