Erstes Gehalt aufteilen heißt, mit dem Netto zu planen und nicht mit dem Brutto aus dem Arbeitsvertrag. Wer das von Anfang an tut, vermeidet Engpässe am Monatsende und baut ohne großen Aufwand Rücklagen auf. Dieser Ratgeber zeigt dir die Reihenfolge: Zuerst die Abzüge verstehen, dann Fixkosten festlegen, danach Notgroschen und Vorsorge.
Kurz beantwortet: Plane mit dem Nettobetrag, nicht mit dem Brutto. Ziehe zuerst die Fixkosten ab, lege dann Rücklagen für Notfälle und Vorsorge an und verteile den Rest frei. Für Arbeitnehmer liegen die Sozialabgaben 2026 bei rund 21 bis 22 Prozent des Bruttos, die Lohnsteuer kommt noch hinzu. Stand: Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Dein Vertrag nennt das Brutto. Auf dem Konto landet das Netto, und das liegt deutlich darunter.
- Die Sozialversicherung teilst du dir mit dem Arbeitgeber zur Hälfte. Eine Ausnahme ist der Kinderlosenzuschlag in der Pflegeversicherung, den du allein trägst.
- Plane zuerst Fixkosten und Rücklagen, dann den frei verfügbaren Rest.
- Ein Notgroschen ist Liquidität für Unvorhergesehenes. Er ist keine Geldanlage mit Rendite.
- Früh anzufangen gibt dir Spielraum. Ob zusätzliche Vorsorge passt, hängt von deinem Budget ab.
Wie setzt sich dein Gehalt zusammen?
Auf deiner Gehaltsabrechnung stehen drei Blöcke: Das Bruttogehalt, die Abzüge für Sozialversicherung und Steuern und das Nettogehalt, das überwiesen wird. Die Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung werden nur bis zu den Beitragsbemessungsgrenzen erhoben. 2026 liegen diese bei 5.812,50 Euro im Monat in der Kranken- und Pflegeversicherung und bei 8.450 Euro im Monat in der Renten- und Arbeitslosenversicherung. Darunter gilt der volle Prozentsatz auf dein Brutto.
| Beitrag | Dein Anteil 2026 | Grundlage |
|---|---|---|
| Krankenversicherung | 8,75 Prozent | Allgemeiner Satz 14,6 Prozent plus durchschnittlicher Zusatzbeitrag 2,9 Prozent, je zur Hälfte |
| Pflegeversicherung | 1,8 Prozent (2,4 Prozent ohne Kinder ab 23) | Beitragssatz 3,6 Prozent, Kinderlosenzuschlag 0,6 Punkte allein vom Arbeitnehmer |
| Rentenversicherung | 9,3 Prozent | Beitragssatz 18,6 Prozent, je zur Hälfte |
| Arbeitslosenversicherung | 1,3 Prozent | Beitragssatz 2,6 Prozent, je zur Hälfte |
| Summe ohne Lohnsteuer | 21,15 Prozent (21,75 Prozent mit Kinderlosenzuschlag) | Eigene Berechnung aus den Sätzen 2026 |
Rechenbeispiel (Annahme): Du verdienst 3.500 Euro brutto im Monat, bist unter 23 Jahre alt und zahlst den durchschnittlichen Zusatzbeitrag. Dann betragen deine Sozialabgaben 3.500 × 21,15 Prozent, also 740,25 Euro. Die Lohnsteuer berechnest du am besten mit dem Abgabenrechner des Bundesfinanzministeriums auf bmf-steuerrechner.de, denn sie hängt von Steuerklasse, Freibeträgen und Kirchensteuer ab. Deine Krankenkasse kann einen anderen Zusatzbeitrag haben als der Durchschnitt. Steht dieser auf deiner Abrechnung, gilt er.
Wie viel Notgroschen brauchst du am Anfang?
Ein Notgroschen fängt Ausgaben auf, die sich nicht planen lassen: Eine Arztrechnung, eine kaputte Waschmaschine oder eine Lücke zwischen zwei Jobs. Eine feste Summe gibt es nicht. Als Orientierung dient deine monatliche Fixausgabe. Annahme: Deine Fixkosten betragen 1.800 Euro im Monat. Drei Monatsausgaben ergeben dann 5.400 Euro. Wer jeden Monat 200 Euro zurücklegt, braucht dafür 27 Monate.
Lege den Notgroschen auf einem separaten Konto an, das du jederzeit abheben kannst. Er dient der Liquidität und nicht der Rendite. Bevor du Geld in Anlageprodukte steckst, sollte er stehen.
Wie teilst du das Netto auf? Ein Beispiel in drei Schritten
- Fixkosten festlegen: Miete, Handy, Mobilität, zusätzliche Versicherungen und Abos. Alles, was jeden Monat gleich anfällt, kommt hier hinein.
- Rücklagen einplanen: Erst den Notgroschen, bis der Zielbetrag erreicht ist, danach Rücklagen für größere Anschaffungen und Urlaub.
