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Musik im Social-Media-Video: Was das Urheberrecht erlaubt

Musik im Social-Media-Video: Was § 85 UrhG schützt, welche Sounds GEMA für TikTok beschreibt und wann ein Video als kommerziell gilt.
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Inhalt

Ein Reel, ein TikTok oder ein Kurzvideo ohne passenden Sound wirkt oft leer. Gleichzeitig ist Musik urheberrechtlich geschützt, und das gilt auch dann, wenn sie in einer App bequem auswählbar ist. Entscheidend sind drei Fragen: Wer hat die Musik lizenziert, für welchen Zweck nutzt du das Video und auf welchen Plattformen veröffentlichst du es? Dieser Ratgeber erklärt die Rechtslage für private und gewerbliche Videos.

Kurz beantwortet: Ein Sound aus der Bibliothek einer Plattform darf nur im Rahmen der Lizenz genutzt werden, die die Plattform für diesen Zweck vorsieht. Nach GEMA gelten private Videos mit TikTok-Sounds nur auf TikTok, nicht auf anderen Plattformen. Für gewerbliche Inhalte gibt es eine eigene Commercial Music Library. Andere Musik braucht eine Lizenz der Rechteinhaber. Stand: November 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Musik ist geschützt. Dass ein Sound in einer App verfügbar ist, sagt noch nichts darüber, ob du ihn auf jeder Plattform verwenden darfst.
  • Nach § 85 UrhG hat der Hersteller eines Tonträgers das ausschließliche Recht, ihn zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich zugänglich zu machen.
  • Private Videos mit Sounds aus der TikTok-Bibliothek sind nach GEMA nur auf TikTok zulässig, nicht auf Instagram, YouTube oder Facebook.
  • Sobald ein Video einem gewerblichen Zweck dient, etwa Werbung für Produkte oder eine Marke, gilt eine andere Bewertung.
  • Für Musik außerhalb der Bibliothek brauchst du eine Lizenz der Rechteinhaber, sonst drohen nachträgliche Forderungen.

Was § 85 UrhG schützt

Die Vorschrift betrifft den Tonträgerhersteller, also die Stelle, die eine Aufnahme technisch herstellt und wirtschaftlich verantwortet. Nach Satz 1 hat der Hersteller eines Tonträgers das ausschließliche Recht, den Tonträger zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich zugänglich zu machen. Satz 2 regelt, dass bei einer Herstellung im Unternehmen der Inhaber des Unternehmens als Hersteller gilt.

Das Recht des Tonträgerherstellers ist nicht dasselbe wie das Recht an der Komposition oder am Liedtext. Auch bei einem Lied können also mehrere Rechte berührt sein. Für deine Praxis heißt das: Ein Sound, der im Video läuft, bringt oft mehrere Rechtsinhaber mit, deren Zustimmung du klären musst, bevor du ihn veröffentlichst.

Private Videos: Was GEMA zur Nutzung auf TikTok sagt

Die GEMA, die Verwertungsgesellschaft für Musikrechte, beschreibt auf ihrer Hilfeseite, wie sich nicht-kommerzielle und kommerzielle Nutzung auf TikTok unterscheiden. Nach ihrer Darstellung sind nicht-kommerzielle Videos von natürlichen Personen ausschließlich für die persönliche Unterhaltung bestimmt. Private Nutzerinnen und Nutzer dürfen die TikTok-Soundbibliothek verwenden, die Videos dürfen aber nach GEMA nur auf TikTok gezeigt oder geteilt werden.

Das ist der Punkt, an dem viele stolpern. Ein privates Video, das auf TikTok erlaubt ist, darf nicht einfach auf Instagram, YouTube oder Facebook gespiegelt werden. Die GEMA weist darauf hin, dass für private Nutzer das Synchronisationsrecht auf diesen Plattformen aus ihrer Sicht bereits abgedeckt ist, damit ist aber nicht gemeint, dass jede Musik auf jeder Plattform frei verwendbar wäre.

SituationEinordnung nach GEMAWas du beachten solltest
Privates Video mit TikTok-Sound, nur auf TikTokNach GEMA zulässigNicht auf andere Plattformen übertragen
Privates Video mit TikTok-Sound, auf Instagram geteiltNach GEMA nicht als erlaubt beschriebenNeues Video ohne den Sound erstellen oder Musik lizenzieren
Video mit Musik außerhalb der BibliothekLizenz der Rechteinhaber erforderlichMusik vorab prüfen oder durch lizenzfreie Musik ersetzen
Video, das ein Produkt oder eine Marke bewirbtGilt als kommerziellCommercial Music Library oder entsprechende Lizenz verwenden

Wann ein Video als kommerziell gilt

Nach der GEMA-Darstellung ist ein Video kommerziell, wenn ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Marke empfohlen oder beworben wird oder wenn das Video gesponsert ist. Die Entscheidung hängt vom Einzelfall ab. Auch private Accounts können nach dieser Darstellung einen kommerziellen Charakter haben, etwa wenn sie regelmäßig Produkte vorstellen.

Für Studierende mit einem Nebenjob im Influencer-Bereich ist das besonders relevant. Ein einzelnes Video mit einer Produktempfehlung kann die Bewertung ändern, auch wenn der Account privat wirkt. Die Kennzeichnung von Werbung ist eine eigene Frage, die im Ratgeber zur Kennzeichnung von Influencer-Werbung erklärt wird.

