Berufsunfähigkeit im Referendariat ist ein Thema, das viele unterschätzen, weil der Beamtenstatus Sicherheit verspricht. Dieser Ratgeber erklärt, was die gesetzliche Rentenversicherung und das Dienstrecht im Krankheitsfall leisten, wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Anwärterinnen und Anwärter funktioniert und wann sie passt.
Kurz beantwortet: Beamtinnen und Beamte sind in der Regel nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert und haben dort deshalb meist keine Erwerbsminderungsrente. Bei Dienstunfähigkeit greift die Versorgung nach dem Beamtenversorgungsgesetz. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann eine Lücke schließen, passt aber nicht in jedem Fall. Stand: Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Beamtinnen und Beamte sind in der Regel nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Eine Erwerbsminderungsrente aus dieser Versicherung kommt deshalb meist nicht infrage.
- Bei Dienstunfähigkeit richtet sich die Versorgung nach dem Beamtenversorgungsrecht, nicht nach einem privaten Vertrag. Ob und in welchem Umfang du Ansprüche hast, prüfst du im Gesetz und bei deinem Dienstherrn.
- Eine Berufsunfähigkeitsversicherung leistet nach § 172 des Versicherungsvertragsgesetzes ab einem Grad von mindestens 50 Prozent Berufsunfähigkeit.
- Für Anwärterinnen und Anwärter hängt die Annahme vom Berufsbild und von deiner Gesundheit ab, nicht von der Dauer des Referendariats.
- Gesundheitsangaben müssen vollständig sein, sonst gefährdest du den Leistungsanspruch.
Was zahlt die gesetzliche Rentenversicherung bei Beamtinnen und Beamten?
Wer in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert ist, kann bei teilweiser oder voller Erwerbsminderung eine Rente beantragen. Nach § 43 des Sechsten Buches Sozialgesetzbuch setzt das unter anderem voraus, dass in den letzten fünf Jahren drei Jahre Pflichtbeiträge vorliegen. Beamtinnen und Beamte sind dagegen nach § 5 des Sechsten Buches Sozialgesetzbuch in der Regel von der Rentenversicherungspflicht ausgenommen.
Für dich heißt das: Während des Referendariats im Beamtenverhältnis baust du in der Regel keine Pflichtbeiträge auf, die später eine Erwerbsminderungsrente begründen würden. Wer vor dem Beamtenstatus Pflichtbeiträge gesammelt hat, sollte seinen Rentenverlauf prüfen lassen, weil frühere Zeiten bestehen bleiben können.
Wie sichert das Dienstrecht bei Dienstunfähigkeit ab?
Bei Dienstunfähigkeit richtet sich die Versorgung nach dem Beamtenversorgungsgesetz. Dort ist geregelt, wann eine Versorgung entsteht, wie sie berechnet wird und welche Voraussetzungen gelten. Die Prüfung der Dienstunfähigkeit erfolgt durch den Dienstherrn, in der Regel mit ärztlicher Begutachtung.
Für Anwärterinnen und Anwärter ist entscheidend, ob ein Beamtenverhältnis auf Widerruf besteht oder ein Ausbildungsverhältnis. In einem Ausbildungsverhältnis gelten diese Regeln nicht in gleicher Weise. Lies deshalb im Gesetz nach und frag bei der Ausbildungsbehörde, welche Rechtsform für dich gilt. Die Grundlagen zur Rechtsform erklären wir im Beitrag zur Verbeamtung auf Probe nach dem Studium.
Wie funktioniert eine BU-Versicherung für Anwärterinnen und Anwärter?
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein privater Vertrag. Sie zahlt nach den Bedingungen des Vertrags, wenn die versicherte Person ihren Beruf nicht mehr ausüben kann. Die Definition steht in § 172 des Versicherungsvertragsgesetzes: Berufsunfähig ist danach, wer seine zuletzt ausgeübte Tätigkeit zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kann.
| Punkt | Berufsunfähigkeitsversicherung | Dienstrecht |
|---|---|---|
| Maßstab | Mindestens 50 Prozent der zuletzt ausgeübten Tätigkeit (§ 172 VVG) | Dienstunfähigkeit nach den Regeln des Beamtenrechts |
| Prüfung | Versicherer nach den Vertragsbedingungen | Dienstherr, in der Regel mit ärztlicher Begutachtung |
| Leistung | Vertraglich vereinbarte Rente | Versorgung nach dem Beamtenversorgungsgesetz |
| Vorab | Gesundheitsfragen vor Vertragsschluss | Entsteht aus dem Dienstverhältnis, kein eigener Vertrag |
Für Anwärterinnen und Anwärter ist die Frage, welche Tätigkeit als zuletzt ausgeübt gilt, nicht ganz einfach. Versicherer nutzen in der Regel das Berufsbild, das du anstrebst, und prüfen die Annahme individuell. Frag deshalb vor Abschluss konkret nach, wie das bei deinem Berufsbild gehandhabt wird.
Wann passt eine BU-Versicherung im Referendariat und wann nicht?
