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Wann 112, wann 116117: Die richtige Nummer im Notfall

Bei Lebensgefahr wählst du die 112, bei dringenden Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten die 116117. Was die Reform der Akutleitstelle ändert und was offen ist.
Studentin liest am Küchentisch ein Schreiben ihrer Krankenkasse

Inhalt

Die Frage „112 oder 116117?“ entscheidet im Ernstfall über wertvolle Minuten. Die 112 ist für Notfälle mit Lebensgefahr da, die Nummer 116117 für dringende Beschwerden, die keinen sofortigen Rettungseinsatz verlangen. Dieser Ratgeber zeigt, wann du welche Nummer wählst, was nach dem Anruf passiert und was die geplante Neuordnung der Nummer 116117 ändert.

Kurz beantwortet: Bei Lebensgefahr wählst du immer die 112. Sie ist laut Bundesgesundheitsministerium rund um die Uhr mit einer Rettungsleitstelle verbunden, und die Nummer ändert sich nicht. Bei dringenden, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden ist die 116117 der richtige Weg, außerhalb der Sprechzeiten führt sie zur Akutleitstelle der Kassenärztlichen Vereinigung. Der Bundestag hat die Neuordnung am 15.10.2026 beschlossen (Stand: 15.10.2026).

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Lebensgefahr, etwa bei Atemnot, starken Blutungen oder Bewusstlosigkeit, wählst du die 112.
  • Bei dringenden Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten ist die 116117 die richtige Nummer.
  • Die 112 und die Rettungsleitstelle bleiben unverändert erreichbar.
  • Die Nummer 116117 wird neu organisiert. Die Akutleitstelle der KV soll mit der Rettungsleitstelle digital verbunden werden.
  • Die Neuregelung ist beschlossen, ein Inkrafttreten nennt die Quelle nicht.

Wann rufst du die 112 an?

Die 112 ist der Notruf für Situationen, in denen ein Mensch in akuter Lebensgefahr schwebt oder schwer verletzt ist. Dazu zählen etwa Herz-Kreislauf-Stillstand, Schlaganfall-Symptome, schwere Verletzungen nach einem Unfall oder eine Vergiftung mit Atemnot. Im Zweifel gilt: Wenn du dich fragst, ob du die 112 wählen sollst, ist der Anruf die richtige Entscheidung. Die Leitstelle entscheidet, welcher Rettungsdienst geschickt wird.

Das Bundesgesundheitsministerium stellt klar, dass die Rettungsleitstelle über die 112 für Notfälle mit Lebensgefahr immer direkt erreichbar bleibt. Daran ändert die Reform nichts. Wer nicht weiß, ob es sich um einen Notfall handelt, kann trotzdem die 112 wählen. Die Leitstelle stellt die Dringlichkeit fest und vermittelt dann weiter.

Wann ist die 116117 die richtige Nummer?

Die Nummer 116117 gehört zur Akutleitstelle der Kassenärztlichen Vereinigung. Sie ist für Beschwerden gedacht, die dringend sind, aber keinen Rettungswagen erfordern. Beispiele sind Fieber mit Halsschmerzen, starke Schmerzen ohne Lebensgefahr oder die Frage, ob ein Arztbesuch heute noch nötig ist. Wer nicht weiß, wie dringend ein Anliegen ist, kann dort anrufen und eine Einschätzung erhalten.

Nach den Angaben des Bundesgesundheitsministeriums soll die Akutleitstelle rund um die Uhr telefonisch oder telemedizinisch beraten, auch per Video. Annahmezeiten sind ebenfalls festgelegt: Anrufe sollen zu 75 Prozent innerhalb von 3 Minuten und zu 90 Prozent innerhalb von 10 Minuten angenommen werden. Diese Vorgaben beschreiben die künftige Organisation nach dem beschlossenen Gesetz, nicht eine bereits umgesetzte Lage.

112 und 116117 im Vergleich

Die folgende Tabelle fasst zusammen, was du bei welcher Nummer erwarten kannst. Die Angaben beziehen sich auf die Darstellung des Bundesgesundheitsministeriums zur beschlossenen Reform.

Merkmal112116117
WofürNotfall mit LebensgefahrDringende Beschwerden ohne Rettungseinsatz
Wer nimmt anRettungsleitstelleAkutleitstelle der Kassenärztlichen Vereinigung
ErreichbarkeitRund um die Uhr, Nummer bleibt gleichRund um die Uhr, telefonisch oder per Video
Nach dem AnrufRettungsdienst wird entsandt, wenn nötigEinschätzung und Vermittlung an die passende Stelle
ZusammenarbeitDigital mit der Akutleitstelle vernetztDigital mit der Rettungsleitstelle vernetzt

Was passiert nach dem Anruf?

