Das Altersvorsorgedepot oder ein ETF-Sparplan: Vor dieser Frage stehen Berufsstarter, sobald das neue Produkt startet. Beide Wege arbeiten mit Fonds und einem Sparplan, unterscheiden sich aber bei Förderung, Kosten und der Verfügbarkeit des Geldes. Dieser Vergleich zeigt, wann welcher Weg zu deiner Lage passen kann.
Kurz beantwortet: Stand: Oktober 2026. Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Depot ohne Beitragsgarantie. Der Bundestag hat die Reform im März 2026 beschlossen, der Bundesrat hat im Mai 2026 zugestimmt. Anbieter können es ab dem 1. Januar 2027 vermarkten. Ein ETF-Sparplan ohne Förderung ist flexibler, bekommt aber keine Zulage. Welcher Weg passt, hängt von Einkommen, Kosten und Zeithorizont ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Reform wurde vom Bundestag am 27. März 2026 und vom Bundesrat am 8. Mai 2026 beschlossen (Bundestagsdrucksache 21/6726).
- Laut Bundesregierung können Anbieter das Altersvorsorgedepot ab dem 1. Januar 2027 oder früher vermarkten.
- Im Beratungsstand der Reform lag die Grundzulage bei bis zu 540 Euro im Jahr, die Kinderzulage bei bis zu 300 Euro (Bundestagsdrucksache 21/4997, März 2026).
- Ein ETF-Sparplan ohne Förderung ist flexibler, aber ohne staatliche Zulage.
- Kosten, Anlagewahl und Auszahlungsregeln entscheiden über das Ergebnis, nicht nur der Name des Produkts.
Was das Altersvorsorgedepot ist
Das Altersvorsorgedepot ist ein Depot, in dem du staatlich gefördert für das Alter sparst. Es soll die Riester-Rente ablösen. Anders als klassische Riester-Verträge ist es nicht als Garantieprodukt angelegt. Die Bundestagsdrucksache 21/4997 beschreibt es als Depot ohne Garantien für eine chancenorientierte Kapitalanlage, das auch als einfaches Standardprodukt angeboten werden kann.
Als Ziel nennt die Drucksache geringere Kosten. Wie hoch die Kosten konkret sind, zeigen erst die Angebote der Anbieter nach dem Start. Deshalb sollte der Blick auf Gebühren und Fondskosten im Vergleich stehen, nicht nur auf die Förderung.
Wie groß ist der Unterschied bei der Förderung?
Der zentrale Unterschied ist die staatliche Zulage. Ein ETF-Sparplan ohne Förderung bekommt keine Zulage, dafür gibt es keine besonderen Bedingungen. Die folgende Tabelle stellt die Eckpunkte gegenüber, soweit sie belegt sind.
| Merkmal | Altersvorsorgedepot (ab 2027) | ETF-Sparplan ohne Förderung |
|---|---|---|
| Staatliche Grundzulage | Ja, bis zu 540 Euro im Jahr (Beratungsstand März 2026) | Nein |
| Kinderzulage | Ja, bis zu 300 Euro im Jahr (Beratungsstand März 2026) | Nein |
| Garantie | Keine Beitragsgarantie | Keine Garantie |
| Verfügbarkeit des Geldes | Nach den Regeln des neuen Produkts, vor Abschluss prüfen | In der Regel jederzeit, abhängig vom Depot |
| Steuern auf Erträge | Nach den Regeln des neuen Gesetzes, vor Abschluss prüfen | Kapitalerträge mit Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro für Alleinstehende (§ 20 Abs. 9 EStG) |
Die Zulagen gelten nur, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Ob du als Berufsstarter alle Anforderungen erfüllst, zeigen die Angaben des Anbieters und das Gesetz. Die Beträge beruhen auf dem Beratungsstand der Drucksache und sind vor einem Abschluss am endgültigen Gesetzestext zu prüfen.
Kosten und Anlagewahl im Vergleich
Beim Vergleich zählen Depotgebühr, Sparplankosten und laufende Fondskosten. Ein günstiger Fonds mit niedrigen Gesamtkosten wirkt über Jahrzehnte stärker als ein Produkt mit hohen Gebühren. Beim Altersvorsorgedepot kommen die Konditionen des Anbieters hinzu, die mit dem Start verlässlich vorliegen.
Annahme: Du legst 100 Euro im Monat über 35 Jahre zurück und rechnest mit 6 Prozent Rendite vor Kosten. Produkt A kostet 1,5 Prozent im Jahr, Produkt B 0,3 Prozent. Dann ergibt sich für A ein Endwert von rund 97.800 Euro, für B rund 125.500 Euro, bei eingezahlten 42.000 Euro. Die Differenz von rund 27.700 Euro entsteht allein durch die Kosten. Die Zahlen sind ein Modell, keine Prognose.
