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ADHS-Diagnosen bei Erwachsenen: Zahlen der AOK und was sie bedeuten

Die AOK-Zahlen zu ADHS-Diagnosen bei Erwachsenen von 2014 bis 2024, was sie belegen, wo ihre Grenzen liegen und wie du die Angaben richtig einordnest.
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Inhalt

Immer wieder liest man, dass ADHS bei Erwachsenen häufiger diagnostiziert wird. Was genau dahintersteckt, hängt davon ab, welche Daten man betrachtet und wie sie erhoben wurden. Dieser Ratgeber stellt die Zahlen der AOK Rheinland/Hamburg aus dem Juli 2026 vor, erklärt, was sie belegen und was sie offenlassen, und zeigt, wo du weiterführende Informationen zur Diagnose findest.

Kurz beantwortet: Laut der AOK Rheinland/Hamburg stieg die Zahl volljähriger Versicherter mit einer ADHS-Diagnose von 5.736 im Jahr 2014 auf 16.864 im Jahr 2024. Der Anteil an den Versicherten wuchs von 0,23 auf 0,65 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf die Versicherten dieser Kasse in Rhein, Ruhr und Hamburg und sind nicht ohne Weiteres auf ganz Deutschland übertragbar. Stand: Pressemitteilung vom 10. Juli 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die AOK Rheinland/Hamburg meldet für ihre volljährigen Versicherten einen deutlichen Anstieg der ADHS-Diagnosen zwischen 2014 und 2024.
  • Die Angaben stammen aus Auswertungen der eigenen Versicherten und beziehen sich auf Rhein, Ruhr und Hamburg.
  • Der Frauenanteil an den Diagnosen stieg von 32,7 auf 39,4 Prozent.
  • Die Zahlen zeigen eine Entwicklung in den Daten, nicht automatisch eine Zunahme der Betroffenen. Ob mehr Menschen betroffen sind oder mehr Diagnosen gestellt werden, bleibt offen.
  • Wer eine Diagnose oder einen Verdacht hat, findet den Ablauf im Ratgeber zur ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter.

Welche Zahlen nennt die AOK?

Die Pressemitteilung vom 10. Juli 2026 beschreibt die Entwicklung der Diagnosen zwischen 2014 und 2024. Die Auswertung bezieht sich auf die volljährigen Versicherten der AOK Rheinland/Hamburg in Rhein, Ruhr und Hamburg. Die wichtigsten Angaben fasst die folgende Tabelle zusammen.

JahrVolljährige Versicherte mit ADHS-DiagnoseAnteil an den VersichertenFrauenanteil an den Diagnosen
20145.7360,23 Prozent32,7 Prozent
202416.8640,65 Prozent39,4 Prozent

Quelle der Tabelle ist die Pressemitteilung der AOK vom 10. Juli 2026. Rechnerisch ergibt 16.864 geteilt durch 5.736 den Faktor 2,9. Das ist eine eigene Rechnung auf Basis der Pressemitteilung und keine Angabe der AOK. Sie bezieht sich nur auf diese Kasse und diese Region.

Was bedeutet der steigende Frauenanteil?

Der Anteil der Frauen an den Diagnosen stieg nach den Angaben der AOK von 32,7 auf 39,4 Prozent. Warum sich der Anteil verschoben hat, geben die Zahlen nicht her.

Aus den Zahlen allein lässt sich allerdings nicht sicher ablesen, ob mehr Frauen tatsächlich betroffen sind oder ob Diagnosen heute früher und häufiger gestellt werden. Eine Antwort darauf bräuchte Daten, die über die Versicherten einer einzelnen Kasse hinausgehen. Mehr zu Symptomen und Abklärung bei Frauen findet sich im Ratgeber ADHS bei Frauen im Erwachsenenalter: Typische Anzeichen und Abklärung.

Warum lassen sich die Zahlen nur eingeschränkt übertragen?

Eine Auswertung aus den Daten einer Krankenkasse beschreibt die Menschen, die bei dieser Kasse versichert sind. Sie ist keine Erhebung der gesamten Bevölkerung. Der Versichertenkreis, die Region und die Art, wie Diagnosen dokumentiert werden, können das Ergebnis beeinflussen. Die Pressemitteilung nennt die Datenbasis, geht aber nicht im Detail auf die Methodik ein.

Deshalb ist die Zahl für ganz Deutschland mit Vorsicht zu lesen. Wer eine bundesweite Einordnung sucht, braucht Auswertungen, die alle Versicherten oder amtliche Statistiken einbeziehen. Eine solche bundesweite Zahl aus einer amtlichen Quelle nennt dieser Ratgeber nicht.

Wie prüfst du eine Zahl aus der Presse?

