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Rentenlücke berechnen für Berufseinsteiger

Die Rentenlücke zeigt, wie viel Vorsorge dir fehlt. Mit dem Rentenniveau von 48 Prozent bis 2031 und einem offenen Rechenweg findest du deine Zahl.
Studentin mit Fahrradhelm vor einem Universitätsgebäude

Inhalt

Wer mit Anfang zwanzig den ersten Job beginnt, denkt selten an die Rente. Dabei ist die Lücke zwischen gesetzlicher Rente und dem Lebensstandard, den du dir wünschst, die entscheidende Größe für jede Vorsorgeentscheidung. Dieser Ratgeber zeigt dir den Rechenweg mit offenen Annahmen, damit du die Zahlen selbst prüfen und an deine Situation anpassen kannst.

Kurz beantwortet: Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem Einkommen, das du im Alter brauchst, und der gesetzlichen Rente. Die Haltelinie sichert ein Rentenniveau von 48 Prozent bis 2031. Für die Rechnung brauchst du drei Werte: Deinen Zielbetrag, eine grobe Schätzung der gesetzlichen Rente und eine Annahme zur Entnahme. Stand: Oktober 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen Zielrente und gesetzlicher Rente. Sie ist keine feste Größe, sondern hängt von deinen Annahmen ab.
  • Das Rentenniveau von 48 Prozent gilt laut Rentenpaket 2025 bis 2031. Über diesen Zeitraum hinaus ist es gesetzlich nicht festgeschrieben.
  • Für die Berechnung reicht eine grobe Schätzung. Deine persönliche Zahl steht in der Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung.
  • Der Zeitfaktor wirkt stark: Ein Sparbetrag, der früh beginnt, wächst über Jahrzehnte deutlich stärker als ein höherer Betrag später.
  • Eine Rentenlücke muss nicht allein über eine Anlage geschlossen werden. Gesetzliche Rente, betriebliche Vorsorge und private Ergänzung wirken zusammen.

Was die Rentenlücke genau ist

Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem Betrag, den du im Ruhestand monatlich brauchst, und dem, was aus der gesetzlichen Rentenversicherung und anderen Quellen fließt. Die gesetzliche Rente ersetzt also nicht automatisch deinen letzten Lebensstandard. Wie groß die Lücke bei dir ist, hängt von Einkommen, Erwerbsbiografie und dem Lebensstil ab, den du dir im Alter vorstellst.

Das Standardrentenniveau beschreibt, wie hoch die Rente eines Standardrentners im Verhältnis zum Durchschnittsentgelt vor Steuern und Abgaben ist. Mit dem Rentenpaket 2025 wurde das Niveau von 48 Prozent bis 2031 festgeschrieben. Danach ist es gesetzlich nicht festgelegt. Genau deshalb solltest du in deiner Rechnung auch eine Variante mit niedrigerem Niveau durchspielen.

Schritt für Schritt: Rentenlücke berechnen

Der Rechenweg besteht aus vier Schritten. Die Zahlen unten sind Beispielwerte, die du mit deinen eigenen Angaben ersetzen kannst.

  1. Zielrente festlegen: Wie viel Bruttoeinkommen willst du im Ruhestand haben? Annahme: 70 Prozent deines heutigen Bruttoeinkommens.
  2. Gesetzliche Rente grob abschätzen: Annahme: Du verdienst über dein Arbeitsleben durchschnittlich so viel wie der Durchschnitt. Dann liegt die gesetzliche Rente vor Steuern bei etwa 48 Prozent deines Einkommens.
  3. Lücke bilden: Zielrente minus gesetzliche Rente, jeweils pro Monat.
  4. Kapitalbedarf schätzen: Lücke mal zwölf mal 25. Die Faustregel 25 entspricht einer Entnahme von vier Prozent pro Jahr aus dem angesparten Kapital (Annahme).
SchrittBeispiel mit Annahmen
Heutiges Bruttoeinkommen4.000 Euro im Monat (Annahme)
Zielrente brutto2.800 Euro im Monat (70 Prozent, Annahme)
Gesetzliche Rente grob1.920 Euro im Monat (48 Prozent von 4.000 Euro, Annahme)
Lücke pro Monat880 Euro
Lücke pro Jahr10.560 Euro
Kapitalbedarf bei vier Prozent Entnahmerund 264.000 Euro (Annahme, ohne Inflation und ohne Rendite)

Die Rechnung ist bewusst grob. Sie berücksichtigt keine Inflation, keine Steuern im Alter und keine Krankenversicherung. Solche Posten kannst du ergänzen, wenn du die Rechnung verfeinern willst. Wichtig ist, dass du die Annahmen offen formulierst und jedes Jahr überprüfst.

Warum der Zeitfaktor den Unterschied macht

Ein früher Start wirkt über den Zinseszinseffekt. Annahme für das folgende Beispiel: Du zahlst 25 Euro im Monat ein, also 300 Euro im Jahr, und erzielst vor Kosten und Steuern eine jährliche Rendite von fünf Prozent. Die Werte sind vereinfacht, weil die Einzahlung jährlich gerechnet wird.

