More info

Mietbürgschaft der Eltern: Was sie für dich bedeutet

Eine Mietbürgschaft der Eltern muss schriftlich erfolgen und ist auf drei Nettomieten begrenzt. Was Eltern und Mieter beachten sollten.
Zwei Studentinnen auf dem Campus im Herbst

Inhalt

Eine Mietbürgschaft der Eltern ist für viele Studierende der Weg, wenn Vermieter Sicherheit verlangen und die Barkaution schwer aufzubringen ist. Dabei verpflichten sich die Eltern gegenüber dem Vermieter, für deine Mietschulden einzustehen. Sie werden nicht Mieter, haften aber unter Umständen mit ihrem eigenen Vermögen. Zur klassischen Barkaution siehe den Ratgeber Mietkaution als Student.

Kurz beantwortet: Mit einer Mietbürgschaft sichern deine Eltern den Vermieter ab. Sie muss schriftlich erklärt werden (§ 766 BGB) und ist als Mietsicherheit auf höchstens drei Nettomieten begrenzt (§ 551 BGB). Die Eltern haften unabhängig von einem Verschulden von dir, wenn du zahlungsunfähig wirst (Stand: November 2026).

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bürgschaft ist nur wirksam, wenn sie schriftlich erklärt wird und das Schriftstück dem Vermieter vom Bürgen übergeben wird (§ 766 BGB).
  • Als Mietsicherheit ist sie auf höchstens drei Nettomieten begrenzt (§ 551 BGB).
  • Wird neben einer zulässigen Barkaution eine Bürgschaft verlangt, ist diese Abrede nach § 551 Abs. 4 BGB nichtig.
  • Die Bürgschaft kann Rechtsverfolgungskosten und Schadensersatzansprüche des Vermieters umfassen.
  • Die Eltern haften unabhängig von einem Verschulden des Mieters.

Was ist eine Mietbürgschaft der Eltern?

Bei der Bürgschaft verpflichtet sich der Bürge gegenüber dem Vermieter, für die Verbindlichkeiten des Mieters einzustehen (§ 765 BGB). Deine Eltern sind also nicht Vertragspartner des Mietvertrags, sondern Sicherungsgeber. Sie kommen erst zum Zug, wenn du Forderungen des Vermieters nicht erfüllst. Die Bürgschaft kann die Barkaution ersetzen, sie ist eine der zulässigen Formen der Mietsicherheit.

Wie hoch darf die Bürgschaft sein?

Als Mietsicherheit ist die Bürgschaft nach § 551 BGB auf höchstens das Dreifache der auf einen Monat entfallenden Miete begrenzt, ohne die als Pauschale oder Vorauszahlung ausgewiesenen Betriebskosten. Die Mieterbund-Seite spricht von drei Nettomieten (Mieterbund-Hinweise zur Bürgschaft). Eine abweichende Vereinbarung zum Nachteil des Mieters ist unwirksam (§ 551 Abs. 4 BGB).

Monatliche Nettokaltmiete (Annahme)Höchstbetrag Mietsicherheit (3 Nettomieten)
300 Euro900 Euro
450 Euro1.350 Euro
600 Euro1.800 Euro

Die Beträge sind ein Rechenbeispiel zur Dreifach-Grenze, kein Marktpreis. Verlangt der Vermieter mehr als diese Grenze, kannst du die Klausel prüfen lassen.

Gilt die Bürgschaft zusätzlich zur Kaution?

Wird neben einer zulässigen Barkaution eine Bürgschaft vereinbart, ist die Bürgschaftsabrede nach § 551 Abs. 4 BGB von Anfang an nichtig. Bietet der Bürge jedoch freiwillig und unaufgefordert eine Bürgschaft an, bleibt sie neben der Kaution wirksam. Klären solltest du deshalb, ob die Bürgschaft anstelle der Kaution oder zusätzlich verlangt wird.

Welche Formalien müssen deine Eltern beachten?

Die Bürgschaft ist nur wirksam, wenn die Bürgschaftserklärung schriftlich erteilt wird (§ 766 BGB, Gesetzestext). Das Schriftstück muss dem Vermieter vom Bürgen übergeben werden. Eine selbstschuldnerische Bürgschaft muss gesondert vereinbart werden: Der Vermieter kann dann direkt gegen den Bürgen vorgehen, ohne zuerst bei dir zu vollstrecken. Der Regelfall ist die Ausfallbürgschaft, bei der zuerst erfolglos gegen dich vorgegangen werden muss. Lest den Text vor der Unterschrift gemeinsam durch und fragt nach, welche Forderungen genau erfasst sind.

Wofür haften deine Eltern konkret?

Die Bürgschaft erstreckt sich in der Regel auch auf Kosten der Rechtsverfolgung, also Gerichts-, Anwalts- und Vollstreckungskosten. Sie kann außerdem Schadensersatzansprüche des Vermieters umfassen, etwa wegen unterlassener Schönheitsreparaturen. Der Bürge haftet unabhängig von einem Verschulden des Mieters. Entscheidend ist deine Zahlungsfähigkeit, die etwa durch Jobverlust schnell wegfallen kann. Die Beträge können sich rasch summieren.

Rechenbeispiel: Wie sich Mietrückstände auswirken

Annahme: Deine Nettokaltmiete beträgt 450 Euro, die Bürgschaft ist auf 1.350 Euro begrenzt. Du zahlst drei Monate nicht. Der Vermieter kann sich an deine Eltern halten, bei einer selbstschuldnerischen Bürgschaft ohne zuerst bei dir zu vollstrecken.

