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Öffnungsaktion der PKV für Beamtenanfänger: Trotz Vorerkrankung

Die Öffnungsaktion der PKV nimmt Beamtenanfänger, Anwärter und Referendare auch mit Vorerkrankung auf. Frist, Zuschläge und Grenzen im Überblick.
Referendar steht vor der Tafel in einem Klassenzimmer

Inhalt

Die Öffnungsaktion der PKV für Beamtenanfänger ist eine freiwillige Aktion von Versicherungsunternehmen. Sie soll Beamtinnen und Beamten mit einer Vorerkrankung oder Behinderung den Weg in eine private Krankenversicherung erleichtern. Dieser Ratgeber erklärt, wer davon profitieren kann, welche Frist gilt und wo die Grenzen der Aktion liegen.

Kurz beantwortet: Die Öffnungsaktion nimmt Beamtenanfänger, ausdrücklich auch Anwärter und Referendare, mit Vorerkrankungen in beihilfekonforme Krankheitskostentarife auf. Der formelle Antrag muss innerhalb von sechs Monaten gestellt werden. Risikozuschläge sind auf höchstens 30 Prozent des tariflichen Beitrags begrenzt. Stand: Oktober 2026, maßgeblich sind die Bedingungen des teilnehmenden Unternehmens.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Öffnungsaktion ist eine freiwillige Aktion teilnehmender PKV-Unternehmen. Sie beruht auf keinem Gesetz.
  • Laut Merkblatt des PKV-Verbands gilt sie für Beamte auf Probe, auf Zeit und auf Lebenszeit. Seit 2019 gilt sie auch für Beamte auf Widerruf, ausdrücklich genannt werden Anwärter und Referendare.
  • Der formelle Antrag muss innerhalb von sechs Monaten beim Unternehmen eingehen.
  • Bei Vorerkrankungen entfallen Leistungsausschlüsse. Zuschläge sind trotzdem möglich, höchstens 30 Prozent des tariflichen Beitrags.
  • Wer beihilfeberechtigt ist, braucht zusätzlich eine PKV für die Restkosten. Die Aktion bezieht sich auf beihilfekonforme Tarife.
  • Nur das Unternehmen, bei dem der formelle Antrag zuerst eingeht, muss zu den erleichterten Bedingungen aufnehmen. Hole deshalb vorab unverbindliche Angebote ein und stelle den formellen Antrag nur einmal.

Was ist die Öffnungsaktion überhaupt?

Private Krankenversicherungen prüfen bei jedem Antrag den Gesundheitszustand. Wer chronisch krank ist, früher behandelt wurde oder eine Behinderung mitbringt, muss deshalb oft mit Risikozuschlägen oder Leistungsausschlüssen rechnen. Die Öffnungsaktion setzt genau hier an. Teilnehmende Unternehmen nehmen Beamtenanfänger in normale beihilfekonforme Krankheitskostentarife auf, auch wenn sie sonst hohe Zuschläge zahlen müssten.

Der Rahmen ist dabei wichtig. Die Aktion ist ein Angebot einzelner Unternehmen und kein gesetzlicher Anspruch. Welche Unternehmen teilnehmen, zeigt die Liste auf beamte-in-der-pkv.de. Die Bedingungen können sich ändern, maßgeblich ist deshalb immer der Stand des Versicherers.

Für Beamte mit Beihilfeanspruch gilt außerdem die Zweiteilung der Absicherung. Der Dienstherr zahlt einen Anteil der Krankheitskosten als Beihilfe, die PKV deckt den Rest ab. Als Regelsatz gelten für Beamte auf Widerruf ohne Kinder 50 Prozent, abweichende Sätze gibt es je nach Land (Stand Oktober 2026, Landesbeihilfeverordnungen). Die Grundlagen erklärt das Glossar zur Beihilfe.

Wer kann die Aktion nutzen, und bis wann?

Die folgende Übersicht fasst die Regeln aus dem Merkblatt des PKV-Verbands zusammen. Das Merkblatt trägt den Stand September 2022, die Bedingungen einzelner Unternehmen können davon abweichen.

PunktWas laut Merkblatt gilt
ZielgruppeBeamte auf Probe, auf Zeit und auf Lebenszeit. Seit 2019 auch Beamte auf Widerruf, ausdrücklich Beamtenanwärter und Referendare. Auch engste Angehörige können profitieren.
FristSechs Monate. Die Frist beginnt mit dem Beginn des Beamtenverhältnisses, frühestens nach dem Ende eines etwaigen Vorbereitungsdienstes.
SonderfallWer vorher auf Widerruf verbeamtet war und dabei gesetzlich versichert war, erhält bei der Verbeamtung auf Probe eine neue Frist.
AntragDer formelle Antrag muss innerhalb der Frist beim teilnehmenden Unternehmen eingehen.
VersicherungsbeginnDas Merkblatt macht dazu keine Angaben.

Die Formulierung zur Frist ist für Anwärter und Referendare wichtig. Das Merkblatt lässt offen, ob die Sechsmonatsfrist erst nach dem Ende des Vorbereitungsdienstes beginnt. Kläre das mit dem Versicherer, bevor du planst. Wie du in der Zeit zwischen Examen und Vorbereitungsdienst versichert bist, erklärt der Ratgeber Krankenversicherung zwischen Examen und Referendariat.

Was bringt die Aktion bei Vorerkrankungen?

