Ein Studienabbruch betrifft viele Studierende, und oft bleiben Fragen offen: Wie häufig kommt er vor, und trifft er bestimmte Gruppen stärker? Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) hat dazu Auswertungen veröffentlicht. Dieser Ratgeber fasst die Kernzahlen zusammen und zeigt, wie du sie einordnest.
Kurz beantwortet: Laut DZHW haben 28 Prozent der Bachelorstudierenden der Anfangsjahrgänge 2016 und 2017 ihr Studium abgebrochen. An Universitäten lag die Quote bei 35 Prozent, an Hochschulen für angewandte Wissenschaften bei 20 Prozent. Für den Master nennt das DZHW insgesamt 21 Prozent. Quelle: DZHW-Pressemitteilung vom 17.08.2022. Stand: November 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Im Bachelor brechen laut DZHW insgesamt 28 Prozent der Studierenden ihr Studium ab.
- Die Quote unterscheidet sich deutlich zwischen Universitäten (35 Prozent) und Hochschulen für angewandte Wissenschaften (20 Prozent).
- Im Master liegt die Gesamtquote laut DZHW bei 21 Prozent.
- Die Zahlen stammen aus einer Veröffentlichung vom August 2022 und sollten mit neueren DZHW-Auswertungen abgeglichen werden.
- Eine Quote beschreibt einen Anteil, sie sagt nichts über die Gründe einzelner Studierender aus.
Was misst die Studienabbruchquote?
Die Quote beschreibt, welcher Anteil der Studierenden eines Anfangsjahrgangs das Studium ohne Abschluss verlässt. Sie ist also keine Momentaufnahme, sondern bezieht sich auf einen ganzen Jahrgang. Für den Bachelor nennt das DZHW die Anfangsjahrgänge 2016 und 2017, für den Master den Anfangsjahrgang 2018. Das Bezugsjahr der Veröffentlichung ist der Absolventenjahrgang 2020.
Ob ein Wechsel innerhalb der Hochschule als Abbruch zählt, ergibt sich aus der Definition der Erhebung. Diese Definition solltest du in der Originalveröffentlichung nachlesen, bevor du Zahlen aus verschiedenen Quellen vergleichst.
Wie unterscheiden sich Universitäten und Hochschulen?
Die folgende Tabelle zeigt die Werte nach Hochschulart und Abschluss, wie sie die Pressemitteilung ausweist.
| Hochschulart | Bachelor | Master |
|---|---|---|
| Insgesamt | 28 Prozent | 21 Prozent |
| Universitäten | 35 Prozent | 20 Prozent |
| Hochschulen für angewandte Wissenschaften | 20 Prozent | 23 Prozent |
Auffällig ist die Umkehr zwischen den Abschlüssen. Im Bachelor liegt die Quote an Universitäten über der Quote an Hochschulen, im Master dreht sich das Bild. Ursachen für diese Unterschiede nennt die Pressemitteilung nicht, deshalb bleiben sie hier unerklärt. Wer zwischen Hochschultypen wählt, sollte daher eher auf Studienform, Betreuung und Studienstruktur achten als auf die Quote allein.
Wie hat sich die Quote entwickelt?
Für den Bachelor nennt die Pressemitteilung einen Vergleichswert von 27 Prozent auf Basis des Absolventenjahrgangs 2018. Der Wert von 28 Prozent liegt damit einen Prozentpunkt darüber. Weil sich die Bezugsjahre unterscheiden, ist der Unterschied nur eingeschränkt aussagekräftig. Ein Trend lässt sich daraus nicht sicher ableiten.
Was bedeuten 28 Prozent im Alltag?
Prozentwerte wirken abstrakt, ein Rechenbeispiel macht sie greifbar. Annahme: An einer Universität beginnen 200 Studierende ein Bachelorstudium im selben Anfangsjahrgang. Rechnung: 35 Prozent von 200 sind 70 Studierende. Die übrigen 130 gehören nicht zur Gruppe der Abbrecher. Das Beispiel zeigt die Größenordnung, es ist keine Vorhersage für einen bestimmten Studiengang.
Wo findest du aktuelle Zahlen?
Die Pressemitteilung des DZHW vom August 2022 ist die Grundlage dieses Ratgebers. Für neuere Werte lohnt der Blick auf die Veröffentlichungen des DZHW selbst. Dort findest du auch die Definitionen und Bezugsjahre, die für eine genaue Einordnung nötig sind. Zahlen aus Ratgebern ohne Quelle solltest du nur mit Vorsicht übernehmen.
Achte beim Vergleich auf das Datum der Veröffentlichung, die Bezugsjahre und die Hochschulart. Eine Zahl ohne diese Angaben lässt sich schwer einordnen.
Welche Folgen hat ein Abbruch für Versicherung und Finanzen?
