Die erste Steuererklärung nach dem Studium ist oft der Moment, in dem sich ein Verlust zeigt, etwa aus einer Gründung in der Anlaufphase oder aus einer vermieteten Wohnung. Ein solcher Verlust muss nicht verloren sein. Das Einkommensteuergesetz erlaubt es, ihn in andere Jahre zu verschieben. Dieser Ratgeber erklärt, wie der Verlustvortrag funktioniert, welche Fristen 2026 gelten und welche Unterlagen du brauchst.
Kurz beantwortet: Nicht ausgeglichene negative Einkünfte kannst du nach § 10d EStG in die beiden Vorjahre zurücktragen, bis zu einem Betrag von 1 Million Euro je Jahr, und in die Folgejahre vortragen. Der Vortrag ist bis 1 Million Euro Gesamtbetrag der Einkünfte unbeschränkt möglich, darüber greift eine Begrenzung. Die Frist für die Steuererklärung 2025 ohne Steuerberater ist am 31. Juli 2026 abgelaufen. Stand: Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Verlust entsteht, wenn negative Einkünfte nicht mit anderen positiven Einkünften im selben Jahr ausgeglichen werden.
- Der Verlustrücktrag reicht nach § 10d Abs. 1 EStG auf die beiden vorangegangenen Veranlagungszeiträume, jeweils bis 1 Million Euro.
- Der Verlustvortrag bleibt bis 1 Million Euro Gesamtbetrag der Einkünfte unbeschränkt. Darüber wirkt eine Mindestbesteuerung nach § 10d Abs. 2 EStG.
- Der verbleibende Verlustvortrag wird gesondert festgestellt, zuständig ist das Finanzamt.
- Für 2025 ohne Steuerberater ist die Frist abgelaufen. Mit Steuerberater hast du bis Ende Februar 2027 Zeit.
Was ein Verlustvortrag überhaupt ist
Das Einkommensteuergesetz ordnet Einkünfte in Einkunftsarten. Ein Verlust entsteht, wenn die Summe der Einkünfte in einem Jahr negativ ist, etwa weil Betriebsausgaben die Einnahmen übersteigen. Wer als Gründer in den ersten Monaten Investitionen tätigt, Mieten, Software oder Beratung zahlt, erzielt oft zunächst einen Verlust. Auch eine vermietete Wohnung kann in den ersten Jahren mit Zinsen und Abschreibung ins Minus laufen.
Der Gesetzgeber erlaubt, solche Verluste zu verteilen. Die Vorschrift dafür ist § 10d EStG. Sie unterscheidet zwei Wege: Den Rücktrag in frühere Jahre und den Vortrag in spätere Jahre. Den Rücktrag kannst du auf Antrag ganz ausschließen, wenn er dir nicht passt.
Verlustrücktrag und Verlustvortrag im Vergleich
Beide Wege wirken gleichzeitig, aber in einer festen Reihenfolge. Zuerst wird der mögliche Rücktrag geprüft, danach der Vortrag in die Folgejahre. Der Abzug erfolgt vorrangig vor Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen.
| Weg | Zeitraum | Grenze nach § 10d EStG |
|---|---|---|
| Verlustrücktrag | Auf das unmittelbar vorangegangene Jahr, der Rest auf das zweite Jahr davor | Bis 1 Million Euro je Jahr |
| Verlustvortrag | In die folgenden Veranlagungszeiträume | Unbeschränkt bis 1 Million Euro, darüber eingeschränkt |
Die genaue Begrenzung oberhalb von 1 Million Euro steht im Gesetzestext selbst. Wenn dich dieser Fall betrifft, lies den Wortlaut von § 10d Abs. 2 EStG nach oder lass es vom Steuerberater prüfen. Für die meisten Studierenden und Berufseinsteiger liegt der Betrag weit darunter.
Ein Rücktrag wirkt meist sofort, weil er die Steuer eines früheren Jahres senkt und dir eine Erstattung bringen kann. Ein Vortrag hilft dagegen erst in dem Jahr, in dem du einen Gewinn oder positive Einkünfte hast. Er ist keine Auszahlung, sondern ein Posten, der die spätere Steuer mindert. Plane deshalb, ob du den Verlust eher zurück oder nach vorn nutzen willst.
