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Garantieprodukt im Altersvorsorgedepot: Lohnt sich die Sicherheit?

Ab 2027 kann das Altersvorsorgedepot als Garantieprodukt mit einer Beitragsgarantie von 80 oder 100 Prozent angeboten werden. Was das bedeutet und worauf du achten solltest.
Studentin mit Fahrradhelm vor einem Universitätsgebäude

Inhalt

Kurz beantwortet: Ein Garantieprodukt im Altersvorsorgedepot sichert zu, dass das Kapital zu Beginn der Auszahlungsphase nicht unter einen Mindestbetrag von 80 oder 100 Prozent der eingezahlten Altersvorsorgebeiträge fällt. Das regelt das Altersvorsorgereformgesetz, das ab dem 1. Januar 2027 gilt (Stand: November 2026). Ob sich die Sicherheit lohnt, hängt von den Kosten, der Laufzeit und deinem Bedarf an Schwankungsschutz ab.

Ab 2027 soll das Altersvorsorgedepot neben einem Depot ohne Garantie und dem Standarddepot auch als Garantieprodukt angeboten werden. Die Garantie ist damit ein wichtiger Unterschied, wenn du zwischen den Produkten wählst. Dieser Ratgeber zeigt, was die Garantie genau verspricht, welche Stufe es gibt und worauf du beim Kosten- und Vertragsvergleich achten solltest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Garantie bezieht sich auf den Beginn der Auszahlungsphase, nicht auf den Zeitpunkt der einzelnen Einzahlung.
  • Zur Wahl stehen nach dem Gesetz eine Garantie von 80 Prozent oder von 100 Prozent der eingezahlten Beiträge.
  • Eine Garantie hat einen Preis. Den zahlst du über Kosten oder über eine vorsichtigere Anlage, deshalb musst du sie vergleichen.
  • Ob Zulagen in den garantierten Betrag einfließen, steht im Vertrag und sollte vor Abschluss geklärt sein.
  • Die Garantie kommt vom Anbieter, nicht vom Staat.

Was die Garantie genau verspricht

Der Anbieter gibt mit dem Garantieprodukt eine verbindliche Zusage ab. Zu Beginn der Auszahlungsphase soll das Guthaben einen vereinbarten Mindestwert nicht unterschreiten. Dieser Mindestwert liegt bei 80 Prozent oder 100 Prozent der eingezahlten Altersvorsorgebeiträge. Die Zusage bezieht sich also auf den Zeitpunkt, an dem du das Geld abrufst, und nicht auf den Kurs an einzelnen Tagen davor.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der Garantie und der Entwicklung des Guthabens. Die Garantie legt eine Untergrenze fest. Was darüber liegt, hängt von der Anlage und von den Kosten ab. Die Vorschrift findest du im Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz in der Fassung des Reformgesetzes.

Welche Garantiestufe passt zu welchem Sparziel?

GarantiestufeWas der Anbieter zusichertWorauf du achten solltest
80 ProzentMindestwert von 80 Prozent der eingezahlten BeiträgeEin Teil des Risikos bleibt beim Sparer. Prüfe, wie viel Chance auf Wertzuwachs der Vertrag dafür lässt.
100 ProzentMindestwert von 100 Prozent der eingezahlten BeiträgeDie höhere Sicherheit hat einen Preis. Vergleiche die Gesamtkosten mit dem Standarddepot.

Rechenbeispiel zur Untergrenze

Annahme: Du zahlst über die Laufzeit insgesamt 10.000 Euro Eigenbeiträge in das Garantieprodukt ein. Der garantierte Mindestwert zu Beginn der Auszahlungsphase ergibt sich dann so:

GarantiestufeMindestwert bei 10.000 Euro Eigenbeiträgen
80 Prozent8.000 Euro
100 Prozent10.000 Euro

Das Beispiel rechnet nur mit den Eigenbeiträgen. Ob Zulagen zu den eingezahlten Beiträgen zählen, legt der Vertrag fest. Es zeigt keine Rendite und keine Kosten.

Was kostet die Sicherheit?

Eine Garantie muss der Anbieter kalkulieren. Wer das Kapital absichern will, braucht dafür Puffer in der Anlage oder in den Kosten. Deshalb wirkt sich die Garantie auf die Chancen der Wertentwicklung aus. Wie stark, hängt vom Produkt ab und lässt sich nur am konkreten Vertrag ablesen.

Vergleiche daher die Gesamtkosten des Garantieprodukts mit dem Standarddepot und mit einem Depot ohne Garantie. Die Kosten stehen in den Produktinformationen des Anbieters. Ein Vergleich nur der Verwaltungsgebühr reicht nicht, weil Kosten auch in der Anlage stecken können.

Für wen lohnt sich ein Garantieprodukt?

