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Rücktritt von der Staatsprüfung: Attest und Folgen, Beispiel Sachsen

Was ein Rücktritt wegen Krankheit im Staatsexamen verlangt, zeigt dieser Ratgeber am Merkblatt Sachsens, mit Hinweisen auf ältere Länderregeln.
Referendar steht vor der Tafel in einem Klassenzimmer

Inhalt

Wer während der Prüfung erkrankt oder erst kurz vorher krank wird, steht vor der Frage, ob er zurücktreten kann und wie er das belegt. Die Antwort hängt vom Land und von der Prüfungsordnung ab. Dieser Ratgeber zeigt, was ein Rücktritt wegen Krankheit nach dem Merkblatt des sächsischen Landesjustizprüfungsamts verlangt und welche Unterschiede ältere Berichte über andere Länder beschreiben.

Kurz beantwortet: Am Beispiel Sachsen: Nach dem Merkblatt des sächsischen Landesjustizprüfungsamts vom 31. Juli 2025 braucht es ein ärztliches Attest, das konkrete Beschwerden und deren Auswirkungen auf das Leistungsvermögen beschreibt. Eine bloße Bescheinigung der Prüfungsunfähigkeit genügt nicht. Die Frist für die Anzeige nennt das Merkblatt nicht. Maßgeblich bleibt die Prüfungsordnung deines Landes (Stand: November 2026).

Das Wichtigste in Kürze

  • Das sächsische Merkblatt verlangt ein ärztliches Attest mit konkreten Beschwerden und deren Auswirkungen.
  • Eine Bescheinigung der Prüfungsunfähigkeit allein reicht nach diesem Merkblatt nicht aus.
  • Auf Anforderung ist ein amtsärztliches Attest einzuholen.
  • Das Attest soll in der Regel nicht später als am Prüfungstag ausgestellt sein, das Original ist einzureichen.
  • Ältere Berichte beschreiben für einzelne Länder unterschiedliche Folgen eines genehmigten Rücktritts.

Was muss das Attest enthalten?

Das Merkblatt des sächsischen Landesjustizprüfungsamts vom 31. Juli 2025 beschreibt die Anforderungen an den Nachweis. Ein ärztliches Attest ist erforderlich. Es kann von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt stammen, und bei Bedarf ist eine Entbindung von der Schweigepflicht beizufügen. Auf Anforderung ist ein amtsärztliches Attest einzuholen.

Inhaltlich muss das Attest die konkreten körperlichen und oder psychischen Beschwerden darlegen und beschreiben, wie sie das Leistungsvermögen beeinflussen. Die Bescheinigung der Prüfungsunfähigkeit allein genügt ausdrücklich nicht. Ein Formblatt des Landesjustizprüfungsamts kann verwendet werden, ist aber nicht zwingend.

Das Merkblatt nennt außerdem, dass das Ausstellungsdatum in der Regel nicht später als der Prüfungstag liegen soll und dass das Original einzureichen ist. Plane deshalb den Arztbesuch so, dass das Attest den Zeitraum der Prüfung abdeckt und rechtzeitig vorliegt.

Ärztliches oder amtsärztliches Attest?

Ältere Fachberichte beschreiben einen anderen Ausgangspunkt. Ein Bericht des Juristenportals LTO aus dem Jahr 2016 nennt für die Antragstellung in den genannten Ländern ein amtsärztliches Attest. Das Attest soll dabei das Krankheitsbild beschreiben, während die Bewertung der Prüfungsunfähigkeit beim Landesjustizprüfungsamt liegt.

Das aktuelle sächsische Merkblatt sieht dagegen zuerst ein ärztliches Attest vor und fordert das amtsärztliche Attest nur auf Anforderung. Für deine Praxis heißt das: Lass dir vom Prüfungsamt bestätigen, welche Form in deinem Fall verlangt wird, bevor du die Prüfung versäumst.

Welche Regeln gelten in anderen Ländern?

Der Bericht aus dem Jahr 2016 vergleicht mehrere Länder. Die Angaben stammen aus dem Jahr 2016, sind nicht auf den heutigen Rechtsstand geprüft und können sich geändert haben. Die Tabelle dient deshalb nur als Beispiel zur Orientierung. Prüfe jede Regel in der aktuellen Prüfungsordnung deines Landes. Die Tabelle fasst nur die im Bericht genannten Länder zusammen, weitere Länder sind darin nicht aufgeführt.

Länder laut Bericht von 2016Regel nach dem Bericht
Baden-Württemberg und BremenWer trotz eines bekannten Hindernisses antritt, verwirkt sein Rücktrittsrecht
Baden-Württemberg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und ThüringenNach einem genehmigten Rücktritt müssen alle Klausuren beim nächsten Termin nachgeholt werden
Bayern, Brandenburg, Berlin und SachsenNicht bearbeitete Klausuren können beim nächsten oder einem Ersatztermin geschrieben werden, sofern eine bestimmte Anzahl bearbeitet und überwiegend bestanden wurde

Der Bericht beschreibt außerdem, dass der Rücktritt unverzüglich erklärt werden muss. Die Prüfungsordnungen setzen dafür häufig eine Ausschlussfrist, die nach den schriftlichen Prüfungen läuft. Die Dauer der Frist steht in deiner Prüfungsordnung und hat Vorrang vor älteren Angaben.

Was bedeutet ein genehmigter Rücktritt für deine Klausuren?