Die beiden Leitstellen sollen nach der Reform eng zusammenarbeiten. Die Quelle beschreibt eine verbindliche Absprache darüber, welche Fälle welcher Partner übernimmt. Gerät ein Anruf an die falsche Stelle, wird er weitergeleitet, und die bereits erhobenen Daten gehen an die zuständige Leitstelle. Du musst also nicht alles erneut erzählen, wenn du bei der ersten Wahl knapp und sachlich bleibst.

Halte deshalb beim Anruf die wichtigsten Angaben bereit: Deinen Standort mit Adresse oder markanten Orientierungspunkten, die Art der Beschwerde, seit wann sie besteht und ob Vorerkrankungen bekannt sind. Diese Angaben helfen der Leitstelle, schneller zu entscheiden.

Was ändert die Neuordnung für die 116117?

Die Nummer 116117 wird nach dem Gesetz in ihren Aufgaben neu geordnet. Die Akutleitstelle übernimmt die bisherigen Aufgaben der Terminservicestelle bei der Akutfallvermittlung und wird zur zentralen Stelle des Ersteinschätzungsverfahrens. Für die Terminvermittlung bei Fachärzten ist der Artikel zur Terminvermittlung über 116117 der bessere Einstieg.

Die Quelle nennt außerdem die Integrierten Notfallzentren als Ort, an dem die Ersteinschätzung zusammen mit Notaufnahme und Notdienstpraxis stattfindet. Mehr dazu steht im Ratgeber zu den integrierten Notfallzentren. Den Ausbau finanzieren GKV und Kassenärztliche Vereinigungen über eine pauschale Vorhaltefinanzierung gemeinsam, die PKV beteiligt sich ebenfalls. Diese Angaben betreffen die Organisation und nicht deinen Anspruch auf Behandlung.

Ein praktischer Tipp für den Ernstfall: Wenn du unsicher bist, schreibe dir vorab in zwei Sätzen auf, was passiert ist und was du siehst. Das hilft dir, am Telefon ruhig und geordnet zu antworten. Die Leitstelle fragt in der Regel nach dem Ort, nach dem Anlass und nach dem Zustand der betroffenen Person. Wer diese Punkte bereits im Kopf hat, spart kostbare Zeit. Für Angehörige und Mitbewohner lohnt es sich, die Nummern und die Adresse der Wohnung gemeinsam zu besprechen, damit im Ernstfall jeder weiß, was zu tun ist.

Häufige Fragen

Kann ich bei Unsicherheit die 112 wählen?

Ja. Wenn du nicht sicher bist, ob ein Notfall vorliegt, ist die 112 der richtige Anruf. Die Leitstelle prüft die Lage und entscheidet, ob ein Rettungsdienst nötig ist oder ob eine andere Stelle zuständig ist.

Was mache ich nachts, wenn meine Praxis geschlossen ist?

Bei dringenden Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten ist die 116117 die vorgesehene Nummer. Bei Lebensgefahr bleibt es bei der 112. Notiere dir beide Nummern vorher, damit du im Ernstfall nicht suchen musst.

Gilt die 116117 schon in der neuen Form?

Die Neuordnung ist vom Bundestag beschlossen. Ein Datum für das Inkrafttreten nennt das Bundesgesundheitsministerium nicht. Bis zur Umsetzung gilt das bisherige Recht.

Ersetzt die 116117 den Notruf?

Nein. Der Notruf bleibt die 112. Die 116117 ist die Anlaufstelle für dringende, nicht lebensbedrohliche Anliegen und für die Einschätzung, wohin man sich wenden sollte.

Was tue ich, wenn ich im Ausland bin?

Die Nummern 112 und 116117 gelten für Deutschland. Andere Länder haben eigene Notrufnummern. Wer im Ausland erkrankt, klärt den Kostenschutz am besten vorab mit der eigenen Krankenkasse oder dem Versicherer.

Wichtig ist auch, die Unterschiede im Alltag nicht zu überschätzen. Eine Erkältung, ein Sportunfall ohne Verdacht auf Bruch oder ein Infekt mit Fieber gehören meist nicht zur 112. Ob die 116117 sinnvoll ist, hängt davon ab, wie stark die Beschwerden sind und ob sie sich verschlechtern. Verschlechtert sich der Zustand plötzlich, hast du keine Zeit für lange Abwägungen mehr und wählst die 112. Diese Grenze zu kennen, nimmt im Ernstfall viel Unsicherheit.

So gehst du jetzt vor

  1. Speichere die 112 und die 116117 in deinem Handy mit eindeutigen Namen.
  2. Notiere die Adresse deines Wohnorts und deiner Hochschule, damit du sie am Telefon schnell nennen kannst.
  3. Entscheide vor dem Anruf kurz, ob Lebensgefahr besteht. Im Zweifel wählst du die 112.
  4. Verfolge den Stand der Reform beim Bundesgesundheitsministerium, bis ein Inkrafttreten feststeht.

Passend dazu

Quellen: Fragen und Antworten zur Reform der Notfallversorgung, Bundesgesundheitsministerium, Stand 15.10.2026.

Stand: November 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.

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