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist keine Pflicht und passt nicht zu jeder Lebenslage. Die folgende Gegenüberstellung zeigt typische Abwägungen, ohne eine Empfehlung auszusprechen.
| Situation | Spricht für eine BU-Versicherung | Spricht gegen eine BU-Versicherung |
|---|---|---|
| Beamtenstatus | Der Status ist noch offen oder das Ausbildungsverhältnis gilt, und du willst die Lücke schließen. | Das Beamtenverhältnis steht fest und die Versorgung ist für dich ausreichend geklärt. |
| Gesundheit | Du bist gesund, und der Antrag wird ohne Ausschlüsse angenommen. | Vorerkrankungen führen zu Ausschlüssen oder Zuschlägen, die den Nutzen mindern. |
| Budget | Der Beitrag ist für dich tragbar und du planst langfristig. | Der Beitrag belastet die Ausbildung, und andere Absicherungen haben Vorrang. |
| Lebensplan | Du planst Wechsel in Berufe außerhalb des Beamtenrechts. | Du bleibst im Beamtenverhältnis, und die Versorgung deckt deinen Bedarf. |
Eine BU-Versicherung ist ein Baustein, kein Ersatz für eine Gesamtplanung. Wie sie sich mit der Krankenversicherung und der Altersvorsorge zusammenfügt, hängt von deiner Situation ab.
Welche Gesundheitsangaben musst du machen?
Bei Antragstellung musst du Gesundheitsfragen vollständig und wahrheitsgemäß beantworten. Das ergibt sich aus § 19 des Versicherungsvertragsgesetzes. Wer Vorerkrankungen verschweigt, riskiert, dass der Versicherer vom Vertrag zurücktritt oder Leistungen verweigert. Im Zweifel ist eine genaue Angabe mit Befunden der bessere Weg.
Achte außerdem darauf, welche Berufe der Vertrag abdeckt und wie er den Verlust der Berufsfähigkeit definiert. Lass dir die Bedingungen schriftlich geben und vergleiche sie mit deinen Angaben.
Häufige Fragen
Brauche ich eine BU-Versicherung, wenn ich verbeamtet werde?
Das hängt davon ab, wie sicher dein Beamtenstatus ist und wie du den Bedarf an Versorgung einschätzt. Ob eine Versorgung im Ernstfall ausreicht, kannst du im Beamtenversorgungsrecht nachlesen. Eine BU-Versicherung kann einen Teil der Lücke schließen, muss aber nicht.
Kann ich eine BU-Versicherung abschließen, obwohl ich noch Referendar bin?
Das ist in vielen Fällen möglich, hängt aber vom Versicherer und von deinem Berufsbild ab. Prüfe vor Antragstellung, ob der Versicherer Anwärterinnen und Anwärter in deiner Ausbildung annimmt und zu welchen Bedingungen.
Was ändert sich mit der Verbeamtung auf Probe?
Mit dem Übergang auf Probe verändern sich Rechtsform und Versorgung. Wie du den Übergang planst, erklärt unser Beitrag zur Verbeamtung auf Probe nach dem Studium. Lege deine BU-Entscheidung nicht ohne Blick auf diesen Schritt fest.
Was kostet eine BU-Versicherung?
Der Beitrag hängt von Berufsgruppe, Alter, Gesundheit und Leistungsumfang ab. Eine Zahl ohne Bezug auf deine Situation wäre irreführend, deshalb nennen wir hier keinen Betrag. Frag mehrere Angebote mit identischen Bedingungen an und vergleiche Leistung und Preis gemeinsam.
So gehst du jetzt vor
- Kläre schriftlich deine Rechtsform und die Versorgungsregeln für dein Land und deinen Dienstherrn.
- Prüfe deinen Rentenverlauf, falls du vor dem Beamtenstatus Pflichtbeiträge hast.
- Vergleiche BU-Angebote mit gleichen Bedingungen und notiere, wie das Berufsbild eingestuft wird.
- Beantworte die Gesundheitsfragen vollständig und lass dir die Bedingungen schriftlich bestätigen.
Passend dazu
- Berufsunfähigkeitsversicherung im Lehramt-Studium: Berufsgruppe, Kosten und Bedingungen.
- Berufsunfähigkeitsversicherung im Medizin-Studium: Berufsgruppe, Kosten und Bedingungen.
- Verbeamtung auf Probe nach dem Studium: PKV und Beihilfe.
- Ärzte in Weiterbildung: PKV, Versorgungswerk und BU richtig kombinieren.
- Krankenversicherung im Referendariat: GKV, PKV und Beihilfe.
Quellen: § 5 SGB VI, gesetze-im-internet.de (abgerufen Oktober 2026); § 43 SGB VI, gesetze-im-internet.de; § 172 VVG, gesetze-im-internet.de; § 19 VVG, gesetze-im-internet.de; Beamtenversorgungsgesetz, gesetze-im-internet.de.
Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung. Eine persönliche Beratung zu deiner Situation kannst du bei Academycon anfragen, Details unter So arbeiten wir.