Die Folgen unterscheiden sich je nach Land. Nach dem Bericht von 2016 müssen in einigen Ländern alle Klausuren beim nächsten Termin nachgeholt werden. In anderen Ländern können nicht bearbeitete Klausuren zu einem Ersatztermin geschrieben werden, wenn eine Mindestzahl bearbeitet und überwiegend bestanden wurde.

Ob ein Rücktritt auf die Wiederholung wirkt, regelt das Landesrecht. Wie sich Krankheit auf den Freiversuch auswirkt, erklärt unser Ratgeber zum Freiversuch, weil die Regel des Bundesrechts Erkrankung ausdrücklich dem Landesrecht überlässt.

Wie dokumentierst du den Zeitraum?

Der Zeitraum deiner Beschwerden sollte nachvollziehbar sein. Notiere Beginn und Verlauf der Symptome sowie die Prüfungstermine, die davon betroffen sind. Das Attest muss die Auswirkungen auf dein Leistungsvermögen darlegen, und diese Angaben lassen sich leichter formulieren, wenn du sie vorher festhältst. Bewahre außerdem Termine bei Ärztinnen und Ärzten auf, weil sie den Verlauf belegen können.

Warum der Zeitpunkt der Meldung zählt

Nach dem Bericht ist der Rücktritt unverzüglich zu erklären. Unverzüglich heißt ohne schuldhaftes Zögern, also sobald du den Grund erkennst und die Lage überblickst. Ein Attest, das erst Wochen nach dem Prüfungstag ausgestellt wird, kann die Frage aufwerfen, ob die Erkrankung rechtzeitig angezeigt wurde. Melde dich deshalb am besten am selben Tag oder unmittelbar danach beim Prüfungsamt.

Was ist ein amtsärztliches Attest?

Ein amtsärztliches Attest stellt eine Ärztin oder ein Arzt des öffentlichen Gesundheitsdienstes aus, und zwar auf Anforderung des Prüfungsamts. Es ersetzt nicht automatisch das Attest der behandelnden Praxis, sondern ergänzt es. Ob und wann das Prüfungsamt es verlangt, ergibt sich aus dem Merkblatt und der Prüfungsordnung deines Landes. Wer die Form früh klärt, vermeidet Nachforderungen und Zeitverlust.

Was du bei einem Rücktritt nicht übersehen solltest

  • Die Frist für die Erklärung des Rücktritts in der Prüfungsordnung deines Landes.
  • Die Frage, ob der Rücktritt Folgen für deinen Freiversuch hat.
  • Einen gesonderten Antrag auf Nachteilsausgleich, falls du ihn brauchst.
  • Schriftliche Auskünfte des Prüfungsamts zu deinem Fall.

Ein Rücktritt ist nicht dasselbe wie ein Nachteilsausgleich. Der Rücktritt führt dazu, dass Prüfungsleistungen nachgeholt werden, der Nachteilsausgleich verändert die Bedingungen, unter denen du schreibst. Beides kann in einem Fall vorkommen, aber die Voraussetzungen sind verschieden. Unser Ratgeber zum Nachteilsausgleich erklärt den Antrag und die Nachweise.

So gehst du bei einer Erkrankung vor

  1. Melde dich unverzüglich beim Prüfungsamt und erkläre den Rücktritt, sobald du weißt, dass du nicht antreten kannst.
  2. Lass dir ein ärztliches Attest ausstellen, das konkrete Beschwerden und deren Auswirkungen auf dein Leistungsvermögen beschreibt.
  3. Frag nach, ob ein Formblatt des Landesjustizprüfungsamts verwendet werden soll und ob ein amtsärztliches Attest nötig ist.
  4. Reiche das Original fristgerecht ein und bewahre eine Kopie für deine Unterlagen auf.

Häufige Fragen

Reicht eine Krankschreibung vom Hausarzt?

Nach dem sächsischen Merkblatt ist ein ärztliches Attest erforderlich, das Beschwerden und Auswirkungen beschreibt. Eine allgemeine Krankschreibung ohne diese Angaben genügt nach dem Merkblatt nicht. Ob andere Länder dieselben Anforderungen stellen, musst du beim Prüfungsamt erfragen.

Wer entscheidet, ob ich prüfungsunfähig war?

Nach dem Bericht aus dem Jahr 2016 beschreibt das Attest das Krankheitsbild, die Bewertung trifft das Landesjustizprüfungsamt. Das Attest liefert also die Grundlage, die Entscheidung bleibt bei der Behörde. Gegen eine ablehnende Entscheidung kommen gegebenenfalls Rechtsbehelfe in Betracht, deren Fristen du unbedingt beachten solltest.

Muss das Attest am Prüfungstag ausgestellt sein?

Nach dem Merkblatt soll das Ausstellungsdatum in der Regel nicht später als der Prüfungstag liegen. Das Original ist einzureichen. Ein Attest, das nach dem Prüfungstag datiert ist, kann deshalb Fragen auslösen, die du mit dem Prüfungsamt klären solltest.

Was passiert, wenn ich trotz Krankheit antrete?

Nach dem Bericht von 2016 verwirkt man in Baden-Württemberg und Bremen das Rücktrittsrecht, wenn man trotz eines bekannten Hindernisses antritt. Dieser Punkt ist sehr ernst, denn er betrifft die Entscheidung am Prüfungstag. Prüfe die Regel für dein Land, bevor du dich entscheidest.

Passend dazu

Quellen: Landesjustizprüfungsamt Sachsen, Merkblatt zur Prüfungsunfähigkeit und deren Nachweis, Stand 31.07.2025; LTO, Bericht zum Rücktritt vom Examen bei Krankheit, Stand 2016.

Stand: November 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.

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