Ein Dispokredit ist eine eingeräumte Überziehungsmöglichkeit auf deinem Girokonto. Du kannst damit mehr ausgeben, als auf dem Konto liegt, und die Bank berechnet dafür Zinsen. Wie teuer das wird, hängt von der Höhe des überzogenen Betrags, der Dauer und den Konditionen deiner Bank ab.
Kurz beantwortet: Die Zinsen für eine Überziehung richten sich nach dem Sollzinssatz in deinem Vertrag. Mit einer einfachen Formel aus überzogenem Betrag, Zinssatz und Tagen kommst du auf die Größenordnung. Nach § 504 BGB gilt eine eingeräumte Überziehungsmöglichkeit als Verbraucherdarlehen. Feste Zinssätze nennt dieser Ratgeber nicht, weil sie von der Bank abhängen. Stand: November 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Dispo ist ein Verbraucherdarlehen, wenn er als eingeräumte Überziehungsmöglichkeit vereinbart ist (§ 504 BGB).
- Du zahlst Zinsen nur für den Betrag, den du tatsächlich überziehst, und nur für die Tage der Überziehung.
- Den Sollzinssatz findest du in deinem Vertrag und im Preis- und Leistungsverzeichnis deiner Bank.
- Schon ein kleiner Betrag über mehrere Monate kann spürbare Kosten verursachen.
- Bei dauerhaftem Bedarf lohnt der Vergleich mit anderen Krediten anhand des effektiven Jahreszinses.
Wie berechnest du die Zinsen einer Überziehung?
Für eine grobe Abschätzung nutzt du diese Formel: Überzogener Betrag mal Zinssatz mal Tage, geteilt durch 365. Die Bank rechnet nach den Bedingungen deines Vertrags, deshalb weicht ihre Abrechnung oft leicht ab.
| Überzogener Betrag | Dauer | Zinssatz (Annahme) | Zinsen (ca.) |
|---|---|---|---|
| 500 Euro | 30 Tage | 12 Prozent | 4,93 Euro |
| 500 Euro | 180 Tage | 12 Prozent | 29,59 Euro |
| 1.000 Euro | 180 Tage | 12 Prozent | 59,18 Euro |
Annahme: Der Zinssatz liegt bei 12 Prozent pro Jahr. Der tatsächliche Satz für dein Konto steht in deinem Vertrag und kann davon abweichen.
Warum bleibt der Dispo oft teurer als gedacht?
Ein Dispo wirkt bequem, weil er ohne neuen Antrag verfügbar ist. Gerade am Monatsanfang, wenn Daueraufträge und Lastschriften abgebucht werden, entsteht schnell ein Minus, das über Wochen bestehen bleibt. Jeder Tag im Minus kostet Zinsen. Wie der Schutz für dein Konto im Ernstfall aussieht, beschreibt der Ratgeber zur Pfändungsfreigrenze 2026.
Welche Angaben kannst du von der Bank verlangen?
Nach § 504 Abs. 1 BGB muss die Bank dich in regelmäßigen Zeitabständen über die Angaben unterrichten, die Art. 247 § 16 EGBGB vorsieht. Erhöht die Bank den Sollzinssatz oder vereinbarte sonstige Kosten, gilt zusätzlich die Regel des § 493 Abs. 3 BGB entsprechend. Bewahre Schreiben zu Konditionsänderungen auf und frag nach, wenn du etwas nicht verstehst.
Wann ist ein Dispo sinnvoll und wann nicht?
Ein Dispo kann als kurzfristige Reserve dienen, etwa wenn eine Zahlung später eingeht. Für eine dauerhafte Finanzierung ist er meist die teuerste Form. Ob ein Ratenkredit günstiger ist, hängt von deiner Laufzeit und dem effektiven Jahreszins ab. Dafür brauchst du die Zahlen deines eigenen Angebots.
Häufige Fragen
Ist ein Dispokredit ein Kredit?
Rechtlich ja, wenn die Bank die Überziehung als eingeräumte Überziehungsmöglichkeit vereinbart hat. § 504 BGB ordnet sie den Verbraucherdarlehen zu. Daraus folgen Informationspflichten der Bank.
Wie erkenne ich, dass ich im Dispo bin?
Im Kontostand erscheint ein Minus. Viele Banken zeigen die Überziehung zusätzlich in der App an. Prüfe den Stand besonders am Monatsanfang, wenn Daueraufträge abgebucht werden.
Muss ich den überzogenen Betrag sofort zurückzahlen?
Ob und wann die Bank den Ausgleich verlangt, regeln dein Vertrag und die Kündigungsregeln der Bank. Wenn du eine Rückzahlung nicht schaffst, sprich die Bank frühzeitig an, bevor Mahnungen kommen.
