Eine Cotutelle ist eine binationale Promotion, die zwei Universitäten aus verschiedenen Ländern gemeinsam betreuen. Sie endet mit einem gemeinsamen Doktorgrad oder mit zwei Urkunden, die aufeinander verweisen. Der Weg dorthin ist formaler, als viele erwarten, weil jede Cotutelle einen eigenen Vertrag zwischen den Universitäten braucht. Dieser Ratgeber zeigt dir die Schritte, die Vertragspunkte und die Fragen, die du vorab klären solltest.
Kurz beantwortet: Eine Cotutelle ist ein formales Verfahren zweier Universitäten aus verschiedenen Ländern. Jede Cotutelle braucht einen individuellen Vertrag zwischen den Universitäten. Die Promotion endet mit einem gemeinsamen Doktorgrad oder zwei aufeinander verweisenden Urkunden. Dauer, Sprache und Begutachtung legt der Fachbereich fest. Stand: Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Cotutelle ist ein formales Verfahren zweier Universitäten, kein bloßer Auslandsaufenthalt.
- Jede Cotutelle braucht einen individuellen Vertrag zwischen den beteiligten Universitäten.
- Am Ende steht ein gemeinsamer Doktorgrad oder zwei Urkunden, die aufeinander verweisen.
- Dauer, Zeitpunkt des Aufenthalts, Sprache, Begutachtung und Ort der Prüfung legt der Fachbereich fest.
- Ohne formales Verfahren erhältst du nur den Titel deiner Heimatuniversität.
Was unterscheidet eine Cotutelle von einer binationalen Betreuung?
Im Alltag werden beide Begriffe oft vermischt. Die Universität Marburg unterscheidet sie klar. Bei einer binationalen Betreuung ohne formales Verfahren läuft die Promotion regulär an deiner Heimatuniversität, und eine ausländische Hochschule übernimmt die Zweitbetreuung. Eine Cotutelle dagegen ist ein Verfahren, in dem zwei Universitäten gemeinsam einen Doktorgrad verleihen. Die folgende Tabelle fasst die Unterschiede zusammen.
| Merkmal | Cotutelle | Binationale Betreuung ohne Verfahren |
|---|---|---|
| Vertrag | Individueller Vertrag zwischen den Universitäten für jedes Verfahren | Empfohlen wird eine Vereinbarung mit beiden Betreuenden |
| Abschluss | Gemeinsamer Doktorgrad oder zwei aufeinander verweisende Urkunden | Nur ein Titel der Heimatuniversität |
| Formalisierung | Verfahren mit einem Vertrag zwischen den Universitäten, der vor Abschluss rechtlich geprüft wird | Keine Formalisierung erforderlich |
| Begutachtung | Auswärtige Betreuende wirken bei Begutachtung und Prüfung mit | Externe Betreuung kann in Absprache mit dem Prüfungsbüro einbezogen werden |
Quelle für die Unterscheidung und die Verfahrensschritte ist die Seite der Universität Marburg zur binationalen Promotion (in German, Abruf Oktober 2026).
Schritt für Schritt: So läuft eine Cotutelle ab
Die genaue Reihenfolge kann je nach Hochschule abweichen. Die folgenden Schritte geben dir einen Leitfaden, mit dem du die Gespräche mit beiden Universitäten strukturieren kannst. Plane für die Vertragsphase ausreichend Zeit ein, denn ein Vertrag zwischen zwei Universitäten braucht Abstimmung und Prüfung auf beiden Seiten, bevor die Forschung beginnen kann.
- Finde eine Partneruniversität, die zu deinem Thema passt, und kläre, ob die Betreuenden auf beiden Seiten grundsätzlich bereit sind.
- Hol dir Beratung bei der Universität. An der Universität Marburg berät dazu das Referat VI A 1, das auch Musterverträge bereitstellt.
- Lass den Vertrag zwischen den Universitäten prüfen. An der Universität Marburg prüft die Stabsstelle Recht die Verträge zusammen mit dem Referat.
- Lege den wissenschaftlichen Rahmen fest: Dauer und Zeitpunkt des Aufenthalts, Sprache, Begutachtung und Ort der Prüfung entscheidet der Fachbereich.
- Führe die Forschung in beiden Ländern durch. Die Betreuung erfolgt dabei an beiden Universitäten, und Arbeitsaufenthalte an der Partneruniversität sind vorgesehen.
- Schließe Begutachtung und Prüfung nach den Regeln beider Universitäten ab und erhalte die Urkunde oder die Urkunden.
Welche Punkte solltest du im Vertrag klären?
Der Vertrag ist das Herzstück einer Cotutelle. Er ist für jedes Verfahren individuell, deshalb lohnt sich ein genauer Blick, bevor du unterschreibst. Die folgenden Punkte sollten darin oder in einer begleitenden Vereinbarung stehen.