Ein Abbruch wirkt über das Studium hinaus. Mit der Exmatrikulation endet die studentische Mitgliedschaft in der Hochschule, und damit ändern sich auch Fragen zur Krankenversicherung. Den Ablauf und die wichtigsten Fristen beschreibt der Ratgeber Krankenversicherung beim Studienabbruch: So bleibst du abgesichert.
Bei BAföG-Förderung gelten eigene Regeln für Rückzahlung und Meldepflichten. Die Grundlagen erklärt der Ratgeber BAföG 2026: Anspruch, Höhe und Rückzahlung erklärt. Eine Anlaufstelle für die berufliche Neuorientierung ist außerdem die Agentur für Arbeit.
Was bedeutet der Abbruch für den Berufseinstieg?
Ein Studienabbruch ist kein Ende der beruflichen Laufbahn. Viele Abbrecher nutzen die Zeit für eine Ausbildung, eine Weiterbildung oder einen Einstieg in eine Tätigkeit, die ohne Abschluss möglich ist. Entscheidend ist, wie du die Stationen darstellst. Ein klarer Satz zum Grund und zum Anschluss wirkt in Bewerbungen meist souveräner als eine Lücke ohne Erklärung.
Hilfreich ist eine Liste der bisherigen Leistungen, zum Beispiel belegte Module, Praktika, Nebenjobs und Projekte. Sie hilft beim Lebenslauf und bei der Frage, welche Anerkennung für eine Ausbildung möglich ist. Die Kammern und Bildungsträger beraten dazu im Einzelfall.
- Bisherige Module und Leistungen mit Datum notieren.
- Praktika, Nebenjobs und Projekte als kurze Stichpunkte festhalten.
- Den Grund für den Abbruch in einem Satz formulieren, der ohne Schuldzuweisung auskommt.
- Unterlagen zur Exmatrikulation aufbewahren, weil Behörden sie oft verlangen.
- Den Anschluss, etwa eine Ausbildung oder Weiterbildung, mit Datum festlegen.
Wie verlässlich sind die Zahlen?
Die Werte stammen aus einer Pressemitteilung des DZHW, also aus einer Forschungseinrichtung mit eigener Datenerhebung. Die Veröffentlichung ist allerdings mehrere Jahre alt. Für aktuelle Entscheidungen solltest du die Originalberichte prüfen und auf neuere Bezugsjahre achten.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Abbruchquote im Master?
Laut DZHW liegt die Gesamtquote für den Master bei 21 Prozent. Sie bezieht sich auf den Anfangsjahrgang 2018 und berücksichtigt einen längeren Studienverbleib. An Universitäten beträgt sie 20 Prozent, an Hochschulen für angewandte Wissenschaften 23 Prozent.
Ist ein Studienabbruch ein Makel im Lebenslauf?
Eine Quote sagt nichts über den Einzelfall. Wie ein Abbruch wirkt, hängt davon ab, was danach kommt und wie du ihn erklärst. Eine Ausbildung, eine Berufstätigkeit oder ein Studiengangwechsel zeigen Entwicklung. Sachlich formuliert ist ein Abbruch ein Teil der Biografie und kein Urteil über dich.
Welche Fächer haben höhere Quoten?
Die Quoten unterscheiden sich nach Fächergruppen deutlich. Die verfügbaren Werte und ihre Einordnung findest du im Ratgeber Studienabbruch nach Fächergruppen: Was die DZHW-Zahlen zeigen.
Muss ich nach einem Abbruch Fristen beachten?
Ja. Nach der Exmatrikulation solltest du Krankenversicherung, BAföG-Pflichten und mögliche Rückmeldefristen zügig klären. Die Hochschule und das zuständige Amt geben dir die genauen Termine und Unterlagen an die Hand. Wenn du unsicher bist, welche Stelle zuständig ist, hilft die Studienberatung deiner Hochschule weiter.
So gehst du jetzt vor
- Lies die Originalpressemitteilung des DZHW und prüfe das Datum.
- Vergleiche die Quote mit dem Bezugsjahr und dem Studiengang, der dich interessiert.
- Sprich bei Zweifeln die Studienberatung deiner Hochschule an.
- Kläre bei einem Abbruch Krankenversicherung, BAföG und Fristen rechtzeitig.
- Nutze für die Neuorientierung die Angebote der Agentur für Arbeit und der Studienberatung.
Passend dazu
- Krankenversicherung beim Studienabbruch: So bleibst du abgesichert
- Studienabbruch nach Fächergruppen: Was die DZHW-Zahlen zeigen
- Studienabbruch und Agentur für Arbeit: Beratung und Unterstützung
- Fachhochschule oder Universität: Was passt besser zu dir?
- BAföG 2026: Anspruch, Höhe und Rückzahlung erklärt
Quellen: Pressemitteilung des DZHW zu Studienabbruchquoten, Brief 05/2022 (Stand: 17.08.2022).
Stand: November 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.