More info

Stipendien für Arbeiterkinder und Erstakademiker: Wege und Zahlen

Erstakademiker sind in der Begabtenförderung stark vertreten. Zahlen, Zugangswege und Höchstsätze, mit Stand Oktober 2026 und Quellen.
Studentin füllt in der Bibliothek einen Förderantrag aus

Inhalt

Stipendien für Studierende aus nicht akademischen Familien gibt es vor allem bei den Begabtenförderungswerken. Der Begriff „Arbeiterkind“ ist umgangssprachlich. Die Förderer sprechen meist von Erstakademikerinnen und Erstakademikern, also von Studierenden, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben. Dieser Ratgeber zeigt, wie groß diese Gruppe in der Förderung ist, welche Zugangswege es gibt und was du finanziell erwarten kannst.

Kurz beantwortet: Erstakademikerinnen und Erstakademiker sind in der Begabtenförderung eine große Gruppe. Die Hans-Böckler-Stiftung gibt an, dass über 60 Prozent ihrer Geförderten Erstakademiker sind (Website, Stand 2026). Bei der Studienstiftung lag der Anteil unter den Neuaufnahmen 2024 bei 26,5 Prozent. Stand: Oktober 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erstakademikerinnen und Erstakademiker sind in vielen Begabtenförderungswerken stark vertreten. Bei der Hans-Böckler-Stiftung sind es laut eigener Angabe über 60 Prozent der Geförderten.
  • Bei der Studienstiftung des deutschen Volkes lag der Anteil unter den Neuaufnahmen 2024 bei 26,5 Prozent. Unter den 5 Prozent notenbesten Studienberechtigten waren es 2022 rund 24,9 Prozent.
  • Bewerbungen laufen über Vorschläge von Schulen, Prüfungsämtern und Hochschulleitungen oder über eine Selbstbewerbung.
  • Die Förderung setzt überdurchschnittliche Leistungen voraus. Gesellschaftliches Engagement und der persönliche Bildungsweg zählen ebenfalls.
  • Bei vom Bundesforschungsministerium (BMFTR) finanzierten Werken liegt der Höchstsatz im Studium bei 855 Euro im Monat, einkommensabhängig nach BAföG-Regeln, dazu kommt eine Studienkostenpauschale von 300 Euro (Stand Oktober 2026).

Wer gilt als Erstakademiker?

In der Förderung zählt meist, ob mindestens ein Elternteil einen Hochschulabschluss hat. Wer keinen Abschluss bei den Eltern hat, gilt als Erstakademikerin oder Erstakademiker. Daneben gibt es den sogenannten zweiten Bildungsweg. Gemeint sind Studierende, die zuerst eine Ausbildung, einen Beruf oder eine Meisterprüfung abgeschlossen haben und dann studieren. Die Hans-Böckler-Stiftung nennt dafür einen Anteil von etwa einem Drittel ihrer Geförderten.

Die Definitionen unterscheiden sich von Werk zu Werk. Lies deshalb die Richtlinie des jeweiligen Förderwerks, bevor du dich auf eine Gruppe festlegst. Bei Unklarheiten hilft eine direkte Nachfrage bei der Geschäftsstelle des Werks weiter.

Wie groß ist die Gruppe in der Begabtenförderung?

Die folgenden Zahlen stammen aus unterschiedlichen Jahren und Erhebungen. Sie sind deshalb nicht direkt miteinander vergleichbar, zeigen aber die Größenordnung.

GruppeKennzahlStandQuelle
Erstakademiker bei der Hans-Böckler-Stiftungüber 60 Prozent der GefördertenWebsite, Stand 2026 (ohne Datum)Hans-Böckler-Stiftung
Erstakademiker unter den Neuaufnahmen der Studienstiftung26,5 Prozent2024Studienstiftung, DZHW-Daten
Erstakademiker unter den 5 Prozent notenbesten Studienberechtigten24,9 Prozent2022Studienstiftung, DZHW-Daten
BAföG-Empfänger unter Studierenden in der Regelstudienzeit16 ProzentJahr nicht angegebenStudienstiftung

Die Zahlen zeigen, dass Erstakademikerinnen und Erstakademiker in den Werken vertreten sind. Bei der Studienstiftung entspricht ihr Anteil unter den Neuaufnahmen etwa dem unter den notenbesten Studienberechtigten, ist also nicht überproportional hoch. Für deine Planung heißt das: Die Herkunft öffnet Türen in der Auswahl, ersetzt aber keine Leistung. Auch deine Lehrkräfte oder die Studienberatung können dir sagen, welche Werke für deinen Fachbereich und deine Situation infrage kommen.

Wie kommst du in ein Förderwerk?

Die Studienstiftung nennt mehrere Zugangswege. Das Wichtigste daran: Du musst nicht warten, bis dich jemand vorschlägt. Die folgende Liste zeigt die Wege, die dort ausdrücklich genannt werden.

  1. Vorschlag durch eine Schule: Die Studienstiftung schreibt nach eigenen Angaben jedes Jahr alle Schulen an.
  2. Vorschlag durch ein Prüfungsamt oder einen Hinweis an die Hochschulleitung.
  3. Selbstbewerbung: Auch ohne Vorschlag kannst du dich direkt bewerben, sofern das Werk das vorsieht.
  4. Partnerorganisationen mit eigenem Vorschlagsrecht, etwa die START-Stiftung oder die Programme „Talent im Land“ in Bayern und Baden-Württemberg.