- Dauer und Zeitpunkt der Aufenthalte an beiden Universitäten
- Sprache der schriftlichen Arbeit und der Prüfung
- Wer begutachtet, und an welchem Ort die Prüfung stattfindet
- Welche Urkunde oder welche Urkunden ausgestellt werden
- Wer dein Ansprechpartner an jeder Hochschule ist, auch während des Auslandsaufenthalts
- Wie Finanzierung und Aufenthaltskosten geregelt sind
Gebühren und Fristen nennt die Universität Marburg auf ihrer Seite nicht. Diese Angaben musst du bei beiden Hochschulen erfragen, und zwar möglichst schriftlich, bevor du deine Planung festlegst. Die Finanzierung einer Promotion allgemein erklärt der Ratgeber Promotion finanzieren.
Welche Vorbereitung lohnt sich vor dem Start?
Eine Cotutelle hängt stark von den Menschen ab, die sie betreuen. Kläre deshalb früh, ob deine Betreuenden auf beiden Seiten das Projekt tragen und welche Erwartungen sie an Umfang, Form und Zeitplan haben. Auch die Frage, welche Vorkenntnisse du für die Partneruniversität brauchst, lohnt eine frühe Antwort. Notiere dir außerdem, wer auf jeder Seite für deine Anliegen zuständig ist, damit du nicht zwischen Stellen hin und her verwiesen wirst. Wer das Projekt vorab schriftlich skizziert, erleichtert den Abstimmungsprozess deutlich. Eine Skizze mit Fragestellung, Methode, geplanten Aufenthalten und Literaturbasis gibt beiden Seiten eine gemeinsame Grundlage.
Eine Cotutelle ist zudem nur eine Form der Promotion im Ausland. Die Abgrenzung zu anderen Modellen erklärt der Ratgeber Promovieren im Ausland, die Grundlagen zur kooperativen Promotion im Inland findest du im Ratgeber Kooperative Promotion an der Fachhochschule.
Häufige Fragen
Was steht am Ende auf meiner Urkunde?
Je nach Vertrag entsteht ein gemeinsamer Doktorgrad oder es gibt zwei Urkunden, die aufeinander verweisen. Den genauen Wortlaut legt der Vertrag zwischen den Universitäten fest. Frage früh nach einem Musterentwurf, damit du den Abschluss richtig einordnen kannst.
Muss ich beide Sprachen beherrschen?
Die Sprache der Arbeit und der Prüfung legt der Fachbereich fest. Kläre das früh, denn daran hängt, wie viel Zeit du für Sprachkurse oder Übersetzungen einplanen musst. Eine verbindliche Antwort musst du von beiden Hochschulen einholen.
Wie lange dauert eine Cotutelle?
Die Dauer legt der Fachbereich im Einzelfall fest. Eine allgemeine Zahl nennt die Universität Marburg auf ihrer Seite nicht. Frage deshalb bei der zuständigen Stelle beider Hochschulen nach, bevor du deine Planung festlegst.
Kann ich eine Cotutelle ohne Vertrag beginnen?
Nein. Nach dem Verfahren der Universität Marburg braucht jede Cotutelle einen individuellen Vertrag zwischen den beteiligten Universitäten. Ohne diesen Vertrag handelt es sich nicht um eine Cotutelle, sondern um eine binationale Betreuung ohne formales Verfahren.
Welche Kosten kommen auf mich zu?
Gebühren nennt die Universität Marburg auf ihrer Seite nicht. Frage bei beiden Hochschulen nach Einschreibung, möglichen Gebühren und Kosten für Aufenthalte. Lass dir die Angaben schriftlich geben, bevor du den Vertrag unterschreibst.
So gehst du jetzt vor
- Kläre, ob deine Promotion für eine Cotutelle geeignet ist und ob es eine passende Partneruniversität gibt.
- Frage bei deiner Hochschule nach dem Referat oder der Stelle für binationale Promotionen und nach Musterverträgen.
- Lass dir Dauer, Sprache, Begutachtung und Urkunde schriftlich bestätigen, bevor du unterschreibst.
- Kläre Finanzierung, Einschreibung und Versicherung, bevor du den ersten Aufenthalt planst.
Passend dazu
- Promovieren im Ausland: Die wichtigsten Punkte vor dem Start.
- Kooperative Promotion an der Fachhochschule: Ablauf und Regeln.
- Promotion in Deutschland: Wege, Dauer, Finanzierung und Doktortitel.
- Promotion finanzieren: Stelle, Stipendium oder Eigenmittel im Vergleich.
- DBA: Anerkennung und Titelführung in Deutschland.
Quellen: Universität Marburg, Binationale Promotion, Verfahren und Kontakt, Abruf Oktober 2026.
Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.