Die Commercial Music Library für Unternehmen

TikTok stellt für gewerbliche Nutzung die Commercial Music Library bereit. Nach der Darstellung des Anbieters handelt es sich um eine vorab lizenzierte Musikbibliothek mit einer Million Songs, die Unternehmen helfen soll, Musik für ihre Inhalte zu finden. Die Seite richtet sich an Unternehmen und nennt organische Inhalte, Video-Werbung und Branded Content als Einsatzbereiche.

Wichtig ist die Einschränkung: Die Bibliothek ist für kommerzielle Aktivitäten gedacht, und die Seite trifft keine Aussage über private Nutzer. Außerdem rät TikTok nach der Seite dazu, bei anderen lizenzierten Sounds oder Original-Sounds anderer Nutzer die rechtliche Abteilung einzubeziehen. Der Anbieter hat die Seite laut Angabe im Juli 2025 zuletzt aktualisiert.

Musik außerhalb der Bibliothek

Ein Lieblingssong aus dem Radio oder aus einem Streamingdienst ist nicht automatisch für Social Media freigegeben. Laut GEMA braucht man für Musik, die nicht in der Bibliothek liegt, eine Lizenz der Rechteinhaber. Die Verwertungsgesellschaft beschreibt außerdem, dass bei Verstößen eine nachträgliche Lizenzgebühr droht, die bei kommerzieller Nutzung deutlich höher ausfallen kann.

Ein bekannter Irrtum ist, dass ein Video mit Quellenangabe oder einem Hinweis auf den Künstler erlaubt wäre. Die Nennung ersetzt die Lizenz nicht. Auch eine kurze Passage oder ein Ausschnitt ist nicht automatisch unproblematisch. Maßgeblich bleibt, ob du das Recht zur Nutzung hast.

Alternativen, die im Alltag funktionieren

Wer Musik nur als Hintergrund braucht, kann auf Musik zurückgreifen, die ausdrücklich für Videos lizenziert ist, oder auf Angebote mit klar beschriebenen Nutzungsrechten. Die Lizenz sollte schriftlich oder auf der Seite des Anbieters nachlesbar sein, und du solltest prüfen, auf welchen Plattformen die Musik erlaubt ist.

Eine weitere Option ist, den Sound wegzulassen und stattdessen eine eigene Tonspur aufzunehmen. Eigene Aufnahmen sind urheberrechtlich geschützt, und du entscheidest selbst über die Nutzung. Wie du Plattformen insgesamt im Blick behältst, zeigt der Ratgeber zu den App-Berechtigungen.

Häufige Fragen

Darf ich einen Trend-Sound in meinem Reel verwenden?

Ein Sound aus der Bibliothek der Plattform darf nach den Vorgaben der Plattform und der GEMA für private Zwecke auf der jeweiligen Plattform genutzt werden. Wird das Video gewerblich, gilt die Commercial Music Library oder eine eigene Lizenz. Ein Trend-Sound, der außerhalb dieser Bibliothek liegt, ist nicht automatisch frei.

Darf ich ein privates TikTok-Video auf Instagram teilen?

Nach der Darstellung der GEMA dürfen private Videos mit Sounds aus der TikTok-Bibliothek nur auf TikTok gezeigt oder geteilt werden. Für Instagram ist deshalb eine eigene Lösung nötig, etwa ein Video ohne den Sound oder eine passende Lizenz.

Reicht es, den Künstler zu nennen?

Nein. Eine Nennung ist eine Pflicht in vielen Lizenzen, aber sie ersetzt keine Lizenz. Ob du das Recht zur Nutzung hast, entscheidet die Lizenz und nicht die Angabe im Video.

Was passiert, wenn ich ohne Lizenz veröffentliche?

Nach GEMA kann eine nachträgliche Lizenzgebühr fällig werden. Bei kommerzieller Nutzung kann diese deutlich höher ausfallen. Wenn du eine Abmahnung oder Forderung erhältst, solltest du sie prüfen lassen, bevor du etwas unterschreibst oder bezahlst.

Gilt das auch für Videos in der Hochschule oder im Seminar?

Für Präsentationen in Lehrveranstaltungen gelten eigene Regeln zur Nutzung von Werken in der Lehre. Sie sind nicht mit dem Posten auf Social Media gleichzusetzen. Mehr dazu findest du im Ratgeber zu Skripten und Folien.

So gehst du jetzt vor

  1. Prüfe, ob das Video privat oder gewerblich ist, bevor du den Sound auswählst.
  2. Notiere für jeden verwendeten Sound die Quelle, die Lizenz und die erlaubten Plattformen.
  3. Verwende für gewerbliche Inhalte die Commercial Music Library oder eine ausdrückliche Lizenz.
  4. Entferne bei Unsicherheit den Sound oder ersetze ihn durch eine lizenzierte Alternative, bevor du veröffentlichst.

Passend dazu

Quellen: § 85 UrhG, Verwertungsrechte des Tonträgerherstellers, gesetze-im-internet.de, Abruf November 2026; GEMA, Hilfe zu TikTok: Nicht-kommerziell und kommerziell; TikTok, Commercial Music Library (Stand laut Seite Juli 2025).

Stand: November 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.

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