Nach dem Merkblatt sieht die Aktion für die teilnehmenden Unternehmen im Kern diese Leistungen vor:

  • Anspruch auf Aufnahme in normale beihilfekonforme Krankheitskostentarife
  • kein Höchstalter für die Aufnahme
  • keine Leistungsausschlüsse
  • Risikozuschläge von höchstens 30 Prozent des tariflichen Beitrags
  • in der Pflegeversicherung kein gesundheitsabhängiger Zuschlag im Rahmen der Aktion

Ein Rechenbeispiel zeigt, was der Zuschlag bedeutet. Annahme: Der tarifliche Monatsbeitrag liegt bei 240 Euro, und der Versicherer verlangt den höchstmöglichen Zuschlag. Dann sind 30 Prozent von 240 Euro, also 72 Euro, die Obergrenze. Der Monatsbeitrag steigt damit auf höchstens 312 Euro. Ohne Zuschlag bleibt es bei 240 Euro.

Die Aktion regelt die Aufnahme, sie sagt aber wenig darüber, wie gut ein Tarif im Leistungsfall zahlt. Die Leistungen unterscheiden sich vor allem bei Heil- und Hilfsmitteln. Ein offener Hilfsmittelkatalog ist deshalb ein wichtiges Auswahlkriterium, ebenso wie die Frage, welche Leistungen der Tarif bei Vorerkrankungen tatsächlich enthält. Mehr dazu im Ratgeber PKV für Studenten mit Vorerkrankungen.

Wann passt die Aktion, und wann nicht?

Die Aktion kann sinnvoll sein, wenn eine Vorerkrankung bekannt ist und ohne Sonderregel hohe Zuschläge oder Ausschlüsse drohen. Sie ist aber nicht in jedem Fall die beste Lösung. Beide Seiten gehören in die Abwägung.

Die Aktion kann passen, wenn

  • du eine Vorerkrankung hast, die bei einer normalen Antragsprüfung zu Zuschlägen oder Ausschlüssen führen würde,
  • du die Frist sicher einhalten kannst und den Antrag rechtzeitig stellst,
  • du einen beihilfekonformen Tarif mit guten Leistungen für Heil- und Hilfsmittel findest.

Sie passt eher weniger, wenn

  • die Leistungen der Tarife für dich wichtiger sind als der Aufnahmeweg,
  • du den Zuschlag und die spätere Beitragsentwicklung nicht vorab durchgerechnet hast,
  • du prüfen möchtest, ob eine gesetzliche Krankenversicherung für deine Lage passt. Dort gibt es keine Gesundheitsprüfung, die Ausgestaltung ist aber eine andere, wie der Ratgeber Referendar gesetzlich versichert zeigt.

Ob die Aktion zu deiner Situation passt, hängt von Vorerkrankung, Beihilfesatz und Tarif ab. Eine persönliche Beratung bei Academycon kann diese Punkte gemeinsam durchgehen, mehr dazu unter So arbeiten wir.

Häufige Fragen

Bekomme ich die Aktion automatisch nach der Verbeamtung?

Nein. Du musst den formellen Antrag fristgerecht beim teilnehmenden Unternehmen stellen. Dass ein Unternehmen an der Aktion teilnimmt, reicht nicht. Entscheidend ist, wann der Antrag eingeht.

Muss ich meine Vorerkrankung angeben?

Ja. Angaben zum Gesundheitszustand gehören in den Antrag. Unvollständige oder unrichtige Angaben können später Folgen haben, auch wenn der Vertrag bereits läuft. Lass dir vor der Unterschrift erklären, welche Fragen gestellt werden und was du beantworten musst.

Gilt die Aktion auch für meine Familie?

Laut Merkblatt können auch engste Angehörige profitieren. Ob und unter welchen Bedingungen das für ein Kind oder eine Partnerin gilt, bestätigt das Unternehmen im Einzelfall.

Was passiert, wenn ich die Frist verpasse?

Dann fällt die Sonderregel weg, und es gelten die regulären Annahmebedingungen des Versicherers. Die sehen bei Vorerkrankungen häufig Zuschläge oder Ausschlüsse vor. Deshalb lohnt es sich, den Termin früh im Kalender zu markieren.

Gilt die Öffnungsaktion bei jedem Versicherer?

Nein. Nur Unternehmen, die an der Aktion teilnehmen, bieten die erleichterten Bedingungen. Die aktuelle Teilnehmerliste solltest du kurz vor dem Antrag selbst auf beamte-in-der-pkv.de prüfen.

So gehst du jetzt vor

  1. Kläre dein Startdatum. Lies in der Ernennungsurkunde den Beginn des Beamtenverhältnisses ab und frage den Versicherer, wie er die Frist bei Anwärtern berechnet.
  2. Hole unverbindliche Angebote mehrerer teilnehmender Unternehmen ein. Vergleiche dabei nicht nur den Beitrag, sondern auch die Leistungen für Heil- und Hilfsmittel, etwa beim Anwärtertarif.
  3. Rechne den Zuschlag im ungünstigsten Fall durch. Ist der Höchstbeitrag für dich tragbar, bist du auf der sicheren Seite.
  4. Stelle den formellen Antrag rechtzeitig und bewahre den Nachweis über den Eingang auf.

Passend dazu

Quellen: PKV-Verband, Merkblatt für Beamtenanfänger mit Vorerkrankungen oder Behinderungen, Stand September 2022, pkv.de. Teilnehmerliste der Aktion auf beamte-in-der-pkv.de, Stand nicht angegeben, abgerufen Oktober 2026.

Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.

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