Zahlen zu psychischen Diagnosen erreichen die Öffentlichkeit oft als Schlagzeile, die Hintergründe fehlen dann. Bevor du eine Aussage übernimmst, lohnt sich ein kurzer Blick in drei Richtungen: Auf die Originalquelle, auf den Zeitraum und auf die Frage, wer gezählt wurde. Ein Ratgeber wie dieser ersetzt die Originalquelle nicht, er hilft aber bei der Einordnung.

  1. Suche die Pressemitteilung oder Studie, auf die sich der Artikel bezieht, und lies die Angaben zur Datenbasis selbst.
  2. Prüfe, ob der Zeitraum vergleichbar ist und ob sich die Zahl auf Diagnosen oder auf Betroffene bezieht.
  3. Achte auf den Versichertenkreis oder die Stichprobe und darauf, ob sie für die Gesamtbevölkerung repräsentativ sein kann.

Wenn eine Zahl alle drei Prüfungen besteht, ist sie eine brauchbare Grundlage für eigene Überlegungen. Ist eine Prüfung nicht möglich, bleibt die Aussage vorläufig, und sie sollte als solche behandelt werden.

Was sagen die Zahlen nicht?

Die Zahlen sagen nichts darüber, warum Diagnosen zugenommen haben. Sie sagen auch nicht, wie viele betroffene Erwachsene behandelt werden oder wie lange Wartezeiten auf einen Termin sind. Eine Diagnose ist zudem noch keine Aussage über Therapie oder Medikation. Das sind eigene Fragen, die nur eine Fachperson im Einzelfall klären kann.

Wer die Schlagzeilen liest, sollte deshalb auf die Basis achten: Zeitraum, Versichertengruppe, Region und die Frage, ob es um Diagnosen oder um Betroffene geht. Diese vier Punkte entscheiden, wie belastbar eine Aussage ist.

Wie läuft eine ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter ab?

Die Diagnose erfolgt durch eine Fachperson, die Lebensgeschichte, Alltag und aktuelle Beschwerden betrachtet. Die einzelnen Schritte vom ersten Termin bis zum Befund beschreibt der Ratgeber ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter: Ablauf vom ersten Termin bis Befund. Dieser Ratgeber hier beschäftigt sich dagegen mit den Zahlen und ihrer Einordnung.

Wenn du bereits eine Diagnose hast oder dich fragst, ob sie für dich relevant ist, hilft es, die Beschwerden vorab zu notieren. Das strukturiert das Gespräch und macht es leichter, Unterschiede zu anderen Belastungen wie Prüfungsstress oder Schlafproblemen zu erkennen.

Was ändert sich im Studium?

Mit einer ADHS-Diagnose stellen sich im Studium oft praktische Fragen, etwa zu Prüfungsformen, Fristen oder Lernorganisation. Viele Hochschulen kennen dafür einen Nachteilsausgleich. Ob und in welchem Umfang er gewährt wird, regeln die Prüfungsordnung und die Hochschule. Einen Überblick, was du dafür brauchst, gibt der Ratgeber ADHS im Studium: Nachteilsausgleich und Beratung.

Häufige Fragen

Bedeuten mehr Diagnosen automatisch, dass ADHS häufiger wird?

Nicht zwingend. Mehr Diagnosen können auch bedeuten, dass Betroffene früher erkannt oder öfter abgeklärt werden. Um das zu unterscheiden, braucht es Daten über einen längeren Zeitraum und über verschiedene Versichertengruppen. Die AOK-Zahlen allein beantworten diese Frage nicht.

Kann ich mit einem Online-Test selbst eine Diagnose stellen?

Nein. Online-Tests können Hinweise geben, ob ein Gespräch mit einer Fachperson sinnvoll ist. Eine Diagnose erfordert eine fachliche Abklärung, die mehr berücksichtigt als eine Liste von Fragen.

Warum lese ich in der Presse andere Zahlen?

Verschiedene Medien greifen unterschiedliche Auswertungen auf, die sich in Zeitraum, Region oder Versichertenkreis unterscheiden. Prüfe bei jeder Zahl, aus welcher Quelle sie stammt und welche Basis sie hat, bevor du sie übernimmst.

Was ist, wenn ich Symptome bei mir vermute?

Dann lohnt sich ein Termin bei der Hausarztpraxis, die gegebenenfalls an eine Fachstelle überweist. Notiere vorab, in welchen Situationen die Beschwerden auftreten, und welche Folgen sie für Studium oder Arbeit haben.

So gehst du jetzt vor

  1. Lies die Pressemitteilung der AOK selbst, um Zeitraum, Region und Datenbasis einzuordnen.
  2. Notiere deine Beobachtungen zu Konzentration, Organisation und Impulsivität im Alltag, bevor du einen Termin vereinbarst.
  3. Kläre mit der Hochschule, welche Unterstützung im Studium möglich ist, falls eine Diagnose vorliegt.

Passend dazu

Quellen:
AOK Rheinland/Hamburg: Pressemitteilung vom 10.07.2026 zu ADHS-Diagnosen bei Erwachsenen (PDF)

Stand: November 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.

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