BeginnLaufzeitKapital am Ende (Annahme)
mit 25 Jahren40 Jahrerund 36.200 Euro
mit 35 Jahren30 Jahrerund 19.900 Euro

Der Unterschied ist deutlich, obwohl der Betrag in beiden Fällen gleich bleibt. Die Zahlen sind keine Prognose. Eine Rendite kann höher oder niedriger ausfallen, und Kosten mindern das Ergebnis. Der Vergleich zeigt aber, warum der Zeitfaktor für Berufseinsteiger so wichtig ist. Wie du mit kleinen Beträgen startest, erklärt der Ratgeber Altersvorsorge im Studium.

Wie du an deine Daten kommst

Die Deutsche Rentenversicherung informiert dich über deine bisher erworbenen Rentenansprüche. Die Renteninformation kommt in der Regel jährlich und ab einem Alter von 27 Jahren. Sie enthält die bisher erworbenen Entgeltpunkte und eine Hochrechnung bis zum Rentenalter. Diese Hochrechnung ist die beste Grundlage für deine Schätzung der gesetzlichen Rente.

Studienzeiten werden je nach Phase unterschiedlich angerechnet. Welche Zeiten zählen und welche nicht, erklärt der Ratgeber Rentenpunkte im Studium. Wenn du bereits Beitragszeiten aus einem Minijob oder einer Werkstudentenstelle hast, fließen auch diese in die Hochrechnung ein.

Typische Fehler bei der Rechnung

  • Mit dem heutigen Gehalt rechnen und die Gehaltsentwicklung ausblenden. Das verfälscht den Vergleich, weil Zielrente und gesetzliche Rente dann auf unterschiedlicher Basis stehen.
  • Inflation vergessen: Entweder rechnest du in heutiger Kaufkraft oder mit einer Inflation. Beides gleichzeitig führt zu Verzerrungen.
  • Brutto und Netto vermischen: Die gesetzliche Rente wird vor Steuern angegeben, dein Zielbetrag sollte in derselben Logik stehen.
  • Zu optimistische Renditeannahmen: Eine hohe Rendite über Jahrzehnte ist keine Zusage. Rechne mit mehreren Szenarien.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die gesetzliche Rente im Durchschnitt?

Die tatsächliche Rente hängt von deinen Entgeltpunkten ab, also von Einkommen und Versicherungszeiten. Das Rentenniveau von 48 Prozent beschreibt einen Standardrentner, nicht jeden Einzelfall. Deine persönliche Zahl steht in der Renteninformation, die die Deutsche Rentenversicherung dir zusendet.

Ist die Rentenlücke bei Akademikern größer?

Nicht zwingend. Akademiker haben oft höhere Einkommen und damit höhere Rentenanwartschaften, dafür startet der Berufsweg häufig später. Entscheidend ist das Verhältnis von Zielrente zu gesetzlicher Rente. Ein Beispiel speziell für Akademiker findest du im Ratgeber Rentenlücke berechnen als Akademiker.

Reicht die gesetzliche Rente, wenn ich früh anfange?

Ein früher Start ändert vor allem die Wirkung des Zinseszinses auf dein eigenes Kapital. Die gesetzliche Rente hängt weiterhin von Einkommen und Beitragszeiten ab. Eine eigene Vorsorge ergänzt diesen Teil, sie ersetzt ihn nicht.

Wie berücksichtige ich eine Phase mit Teilzeit?

Teilzeit verringert die Entgeltpunkte in dieser Phase. Rechne die Jahre mit dem tatsächlichen Einkommen, nicht mit deinem Ziel-Gehalt. So siehst du, wie stark eine Teilzeitphase die Lücke vergrößert, und kannst entscheiden, ob du dafür zusätzlich vorsorgen willst.

Muss ich die Lücke vollständig schließen?

Nein. Die Lücke ist eine Orientierungsgröße. Viele Menschen kombinieren gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge, private Vorsorge und gegebenenfalls eine selbst genutzte Immobilie. Wichtig ist, dass die Summe zu deinem Plan passt und du ihn regelmäßig überprüfst.

So gehst du jetzt vor

  1. Hol dir deine Renteninformation oder eine Rentenauskunft der Deutschen Rentenversicherung.
  2. Lege Zielrente und Annahme zur Entnahme fest und rechne die Lücke mit den Zahlen aus diesem Ratgeber durch.
  3. Prüfe, welcher monatliche Betrag realistisch ist, um die Lücke zu verkleinern.
  4. Passe die Rechnung jährlich an, wenn sich Einkommen, Familie oder Wohnsituation ändern.

Passend dazu

Quellen: Sozialgesetzbuch VI, § 154 (Rentenniveau), Stand Oktober 2026; Deutsche Rentenversicherung, Rentenpaket 2025: Was steckt drin?, Stand Oktober 2026.

Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.

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