  • Wer wenig Schwankungen aushalten möchte und zu Beginn der Auszahlungsphase einen Mindestwert braucht, sollte die Garantie genau prüfen.
  • Wer einen langen Anlagezeitraum hat und Kursschwankungen aussitzen kann, sollte die Kosten des Garantieprodukts mit einem Depot ohne Garantie vergleichen.
  • Wer das Geld vor dem 65. Lebensjahr benötigen könnte, muss die Regeln zur vorzeitigen Auszahlung kennen, bevor er sich festlegt.

So prüfst du ein Garantieprodukt

  1. Lass dir die Garantiestufe schriftlich nennen und prüfe, ob sie 80 oder 100 Prozent beträgt.
  2. Kläre, ob Zulagen in den garantierten Betrag einfließen.
  3. Vergleiche die Gesamtkosten mit einem Standarddepot und einem Depot ohne Garantie.
  4. Lies nach, wann die Auszahlungsphase beginnt und wie der Auszahlungsplan geregelt ist.

Häufige Fragen

Garantiert der Staat das Geld?

Nein. Die Zusage kommt vom Anbieter des Vertrags, nicht vom Staat. Die Garantie ist deshalb nur so verlässlich wie der Anbieter, der sie gibt. Die Prüfung des Anbieters gehört deshalb zu jeder Entscheidung.

Kann ich später in ein Depot ohne Garantie wechseln?

Ob und zu welchen Bedingungen ein Wechsel möglich ist, regelt der Vertrag. Frage den Anbieter vor Abschluss danach, denn nachträgliche Änderungen sind nicht überall gleich geregelt.

Ist die Garantie bei jedem Anbieter gleich?

Die gesetzlichen Stufen sind gleich. Kosten, Anlagestrategie und Konditionen unterscheiden sich aber von Anbieter zu Anbieter, deshalb lohnt der Vergleich.

Wann beginnt die Auszahlungsphase?

Ohne abweichende Vereinbarung beginnt sie mit der Vollendung des 65. Lebensjahres. Das gilt für Verträge, die nach dem 31. Dezember 2026 abgeschlossen werden. Den Beginn kannst du im Vertrag festlegen.

Typische Missverständnisse

  • Eine Garantie bedeutet nicht, dass das Guthaben steigt. Sie legt nur einen Mindestwert fest.
  • Eine Garantie von 100 Prozent schützt nicht vor Inflation. Der Mindestwert ist eine Nominalsumme.

Wie du Garantie und Ertragschance zusammen bewertest

Eine Garantie beantwortet eine Frage: Wie viel Schutz hast du am Ende der Ansparphase? Sie beantwortet nicht die Frage, wie viel du verdienst. Wer beides verwechselt, überschätzt leicht den Nutzen. Die Ertragschance liegt in der Anlage, die Sicherheit im Mindestwert. Beides zusammen ergibt das Gesamtbild, das du mit dem Anbieter besprechen solltest.

Sinnvoll ist ein Blick auf deinen Zeitraum bis zum Rentenbeginn. Bei einer langen Ansparphase können Kursschwankungen über die Jahre ausgeglichen werden. Bei einer kurzen Restlaufzeit ist dieser Spielraum kleiner, dort hat die Garantie ein größeres Gewicht. Eine pauschale Antwort gibt es trotzdem nicht, weil persönliche Einkünfte und andere Vorsorge den Ausschlag geben.

Welche Unterlagen brauche ich für den Vergleich?

Hilfreich sind die Produktinformationen des Anbieters, die Vertragsbedingungen und eine Kostenaufstellung, die alle laufenden und einmaligen Kosten ausweist. Frage außerdem, wie die Garantie im Vertrag formuliert ist und ob sie an bestimmte Bedingungen geknüpft ist.

Klauseln, die den Vergleich verändern

Achte auf Klauseln zu Gebühren bei einer Kündigung, einem Wechsel oder einer Umstellung der Anlage. Solche Regeln beeinflussen die Summe, die am Ende zur Verfügung steht. Sie gehören deshalb genauso in den Vergleich wie die laufenden Kosten, auch wenn sie im Alltag selten auffallen.

Ein weiterer Punkt betrifft die Frage, ob du die Garantie später ändern oder abgeben kannst. Auch das regelt der Vertrag. Notiere dir diese Regel, bevor du unterschreibst, denn sie entscheidet darüber, wie flexibel du auf eine veränderte Lebenssituation reagieren kannst.

Passend dazu

Quellen: Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz in der Fassung mit Änderungen durch das Altersvorsorgereformgesetz, § 1 Abs. 1 Nr. 3 (Fassung ab 1. Januar 2027), Bundestag, Drucksache 21/4997, Bericht des Haushaltsausschusses (Stand 2026).

Stand: November 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.

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