Was bei der Auszahlung zählt
Bei jeder Altersvorsorge entscheidet am Ende auch, wie das Geld ausgezahlt wird: Als lebenslange Rente, als Einmalbetrag oder als Kombination. Die Regeln dazu stehen im Vertrag und im Gesetz und unterscheiden sich zwischen den Produkten. Wer das erst kurz vor dem Rentenbeginn prüft, hat wenig Spielraum für eine Korrektur.
Deshalb gehört die Frage nach der Auszahlung schon in den Vergleich. Ein Produkt mit niedrigen Kosten hilft wenig, wenn die Auszahlung für dich ungünstig geregelt ist. Lass dir die Auszahlungsregeln deshalb in einfacher Sprache und schriftlich erklären, bevor du startest.
Wann welcher Weg eher passt
Die Entscheidung hängt von deinen Prioritäten ab. Die Übersicht zeigt typische Situationen, sie ersetzt aber keine persönliche Prüfung.
| Deine Situation | Eher Altersvorsorgedepot | Eher ETF-Sparplan |
|---|---|---|
| Du willst staatliche Zulagen nutzen | Ja, das ist der Kern des Produkts | Nein, keine Zulage |
| Du brauchst flexible Verfügbarkeit | Nur mit Blick auf die Regeln | Ja, meist jederzeit |
| Du hast Kinder oder erwartest eine Kinderzulage | Kann passen, Zulagen prüfen | Ohne Zulage |
| Du zahlst nur kleine Beträge ein | Mindestbeiträge für die Förderung beachten | Oft schon ab kleinen Beträgen möglich |
| Du willst die Kosten niedrig halten | Konditionen vergleichen | Konditionen vergleichen |
Bevor du dich entscheidest, lohnt ein Blick auf den eigenen Plan. Wie lange bleibt das Geld gebunden? Wie sicher ist dein Einkommen in den nächsten fünf Jahren? Und wie stark belastet die Sparrate dein Budget, wenn etwas Unerwartetes passiert? Die Antworten bestimmen, welcher Weg für dich mehr Sinn ergibt.
Häufige Fragen
Kann ich ein Altersvorsorgedepot schon vor 2027 abschließen?
Laut Bundesregierung können Anbieter das Produkt ab dem 1. Januar 2027 oder früher vermarkten (Bundestagsdrucksache 21/6726). Frage bei den Anbietern nach dem konkreten Starttermin, bevor du dich festlegst.
Ist ein ETF-Sparplan besser als das Altersvorsorgedepot?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Ohne Förderung hat der ETF-Sparplan Flexibilität. Mit Förderung hat das Altersvorsorgedepot den Vorteil der Zulagen. Entscheidend sind Kosten, die Regeln zur Auszahlung und dein Zeithorizont.
Verliere ich Zulagen, wenn ich weniger spare?
Bei der Riester-Förderung führt ein fehlender Mindesteigenbeitrag zur Kürzung der Zulage (§ 86 EStG). Ob das im neuen Altersvorsorgedepot genauso gilt, regelt das neue Gesetz. Diese Regel solltest du vor dem Abschluss prüfen.
Kann ich beide Wege kombinieren?
Ja, manche Sparer nutzen eine Förderung und ergänzen sie mit einem ETF-Sparplan. Wie das Verhältnis aussieht, hängt von deinem Budget ab. Eine Übersicht zum ETF-Start bietet der Ratgeber ETF-Sparen im Studium.
Welche Rolle spielt die gesetzliche Rente?
Die gesetzliche Rente bleibt die Grundlage der Altersabsicherung, und private Vorsorge ergänzt sie. Ob du zusätzlich fördern lassen solltest, hängt davon ab, wie hoch deine erwartete gesetzliche Rente ist und wie viel du sonst zurücklegen kannst. Wenn du den Blick erweitern willst, hilft der Ratgeber Rentenlücke berechnen als Akademiker.
Brauche ich ein eigenes Depot für beides?
Ein Depot ist die Grundlage für ETF-Sparpläne. Beim Altersvorsorgedepot gelten zusätzlich die Vorgaben des Anbieters. Prüfe, ob dein Depot-Anbieter das geförderte Produkt überhaupt anbietet, sonst entstehen zwei getrennte Konten mit eigenen Kosten.
So gehst du jetzt vor
- Sichere zuerst einen Notgroschen, bevor du langfristig sparst.
- Prüfe die Fördervoraussetzungen des Altersvorsorgedepots, sobald Angebote verfügbar sind.
- Vergleiche die Gesamtkosten in Prozent pro Jahr, inklusive Fonds, Depot und Sparplan.
- Entscheide dich für einen Weg, richte einen Dauerauftrag ein und prüfe ihn jährlich.
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Quellen: Bundestagsdrucksache 21/4997, 25. März 2026; Bundestagsdrucksache 21/6726, 25. Juni 2026; § 20 EStG, Sparer-Pauschbetrag (Abruf Oktober 2026)
Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.