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Stipendien für Studierende mit Migrationsgeschichte: Zahlen und Wege

Wie groß die Gruppe mit Migrationshintergrund in der Förderung ist, welche Programme es gibt und wie der Weg über START aussieht. Mit Stand und Quellen.
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Inhalt

Stipendien für Studierende mit Migrationsgeschichte sind ein Thema, bei dem viele Fragen offen bleiben: Wer gilt überhaupt als Person mit Migrationsgeschichte, welche Programme gibt es und wie groß ist diese Gruppe in der Förderung? Dieser Ratgeber beantwortet diese Fragen mit den verfügbaren Zahlen und Programmen, mit Stand Oktober 2026.

Kurz beantwortet: Bei der Studienstiftung des deutschen Volkes lag der Anteil Studierender mit Migrationshintergrund unter den Neuaufnahmen 2024 bei 25,7 Prozent. Unter den 5 Prozent notenbesten Studienberechtigten waren es 2022 rund 15,6 Prozent. Für Schülerinnen und Schüler mit Migrationsbezug gibt es das START-Programm. Stand: Oktober 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Begriff Migrationshintergrund wird von Förderern unterschiedlich definiert. Entscheidend ist die Richtlinie des jeweiligen Angebots.
  • Bei der Studienstiftung lag der Anteil unter den Neuaufnahmen 2024 bei 25,7 Prozent, unter den notenbesten Studienberechtigten 2022 bei 15,6 Prozent.
  • Die Hans-Böckler-Stiftung gibt auf ihrer Website an, dass 39 Prozent der Studierenden einen Migrationshintergrund haben. Die Angabe ist undatiert.
  • Für Jugendliche mit Migrationsbezug bietet die START-Stiftung ein dreijähriges Programm mit insgesamt 3.500 Euro in Form von Kursen, Workshops und Betreuung.
  • Ein Programm für Geflüchtete, Integra des DAAD, war laut Studienstiftung von 2017 bis 2021 befristet und ist beendet.

Wer gilt als Studierender mit Migrationsgeschichte?

Förderer verwenden unterschiedliche Begriffe. Gemeint ist meist, dass du selbst zugewandert bist oder dass ein Elternteil zugewandert ist. Bei der START-Stiftung ist genau das die Voraussetzung: Die Jugendlichen sind selbst zugewandert oder Kind eines zugewanderten Elternteils. Andere Programme definieren den Bezug enger oder weiter. Lies deshalb die Richtlinie, bevor du dich einordnest.

Ein Hinweis zur Sprache: Viele Förderwerke sprechen von Migrationshintergrund, andere von Migrationsgeschichte oder Zuwanderung. Die Begriffe sind nicht identisch. Wenn du unsicher bist, frage bei der Stelle nach, die das Programm betreibt. Unsicherheit bei der Einordnung ist kein Grund, auf eine Bewerbung zu verzichten. Oft klärt eine kurze Nachfrage, ob du zur Zielgruppe gehörst und welche Unterlagen gebraucht werden.

Wie groß ist die Gruppe in der Förderung?

Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Jahren und aus unterschiedlichen Auswertungen. Sie sind deshalb nicht direkt vergleichbar, zeigen aber Größenordnungen.

GruppeKennzahlStandQuelle
Neuaufnahmen der Studienstiftung25,7 Prozent mit Migrationshintergrund2024Studienstiftung, DZHW-Daten
Notenbeste 5 Prozent der Studienberechtigten (Studienstiftung-Auswertung)15,6 Prozent mit Migrationshintergrund2022Studienstiftung, DZHW-Daten
Studierende der Hans-Böckler-Stiftung39 Prozent mit MigrationshintergrundWebsite, ohne DatumHans-Böckler-Stiftung

Die Zahlen zeigen, dass die Gruppe unter den Neuaufnahmen der Studienstiftung größer ist als unter den notenbesten Studienberechtigten des Jahres 2022. Ob das am Auswahlverfahren, an der Erhebung oder an anderen Faktoren liegt, lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen. Die Studienstiftung behandelt das Thema Vielfalt in einer eigenen Publikation, auf die der Quellenhinweis unten verweist. Für deine eigene Einordnung ist wichtiger, welche Angebote dir konkret offenstehen, als die Gesamtzahl.

Welche Programme gibt es?

Ein einzelnes Programm für alle Studierenden mit Migrationsgeschichte gibt es nicht. Stattdessen lassen sich die Angebote in mehrere Gruppen einteilen, die du gezielt prüfen solltest.

  • Begabtenförderungswerke: Sie fördern nach Leistung, gesellschaftlichem Engagement und Persönlichkeit. Der Migrationshintergrund ist eine von mehreren Gruppen, die sie laut Zahlen erreichen.
  • Partnerprogramme: Die Studienstiftung nennt mit der START-Stiftung und weiteren Partnern Organisationen mit eigenem Vorschlagsrecht.
  • Hochschulen: Lokale Programme und das Deutschlandstipendium stehen Studierenden direkt über die Hochschule offen, wenn sie das Angebot machen.
  • Befristete Programme: Integra, ein DAAD-Programm für Geflüchtete, lief laut Studienstiftung von 2017 bis 2021. Es ist kein aktuelles Angebot.