PostenBetrag (Annahme)
Rückstand drei Monate Nettokaltmiete1.350 Euro
Mögliche Höchstgrenze der Bürgschaft (3 Nettomieten)1.350 Euro
Mögliche zusätzliche Kosten der Rechtsverfolgungje nach Fall, von der Bürgschaft erfasst

Aussagen zur genauen Haftungssumme hängen vom Wortlaut der Bürgschaftsurkunde ab. Lasst sie vor der Unterschrift prüfen.

Wann kommt eine Elternbürgschaft in Frage?

Vermieter verlangen bei Studierenden häufig zusätzliche Sicherheit, weil ein regelmäßiges Einkommen fehlt. Eine Elternbürgschaft kann dann helfen, eine Wohnung zu bekommen, ohne die Barkaution aufzubringen. Sie ist aber kein Selbstläufer, denn der Vermieter entscheidet, welche Sicherheit er akzeptiert, und deine Eltern gehen ein echtes finanzielles Risiko ein. Sprecht deshalb vor der Zusage offen über Miethöhe, Laufzeit und deine finanzielle Lage. Deine Eltern sollten zudem prüfen, ob sie im Ernstfall den Höchstbetrag auch tatsächlich zahlen könnten, ohne ihre eigene Absicherung zu gefährden, und die Bürgschaft nur übernehmen, wenn das der Fall ist. Das gilt besonders, weil die Haftung nicht von deinem Verschulden abhängt.

Welche Alternativen gibt es zur Elternbürgschaft?

Neben der Barkaution, die du in drei Raten zahlen kannst, kommen Kautionsversicherungen in Betracht, siehe Kautionsversicherung statt Mietkaution. Dort zahlst du eine Prämie, statt Geld zu hinterlegen, und deine Eltern haften nicht selbst. Welche Variante passt, hängt davon ab, was der Vermieter akzeptiert und wie belastbar die finanzielle Lage deiner Familie ist. Beachte, dass auch Sicherheiten insgesamt der Dreifach-Grenze nach § 551 BGB unterliegen.

Was passiert nach dem Auszug mit der Bürgschaft?

Wie lange die Bürgschaft nach dem Auszug fortwirkt, bestimmt der Wortlaut der Bürgschaftserklärung und der Stand der Forderungen des Vermieters. Offene Nebenkostenabrechnungen oder Schadensersatzansprüche können auch nach dem Auszug noch geklärt werden müssen. Bittet deshalb den Vermieter nach der Wohnungsübergabe um eine schriftliche Bestätigung, dass keine Forderungen mehr bestehen und die Bürgschaftsurkunde zurückgegeben wird. Zur Abrechnung nach dem Auszug siehe Nebenkostenabrechnung prüfen.

Häufige Fragen

Brauchen meine Eltern ein Einkommen, damit der Vermieter die Bürgschaft akzeptiert?

Das richtet sich nach den Anforderungen des Vermieters und ist keine gesetzliche Voraussetzung der Bürgschaft. Maßgeblich ist, dass die Erklärung formgerecht abgegeben wird (§ 766 BGB).

Können die Eltern die Bürgschaft später beenden?

Das Beenden einer Bürgschaft hängt vom Wortlaut und von den Umständen ab. Dazu enthalten die herangezogenen Quellen keine allgemeine Regel, deshalb sollte vor der Unterschrift geklärt werden, ob und wie die Bürgschaft endet.

Ist eine Bürgschaft besser als eine Barkaution?

Das hängt von deiner Situation ab. Die Bürgschaft schont deine Liquidität, belastet aber das Vermögen deiner Eltern. Die Barkaution ist auf drei Monatsmieten begrenzt und muss getrennt angelegt werden, siehe Mietkaution als Student.

Haften die Eltern auch, wenn ich ausziehe?

Wie lange die Bürgschaft gilt und wofür, bestimmt der Wortlaut. Zu Rückgabe der Sicherheit nach dem Auszug siehe Mietkaution zurückbekommen nach dem Auszug.

So gehst du jetzt vor

  1. Kläre mit dem Vermieter, ob eine Bürgschaft statt der Barkaution akzeptiert wird.
  2. Prüfe, dass die Höchstgrenze von drei Nettomieten nicht überschritten wird.
  3. Lasst die Bürgschaftsurkunde gemeinsam mit deinen Eltern prüfen, vor allem den Umfang und die Art der Bürgschaft.
  4. Deine Eltern unterschreiben schriftlich und übergeben das Dokument dem Vermieter.
  5. Halte die Miete pünktlich ein und informiere deine Eltern früh, wenn Zahlungsprobleme drohen.

Passend dazu

Quellen: § 551 BGB, § 766 BGB und Mieterbund-Hinweise zur Mietbürgschaft, Stand 2026.

Stand: November 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.

Teilen

Weitere Artikel

Studentin liest am Küchentisch ein Schreiben ihrer Krankenkasse

Karenztag: Was Beschäftigte am ersten Krankheitstag verlieren würden

Studentin mit Rucksack und Reisepass am Fenster einer Flughafenhalle

Reisepass verloren im Ausland: Was jetzt zu tun ist

Zwei Studentinnen auf dem Campus im Herbst

Freistellung für Ehrenamt: Anspruch gegen den Arbeitgeber