Eine Mieterhöhung im WG-Zimmer ist nur unter engen gesetzlichen Voraussetzungen zulässig. Bekommst du als Mieter ein Erhöhungsverlangen, solltest du Fristen, Höhe und Begründung prüfen, bevor du zustimmst. Dieser Beitrag erklärt die Regeln nach § 558 BGB, nennt Beispiele mit Zahlen und zeigt die Besonderheiten bei WG, Untermiete und Wohnheim. Weitere Themen findest du im Überblick Wohnen im Studium.
Kurz beantwortet: Der Vermieter kann eine Erhöhung bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete verlangen, wenn die Miete seit 15 Monaten unverändert ist und seit der letzten Erhöhung ein Jahr vergangen ist (§ 558 Abs. 1 BGB). Innerhalb von drei Jahren darf sie um höchstens 20 Prozent steigen, in Gebieten mit gefährdeter Wohnraumversorgung um höchstens 15 Prozent (§ 558 Abs. 3 BGB). Stand: November 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Erhöhung ist nur bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete zulässig, die sich aus den üblichen Entgelten der letzten sechs Jahre ergibt.
- Die Miete muss zum Zeitpunkt der Erhöhung seit 15 Monaten unverändert sein, das Verlangen frühestens ein Jahr nach der letzten Erhöhung.
- Die Kappungsgrenze beträgt 20 Prozent in drei Jahren, in angespannten Gebieten 15 Prozent.
- Du hast Zeit bis zum Ablauf des zweiten Kalendermonats nach Zugang, um zuzustimmen.
- Bei einem gemeinsamen Mietvertrag muss das Verlangen an alle Mieter gerichtet sein.
Wann darf der Vermieter die Miete erhöhen?
Nach § 558 Abs. 1 BGB kann der Vermieter die Zustimmung zu einer Mieterhöhung bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete verlangen, wenn die Miete zu diesem Zeitpunkt seit 15 Monaten unverändert ist. Das Erhöhungsverlangen ist frühestens ein Jahr nach der letzten Mieterhöhung zulässig. Erhöhungen wegen Modernisierung oder Betriebskosten nach den §§ 559 bis 560 BGB bleiben dabei unberücksichtigt.
Die ortsübliche Vergleichsmiete ergibt sich aus den üblichen Entgelten der letzten sechs Jahre für vergleichbaren Wohnraum in der Gemeinde oder einer vergleichbaren Gemeinde. Maßgeblich sind Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit, Lage und energetischer Zustand. Als Begründung des Verlangens kommt etwa ein Mietspiegel in Betracht, siehe Mietspiegel finden und lesen. Formale Anforderungen an das Verlangen regelt § 558a BGB.
Wichtig ist die Wirkung: Der Vermieter kann die Miete nicht einseitig anheben. Er verlangt deine Zustimmung, und ohne sie bleibt es zunächst bei der bisherigen Miete. Erst wenn du zustimmst oder ein Gericht dich zur Zustimmung verurteilt, wird die höhere Miete geschuldet. Das gilt für die Mieterhöhung bis zur Vergleichsmiete, nicht für Modernisierungs- oder Betriebskostenerhöhungen nach den §§ 559 bis 560 BGB, die eigenen Regeln folgen.
Ausgenommen ist Wohnraum, dessen Miete gesetzlich oder im Zusammenhang mit einer Förderzusage festgelegt ist (§ 558 Abs. 2 BGB).
Wie hoch darf die Erhöhung ausfallen?
Die Kappungsgrenze in § 558 Abs. 3 BGB begrenzt die Erhöhung innerhalb von drei Jahren auf 20 Prozent. In Gebieten mit besonders gefährdeter Wohnraumversorgung beträgt der Satz 15 Prozent. Die Landesregierungen bestimmen diese Gebiete durch Rechtsverordnung für jeweils höchstens fünf Jahre. Prüfe daher, ob deine Gemeinde auf der Liste deines Bundeslandes steht.
| Angabe | Beispiel (Annahme) | Ergebnis |
|---|---|---|
| Aktuelle Kaltmiete | 400 Euro | Ausgangswert |
| Ortsübliche Vergleichsmiete | 520 Euro | Obergrenze nach § 558 Abs. 1 |
| Kappungsgrenze 20 Prozent | 400 Euro plus 80 Euro | Höchstens 480 Euro |
| Kappungsgrenze 15 Prozent im angespannten Gebiet | 400 Euro plus 60 Euro | Höchstens 460 Euro |
| Zulässiger Betrag | Der niedrigere der beiden Werte | 480 oder 460 Euro |
Annahme: In den letzten drei Jahren gab es keine Erhöhung, und es handelt sich nicht um Modernisierung. Die Berechnung bezieht sich auf die Kaltmiete. Gab es in den letzten drei Jahren bereits Erhöhungen, zählen sie auf die Grenze mit.
Welche Fristen hast du für Zustimmung und Klage?