Der START-Weg für Schülerinnen und Schüler

Wer noch zur Schule geht, kann über das START-Programm früh starten. Laut Ausschreibung 2026 richtet es sich an Jugendliche von 14 bis 20 Jahren mit Migrationsbezug, die voraussichtlich noch drei Jahre eine weiterführende oder berufsbildende Schule in Deutschland besuchen. Schulleistungen, Schulform und angestrebter Abschluss sind nach Angabe der Seite nicht entscheidend.

Das Programm umfasst drei Jahre mit insgesamt 3.500 Euro in Form von Kursen und Workshops zu Persönlichkeitsentwicklung, Berufsorientierung und Engagement sowie einer pädagogischen Betreuung im eigenen Bundesland. Die Registrierung über start-campus.de war laut Ausschreibung ab dem 1. Februar 2026 möglich. Eine einzelne Schlussfrist nennt die Ausschreibung nicht, die Anmeldefristen unterscheiden sich je nach Programm.

Was bedeutet das für die Finanzierung im Studium?

Für Begabtenförderungswerke, die Bundesmittel des Bundesforschungsministeriums (BMFTR) nutzen, gilt laut Heinrich-Böll-Stiftung (Stand Oktober 2026) ein Höchstsatz im Studium von 855 Euro im Monat. Er richtet sich nach BAföG-Regeln und sinkt mit dem Einkommen. Dazu kommt eine einkommensunabhängige Studienkostenpauschale von 300 Euro.

Annahme für das Rechenbeispiel: Du erhältst den Höchstsatz vollständig. Dann ergeben sich 855 Euro plus 300 Euro, also 1.155 Euro im Monat. Das ist eine Obergrenze und keine Zusage. Wenn du zusätzlich BAföG beziehst, prüfe die Anrechnung rechtzeitig.

Welche Wege stehen dir offen?

  1. Vorschlag durch eine Schule, ein Prüfungsamt oder die Hochschulleitung. Die Studienstiftung schreibt nach eigenen Angaben jährlich alle Schulen an.
  2. Selbstbewerbung bei Werken, die das ausdrücklich vorsehen. Prüfe die Richtlinie des jeweiligen Werks.
  3. Partnerprogramme wie die START-Stiftung nutzen, wenn du noch zur Schule gehst oder dich frühzeitig orientieren willst.
  4. Hochschulinterne Angebote und das Deutschlandstipendium parallel prüfen, weil sie sich nicht gegenseitig ausschließen müssen.

Häufige Fragen

Muss ich selbst zugewandert sein?

Nicht zwingend. Bei START reicht auch, dass ein Elternteil zugewandert ist. Andere Förderer definieren den Begriff anders. Lies die Richtlinie des Programms, bevor du dich einordnest, und frage im Zweifel nach.

Gibt es Stipendien nur für Geflüchtete?

Ein Programm, das sich an Geflüchtete richtete, war Integra des DAAD. Laut Studienstiftung lief es von 2017 bis 2021 und ist beendet. Ob es heute ein ähnliches Angebot gibt, musst du aktuell prüfen. Die Angebote ändern sich regelmäßig.

Beeinflusst der Migrationshintergrund die Auswahl?

Die Zahlen zeigen Anteile, nicht Auswahlregeln. Wie die Herkunft im Verfahren berücksichtigt wird, ist je nach Werk unterschiedlich geregelt. Entscheidend ist in allen Fällen die Richtlinie. Eine Bewerbung sollte sich auf Leistung, Engagement und deinen Weg konzentrieren.

Kann ich ein Stipendium mit BAföG kombinieren?

Das hängt von der Förderung und vom BAföG-Amt ab. Wie Stipendium und BAföG zusammenwirken, erklärt der Ratgeber Stipendium und BAföG. Melde jede Förderung frühzeitig.

So gehst du jetzt vor

  1. Prüfe, ob du als Schülerin oder Schüler oder als Studierende oder Studierender zur Zielgruppe eines Programms gehörst.
  2. Lege eine Liste der Programme mit Frist, Förderhöhe und Bewerbungsweg an.
  3. Bewirb dich fristgerecht und beschreibe konkret, welche Hürden du überwunden hast und was du erreichen willst.
  4. Kläre frühzeitig, wie sich das Stipendium mit BAföG oder anderen Förderungen verträgt.

Passend dazu

Quellen: Studienstiftung des deutschen Volkes: Vielfalt in der Begabtenförderung, November 2025 (DZHW-Daten); Hans-Böckler-Stiftung: Begabtenförderung (Website, ohne Datum); START-Stiftung: Ausschreibung 2026, Amtsblatt Sachsen-Anhalt, November 2025; Heinrich-Böll-Stiftung: Stipendienhöhe, Stand Oktober 2026

Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.

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