Lohnt sich ein Ratenkredit statt Dispo?
Das lässt sich nur mit deinen Zahlen beantworten. Vergleiche beide Angebote über die Laufzeit, die du realistisch brauchst, und achte auf den effektiven Jahreszins einschließlich aller Kosten.
Warum rechnet die Bank anders als die Formel?
Die Formel ist eine Abschätzung. Die Bank berücksichtigt Valuta, Zinsberechnungsmethode und Entgelte aus deinem Vertrag. Für die genaue Summe ist die Abrechnung der Bank maßgeblich.
So gehst du jetzt vor
- Prüfe im Vertrag und im Preis- und Leistungsverzeichnis den Sollzinssatz für Überziehungen.
- Rechne mit der Formel aus diesem Ratgeber, was eine typische Überziehung in deinem Fall kostet.
- Richte eine Kontowarnung in der App ein oder setze einen festen Termin am Monatsanfang.
- Vergleiche bei dauerhaftem Bedarf zwei Angebote anhand des effektiven Jahreszinses.
Beispielrechnung: Dispo über einen Monat
Annahme: Am 1. eines Monats zeigt dein Konto 300 Euro Minus, weil Miete und Versicherung abgebucht werden. Am 15. geht dein Nebenjob-Gehalt ein, und das Minus fällt auf null. Bei 12 Prozent Zinsen ergeben 14 Tage: 300 × 0,12 × 14 / 365 = 1,38 Euro. Bleibt das Minus dagegen 60 Tage bestehen, sind es 300 × 0,12 × 60 / 365 = 5,92 Euro.
Die Beträge wirken klein. Entscheidend ist aber, dass zusätzlich zu den Zinsen Entgelte anfallen können, die im Preis- und Leistungsverzeichnis deiner Bank stehen. Rechne deshalb mit allen Posten, nicht nur mit dem Zins.
Dispo oder Ratenkredit: Worauf du beim Vergleich achten solltest
- Laufzeit: Ein Dispo hat keinen festen Tilgungsplan, ein Ratenkredit schon.
- Effektiver Jahreszins: Vergleiche die Angebote einschließlich aller Kosten, nicht nur den Nominalzins.
- Flexibilität: Der Dispo steht bereit, wenn du ihn brauchst. Ein Kredit wird ausgezahlt und verlangt feste Raten.
- Verlässlichkeit: Prüfe, ob die Bank den Rahmen ändern kann, bevor du dich darauf verlässt.
Wenn das Geld am Monatsende knapp wird, hilft oft eine feste Planung. Einen Einstieg bietet die Budgetplanung im Studium, mit der du Fixkosten und Dispo gegenüberstellen kannst.
Typische Fehler im Umgang mit dem Dispo
- Die Überziehung als festen Puffer für Fixkosten nutzen, die jeden Monat anfallen.
- Den Sollzinssatz nicht prüfen, weil die Überziehung als Nebensache gilt.
- Mitteilungen der Bank zu Konditionen ungelesen ablegen.
- Nur auf den Kontostand schauen, statt die Summe aus Zinsen und Entgelten zu betrachten.
Warnungen einrichten und Überblick behalten
Viele Banken bieten Benachrichtigungen über den Kontostand an. Richte eine Schwelle ein, etwa bei einem kleinen Restguthaben, und prüfe zusätzlich die Umsätze der letzten Tage. So erkennst du eine Überziehung, bevor sie Kosten verursacht, die du nicht erwartet hast.
Welche Rolle spielt der Dispo in der Haushaltsplanung?
Ein Dispo ist kein Einkommen. Er verschiebt nur Ausgaben in die Zukunft und macht sie teurer. Wer regelmäßig ins Minus rutscht, sollte die Ursache angehen: Zu hohe Fixkosten, unregelmäßige Einnahmen oder Zahlungen, die nicht auf den Zahltag abgestimmt sind. Eine einfache Übersicht über einen Monat zeigt meist schnell, wo das Geld hingeht.
Gerade bei unregelmäßigem Einkommen aus Nebenjob oder Werkvertrag hilft es, Zahlungstermine zu verschieben oder Abbuchungen auf das Gehaltsdatum zu legen. Ob deine Bank das zulässt, klärst du direkt mit ihr. Eine Umstellung bringt oft mehr als jede Zinsoptimierung.
Passend dazu
- Geld, Konto und Kredit: Der Überblick für junge Erwachsene
- Pfändungsfreigrenze 2026: Was auf deinem Konto geschützt bleibt
- Kontaktlos bezahlen: Was bei Kartenverlust und Sperre zählt
- Kostenlose Bonitätsauskunft beantragen: Schritt für Schritt
Quellen: § 504 BGB, Gesetze im Internet (Abruf November 2026).
Stand: November 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.