Bei der Hans-Böckler-Stiftung gelten laut Website überdurchschnittliche Leistungen, gesellschaftliche Verantwortung und das Eintreten für Mitbestimmung als Auswahlkriterien. Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie Vertrauensdozentinnen und -dozenten sitzen in den Auswahlausschüssen. Das Verfahren im Detail beschreibt die Stiftung nicht vollständig, daher lohnt eine direkte Nachfrage.

Was bedeutet das finanziell?

Die Höhe der Förderung hängt vom Werk ab. Die Hans-Böckler-Stiftung nennt auf ihrer Seite keine Beträge und verweist auf ihre FAQ. Für vom Bundesforschungsministerium (BMFTR) finanzierte Werke gilt laut Heinrich-Böll-Stiftung (Stand Oktober 2026) ein Höchstsatz von 855 Euro im Monat im Studium, der sich nach BAföG-Regeln richtet. Dazu kommt eine einkommensunabhängige Studienkostenpauschale von 300 Euro. Andere Werke nutzen dieselben Sätze.

Annahme für das Rechenbeispiel: Du erhältst den Höchstsatz vollständig. Dann ergeben sich 855 Euro plus 300 Euro, also 1.155 Euro im Monat, bzw. 13.860 Euro im Jahr. Das ist eine Obergrenze und keine Zusage, denn der Satz sinkt mit dem Einkommen. Ob und in welcher Höhe du ihn erhältst, prüft das Werk im Einzelfall.

Welche Rolle spielen Engagement und Lebensweg?

Viele Förderwerke wollen Studierende fördern, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und ihren Weg aus eigener Kraft gehen. Das zeigt sich nicht nur in Noten. Beschreibe, wie du zum Studium gekommen bist, welche Hürden du überwunden hast und was du dafür eingesetzt hast. Gerade als Erstakademikerin oder Erstakademiker ist dieser Teil der Bewerbung wichtig, weil er zeigt, was die Noten nicht zeigen.

Wichtig ist Konkretheit. Ein Satz wie „Ich habe mich immer engagiert“ hilft der Auswahl wenig. Ein Satz wie „Ich habe zwei Jahre lang eine Lerngruppe für Mitschülerinnen und Mitschüler geleitet und dabei die Abbrecherquote gesenkt“ mit Zeitraum und Ergebnis dagegen schon.

Häufige Fragen

Muss ich Erstakademiker sein, um gefördert zu werden?

Nein. Erstakademikerinnen und Erstakademiker sind eine Gruppe unter mehreren, die Förderwerke ansprechen. Die Auswahl richtet sich nach Leistung und Persönlichkeit. Die soziale Herkunft ist ein Zugang, aber kein Ausschlusskriterium.

Gibt es Förderung nur für den Bachelor?

Nein. Laut Hans-Böckler-Stiftung reicht die Begabtenförderung vom Abitur bis zur Habilitation. Die Förderung für Promotionen läuft über eigene Programme, die sich in Höhe und Voraussetzungen unterscheiden.

Kann ich mich bewerben, wenn ich schon studiere?

Das hängt vom Werk ab. Die Richtlinien unterscheiden sich unter anderem nach Semesterzahl und Fristen. Prüfe sie beim gewünschten Werk, bevor du dich entscheidest.

Lässt sich ein Stipendium mit BAföG kombinieren?

Das hängt von der Förderung und den Regeln des BAföG-Amts ab. Bei BMFTR-Sätzen richtet sich der Betrag nach BAföG-Regeln. Wie Stipendien und BAföG zusammenwirken, erklärt der Ratgeber Stipendium und BAföG.

Was ist mit dem Deutschlandstipendium?

Das Deutschlandstipendium ist ein Zuschuss der Hochschule mit festem Betrag und ohne Einkommensprüfung. Es ist also etwas anderes als eine Begabtenförderung. Die Details findest du im Ratgeber Deutschlandstipendium: Höhe, Bewerbung und Bedingungen.

So gehst du jetzt vor

  1. Frage bei deiner Schule, deinem Prüfungsamt oder deiner Studienberatung nach, ob ein Vorschlag möglich ist.
  2. Lies die Richtlinie des Werks, prüfe Fristen und Auswahlkriterien und notiere dir die Unterlagen.
  3. Beschreibe in deiner Bewerbung konkret, wie du zum Studium gekommen bist und was du dafür getan hast.
  4. Kläre früh, wie sich eine Förderung mit BAföG oder anderen Einnahmen verträgt.

Passend dazu

Quellen: Hans-Böckler-Stiftung: Begabtenförderung (Website, Stand 2026); Studienstiftung des deutschen Volkes: Vielfalt in der Begabtenförderung, November 2025 (DZHW-Daten); Heinrich-Böll-Stiftung: Stipendienhöhe, Stand Oktober 2026

Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.

Teilen

Weitere Artikel

Studentin liest am Küchentisch ein Schreiben ihrer Krankenkasse

Krankenversicherung im Masterstudium nach Berufstätigkeit

Doktorandin arbeitet im Büro an ihrer Dissertation

Promotion mit halber Stelle: Was nach Sozialabgaben bleibt

Studentin füllt in der Bibliothek einen Förderantrag aus

Studienfinanzierung für Pflegekinder und Careleaver