Nach § 558b BGB musst du bis zum Ablauf des zweiten Kalendermonats nach Zugang des Verlangens zustimmen. Stimmst du zu, schuldest du die erhöhte Miete ab dem dritten Kalendermonat nach Zugang. Stimmst du nicht zu, kann der Vermieter innerhalb von drei weiteren Monaten auf Zustimmung klagen. Ist das Verlangen formal fehlerhaft, kann er es im Rechtsstreit nachholen oder die Mängel beheben, du behältst aber die Zustimmungsfrist.
Annahme: Das Schreiben geht dir am 10. Januar zu. Du kannst bis zum 31. März zustimmen. Die höhere Miete wäre ab dem 1. April fällig. Verweigerst du die Zustimmung, kann der Vermieter bis zum 30. Juni Klage erheben. Eine zum Nachteil des Mieters abweichende Vereinbarung ist unwirksam.
Daneben sieht das Gesetz bei einer Mieterhöhung nach § 558 BGB ein Sonderkündigungsrecht des Mieters vor (§ 561 BGB). Lass dich dazu beraten, bevor du kündigst, und beachte die Kündigungsfrist im WG-Zimmer.
Was gilt im WG-Zimmer, bei Untermiete und im Wohnheim?
Das Gesetz kennt keine eigene Regel für WG-Zimmer. Entscheidend ist dein Vertragsverhältnis:
- Gemeinsamer Hauptmietvertrag der WG: Das Erhöhungsverlangen muss an alle Mieter gerichtet sein, sonst ist es nichtig. Der Beitrag Wohngemeinschaft gründen erklärt die Vertragsformen.
- Einzelmietvertrag mit dem Vermieter: Er kann dich einzeln zur Zustimmung auffordern. Die übrigen Zimmer haben eigene Verträge mit eigenen Fristen.
- Untermiete bei einem Mitbewohner oder Hauptmieter: Hier hängt die Anwendung der Regeln von der Konstellation ab. Für Zimmer in der selbst bewohnten Wohnung des Vermieters, die überwiegend möbliert sind, nimmt § 549 Abs. 2 BGB bestimmte Vorschriften aus.
- Studentenwohnheim: Nach § 549 Abs. 3 BGB gelten die Vorschriften zur Miethöhe bei Mietbeginn, zur Mieterhöhung und zum Kündigungsschutz nicht. Die Kosten dort regelt der Träger, siehe Kosten im Studierendenwohnheim.
Staffel- und Indexmieten folgen eigenen Regeln, siehe Staffelmiete und Indexmiete. Eine Erhöhung der Nebenkostenvorauszahlung ist keine Mieterhöhung nach § 558, dazu Nebenkostenvorauszahlung anpassen.
Häufige Fragen
Muss ich der Mieterhöhung zustimmen?
Nur wenn sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt: Fristen, Höhe bis zur Vergleichsmiete, Kappungsgrenze und Form. Erfüllt das Schreiben sie nicht, kannst du die Zustimmung verweigern. Der Vermieter kann dann klagen, das Gericht prüft die Voraussetzungen.
Darf der Vermieter jedes Jahr erhöhen?
Nein. Zwischen zwei Erhöhungen müssen nach § 558 Abs. 1 BGB mindestens 15 Monate liegen, und das Verlangen ist frühestens ein Jahr nach der letzten Erhöhung zulässig. Außerdem gilt die Kappungsgrenze.
Was ist, wenn nur ein Mitbewohner das Schreiben bekommt?
Bei einem gemeinsamen Mietvertrag muss die Erhöhung an alle Mieter gerichtet sein. Ein Schreiben an nur einen Mieter reicht nicht aus.
Wie finde ich die ortsübliche Vergleichsmiete?
Meist im Mietspiegel deiner Stadt. Gibt es keinen, kommen andere Begründungsmittel in Betracht. Mietervereine helfen beim Prüfen.
Gilt das auch für Zwischen- und Untermiete?
Das hängt davon ab, wer dein Vermieter ist und wie der Vertrag ausgestaltet wurde. Lies dazu Hauptmieter oder Untermieter im WG-Zimmer.
So gehst du jetzt vor
- Notiere das Zugangsdatum des Erhöhungsverlangens und berechne die Zustimmungsfrist.
- Prüfe, ob die Miete seit 15 Monaten unverändert ist und seit der letzten Erhöhung ein Jahr vergangen ist.
- Vergleiche den verlangten Betrag mit dem Mietspiegel und der Kappungsgrenze.
- Prüfe, ob das Schreiben an alle Mieter gerichtet ist und begründet wurde.
- Stimme nur zu, wenn alles passt, und lass dich bei Zweifeln beim Mieterverein beraten.
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Quellen: § 558 BGB, Mieterhöhung bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete, Gesetze im Internet; § 558b BGB, Zustimmung zur Mieterhöhung, Gesetze im Internet; § 549 BGB, Gesetze im Internet; Berliner MieterGemeinschaft, Mietermehrheit in einem Mietvertrag, abgerufen November 2026.
Stand: November 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.