Ein Rechenbeispiel mit Annahmen
Annahme: Du gründest im Jahr 2026 einen Onlineshop. Die Anlaufkosten übersteigen die Einnahmen, es entsteht ein Verlust von 12.000 Euro. Im Jahr 2025 hattest du keine Einkünfte, deshalb geht der Rücktrag ins Leere. Im Jahr 2027 erzielst du einen Gewinn von 20.000 Euro.
| Jahr | Ergebnis (Annahme) | Verlustrücktrag | Verlustvortrag danach |
|---|---|---|---|
| 2025 | 0 Euro, keine Einkünfte | nicht möglich, kein Gewinn | 0 Euro |
| 2026 | Verlust von 12.000 Euro | Rücktrag in 2025 ohne Wirkung | 12.000 Euro |
| 2027 | Gewinn von 20.000 Euro | nicht relevant | 12.000 Euro abgezogen, 8.000 Euro bleiben als Gesamtbetrag |
Im Beispiel mindern die 12.000 Euro Verlust den Gewinn von 2027 auf 8.000 Euro. Danach kommen weitere Abzüge wie der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 Euro hinzu, sofern er für dich zutrifft (§ 9a EStG). Die tatsächliche Steuer hängt von weiteren Faktoren ab, etwa dem Grundfreibetrag von 12.348 Euro im Jahr 2026 (§ 32a EStG).
Welche Fristen 2026 gelten
Die Einkommensteuererklärung ist grundsätzlich bis zum Ende des Folgejahres abzugeben, mit einer gesetzlichen Verlängerung nach § 149 AO. Ist die Frist ein Samstag, Sonntag oder Feiertag, verschiebt sie sich nach § 108 AO auf den nächsten Werktag.
| Veranlagungsjahr | Ohne Steuerberater | Mit Steuerberater |
|---|---|---|
| 2025 | 31. Juli 2026, abgelaufen | Ende Februar 2027 (28. Februar ist ein Sonntag, daher Montag, 1. März 2027) |
| 2026 | 2. August 2027 (31. Juli ist ein Samstag) | 29. Februar 2028 |
Wenn du die Frist für 2025 verpasst hast, ist das kein Grund zur Panik, aber ein Grund zum Handeln. Gib die Erklärung zeitnah ab und kläre mögliche Verspätungszuschläge mit dem Finanzamt. Ein Verlustvortrag verfällt nicht, weil die Erklärung spät kommt.
Typische Fälle, in denen ein Verlust entsteht
- Gründung in der Anlaufphase, wenn Ausgaben vor den ersten Einnahmen anfallen. Dazu zählen Software, Büro, Werbung und Beratung.
- Vermietung, wenn Schuldzinsen und Abschreibung die Mieteinnahmen übersteigen. Das betrifft vor allem den Ankauf einer Immobilie mit Kredit.
- Nebentätigkeiten mit Anlaufkosten, etwa eine selbständige Nachhilfe oder ein Onlinehandel mit Warenlager.
- Hohe Werbungskosten im Angestelltenverhältnis, die die Einnahmen übersteigen. Das ist selten, muss aber geprüft werden.
Nicht jeder Verlust landet automatisch im Vortrag. Wichtig ist, dass er in der Erklärung korrekt auf den Einkunftsarten erscheint. Wer Verluste nicht angibt, verschenkt sie.
Was du für deine erste Erklärung brauchst
Für den Verlust brauchst du eine saubere Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder Bilanz, Belege für die Ausgaben und eine Übersicht über die Vorjahre. Wer Lohnsteuer zurückholen möchte, braucht die Lohnsteuerbescheinigung, die Steuer-ID und Nachweise über Werbungskosten. Unsere Ratgeber zur rückwirkenden Steuererklärung als Student und zu Lohnsteuer im Studium zeigen die Schritte.
Kontrolliere außerdem Steuer-ID und Bankverbindung. Fehlerhafte Angaben verzögern die Bearbeitung und damit auch eine mögliche Erstattung. Wer einen Verlust geltend macht, hält die Ergebnisse je Einkunftsart getrennt fest, damit das Finanzamt sie leicht nachvollziehen kann.
So gehst du jetzt vor
- Sammle alle Belege zu Einnahmen, Ausgaben und Zinsen für das betroffene Jahr.
- Ordne die Einkünfte nach Einkunftsart und ermittle, wo der Verlust entsteht.
- Prüfe, ob ein Rücktrag in die beiden Vorjahre sinnvoll ist, und stelle den Antrag, wenn nicht, verzichte bewusst.
- Gib die Erklärung innerhalb der Frist ab und lass dir den festgestellten Verlustvortrag schriftlich bescheinigen.
Für Gründer gilt zusätzlich: Die Steuerlast richtet sich nach dem Gewinn, nicht nach dem Umsatz. Wer das im ersten Jahr unterschätzt, überrascht sich bei der Vorauszahlung. Eine Rücklage für Steuern ist deshalb sinnvoll, auch wenn der Verlust vorerst alles senkt.
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Quellen: § 10d EStG, Verlustabzug (Stand: Oktober 2026) · § 149 AO, Abgabefrist (Stand: Oktober 2026) · § 108 AO, Fristen (Stand: Oktober 2026) · § 9a EStG, Arbeitnehmer-Pauschbetrag (Stand: Oktober 2026).
Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.