- Den freien Rest bestimmen: Das ist der Betrag, den du ohne weitere Planung ausgeben darfst. Wer ihn nicht festlegt, rutscht schnell ins Minus.
| Posten (Annahme) | Betrag pro Monat |
|---|---|
| Miete warm | 800 Euro |
| Lebensmittel | 350 Euro |
| Mobilität und Handy | 200 Euro |
| Zusätzliche Versicherungen | 100 Euro |
| Notgroschen | 200 Euro |
| Vorsorge | 150 Euro |
| Freier Rest | 400 Euro |
Annahme: Nettoauszahlung von 2.200 Euro im Monat. Die Beträge sind Beispiele und keine Empfehlung für deine Lage. Passe jede Zeile an deine tatsächlichen Kosten an.
Lohnt sich Vorsorge schon im ersten Job?
Die gesetzliche Rentenversicherung läuft über deine Beiträge automatisch mit. Darüber hinaus gibt es freiwillige Wege, etwa die betriebliche Altersvorsorge über Entgeltumwandlung oder einen privaten Vertrag. Ob dein Arbeitgeber einen Zuschuss zahlt, steht im Arbeitsvertrag oder in einer betrieblichen Regelung. Lohnt sich ein Blick, bevor du etwas unterschreibst.
Die Riester-Förderung gilt nach geltendem Recht weiter. Die Grundzulage beträgt 175 Euro im Jahr (§ 84 EStG). Dafür ist ein Mindesteigenbeitrag von 4 Prozent der Einnahmen des Vorjahres nötig (§ 86 EStG). Für die private Altersvorsorge ist außerdem eine Reform beschlossen, die voraussichtlich ab 2027 gilt. Prüfe die dann geltenden Regeln, bevor du einen Vertrag abschließt.
Eine Berufsunfähigkeitsabsicherung ist ein eigenes Thema. Ob du sie brauchst und in welcher Form, hängt von deinem Beruf und deinem Budget ab. Eine persönliche Beratung kann helfen, die Abwägung nachzuvollziehen: So arbeiten wir.
Häufige Fragen
Plane ich mit Brutto oder Netto?
Mit dem Netto. Das Brutto ist wichtig, um deinen Vertrag zu prüfen. Für dein Budget zählt aber, was tatsächlich auf dem Konto ankommt. Das Netto hängt zusätzlich von Steuerklasse und Krankenkassenbeitrag ab, deshalb lohnt ein genauer Blick auf die ersten Abrechnungen. Hilfe dazu bietet der Ratgeber zur ersten Gehaltsabrechnung.
Wie lange dauert es, bis der Notgroschen steht?
Das hängt von deiner Sparrate ab. Annahme: Du legst jeden Monat 200 Euro zurück und willst 5.400 Euro erreichen. Dann brauchst du 27 Monate. Wer mehr zurücklegt, kommt schneller ans Ziel. Ein fester Dauerauftrag am Gehaltstag hilft, dranzubleiben.
Muss ich mich um meine Krankenversicherung selbst kümmern?
Meist meldet dich dein Arbeitgeber bei einer gesetzlichen Krankenkasse an, deren Beitrag ihr euch teilt. Bei Versicherungspflicht wählst du die Kasse frei. Die Versicherungspflichtgrenze liegt 2026 bei 77.400 Euro Jahresentgelt. Oberhalb dieser Grenze kann unter bestimmten Voraussetzungen ein Wechsel in die private Krankenversicherung möglich sein. Für 2027 sieht der Entwurf der Bundesregierung 84.150 Euro vor, die Verordnung ist noch nicht beschlossen.
Sind vermögenswirksame Leistungen automatisch dabei?
Nein. Vermögenswirksame Leistungen sind eine freiwillige Zusatzleistung des Arbeitgebers, die im Tarifvertrag oder im Arbeitsvertrag stehen kann. Ob du sie bekommst, steht in deinem Vertrag. Die Details erklärt der Ratgeber zu vermögenswirksamen Leistungen.
So gehst du jetzt vor
- Lege dein Netto fest: Schau dir die erste Gehaltsabrechnung genau an und notiere den Betrag, der überwiesen wird.
- Liste deine Fixkosten auf und rechne sie über drei Monate zusammen, damit du einen realistischen Wert hast.
- Richte einen Dauerauftrag für den Notgroschen ein. Starte mit einem Betrag, den du dauerhaft halten kannst, und erhöhe ihn später.
- Prüfe Vorsorgeangebote anhand der Regeln, die 2026 und 2027 gelten, bevor du unterschreibst.
Passend dazu
- Deine erste Gehaltsabrechnung: Was jeder Posten bedeutet
- Nettogehalt berechnen 2026: Rechner für Berufseinsteiger
- Vermögenswirksame Leistungen 2026 für Berufseinsteiger
- Budgetplanung im Studium: Monatsbudget in drei Schritten
- Versicherungspflichtgrenze 2026: Ab wann du die GKV-Pflicht verlierst
Quellen: § 341 SGB III, Beitragssatz Arbeitslosenversicherung (Abruf Oktober 2026); GKV-Spitzenverband, Faktenblatt Rechengrößen Beitragsrecht (Stand 1.1.2026); Bundesgesundheitsministerium, Kinderlosenzuschlag (Stand 14.9.2026); Beitragssatzbekanntmachung 2026, Rentenversicherung; § 84 EStG, Riester-Grundzulage.
Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.