KI in der Abschlussarbeit zu kennzeichnen ist an vielen Hochschulen Pflicht, und die Eigenständigkeitserklärung ist der Ort, an dem du für deine Angaben einstehst. Dieser Ratgeber zeigt an Beispielen aus Leitfäden deutscher Hochschulen, was in Erklärung und Hilfsmittelverzeichnis stehen kann, was du mit der Betreuung klären solltest und welche Folgen ein Verschweigen haben kann.
Kurz beantwortet: Eine KI-Nutzung in der Bachelor- oder Masterarbeit solltest du mit der Betreuung vorab klären und lückenlos dokumentieren. Die FH Wedel verlangt ein Hilfsmittelverzeichnis mit Werkzeug, Anbieter, Version, Zweck und Fundstelle und stellt klar: Die Angabe ist immer nötig. Die Erklärung muss dazu passen. Verbindlich ist die Prüfungsordnung deiner Hochschule. Stand: Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Kläre vor Beginn mit der Betreuung, ob, wofür und in welchem Umfang KI erlaubt ist, möglichst schriftlich.
- Die Prüfungsordnung hat Vorrang vor den Vorgaben der Betreuung, diese haben Vorrang vor Leitfäden. So regelt es etwa die FH Wedel.
- Führe von Beginn an ein Verzeichnis: Werkzeug, Anbieter, Version oder Stand, Zweck, Fundstelle in der Arbeit.
- Die Eigenständigkeitserklärung muss mit dem Verzeichnis übereinstimmen. Verschweigen kann bis zur Exmatrikulation führen.
- Bei Kooperationen mit Unternehmen: Keine vertraulichen Daten in öffentliche KI-Systeme eingeben.
Was gilt für KI in der Bachelor- und Masterarbeit?
Wie bei der Hausarbeit entscheiden Prüfungsordnung, Betreuung und Hochschulleitfäden. Bei Abschlussarbeiten sind die Anforderungen meist strenger, weil die Arbeit Hauptbestandteil der Abschlussnote ist und die Eigenleistung auch im Kolloquium geprüft werden kann. Die FH Wedel formuliert für ihre Abschlussarbeiten: Ohne abweichende Festlegung ist KI ein angabepflichtiges Hilfsmittel, solange du die Arbeit selbstständig verfasst. Und zur Kernfrage der Angabe heißt es im Leitfaden: Ob du die Nutzung angeben musst, entscheidet die Prüfungsverfahrensordnung, und die Antwort ist immer ja.
Andere Hochschulen gehen anders vor. Die Universität Potsdam lässt Lehrende festlegen, ob KI erlaubt, vorausgesetzt oder verboten ist, und empfiehlt die Eigenständigkeitserklärung, ohne sie vorzuschreiben. An der Hochschule Bremen gehört die Bachelor- oder Masterthesis zu den Prüfungsleistungen, bei denen eine KI-Eigenständigkeitserklärung nach § 7 AT-BPO und AT-MPO verlangt wird. Deshalb zählt für dich nur, was deine Hochschule festlegt.
Was gehört in die Eigenständigkeitserklärung und das Hilfsmittelverzeichnis?
Die Tabelle stellt Beispiele aus veröffentlichten Dokumenten nebeneinander. Sie sind Orientierung und kein Vorgabeformat für deine Hochschule.
| Hochschule oder Dokument | Was angegeben wird | Besonderheiten |
|---|---|---|
| FH Wedel, Leitfaden Abschlussarbeiten mit KI (Kompaktfassung vom 08.07.2026) | Hilfsmittelverzeichnis mit Werkzeug, Anbieter, Version oder Stand, Zweck und Fundstelle; dazu eine kurze Reflexion zum Einfluss der KI | Prompts nur, wenn die Betreuung es verlangt. Die Erklärung nach § 17 PVO muss mit dem Verzeichnis übereinstimmen. Die KI kann nicht als Autorin gelten. |
| Universität Potsdam, Handreichung KI und Prüfungen (Version 1.1, 28.05.2026) | Erklärung mit den Optionen „Keine KI“ oder „KI-Nutzung“ samt Umfang; empfohlen wird eine Tool-Liste mit Name, Version, Datum und betroffenen Passagen | Erklärung empfohlen, nicht verpflichtend. Dokumentationstabelle im Anhang der Handreichung. |
| Hochschule Bremen, KI-Transparenz in Lehrveranstaltungen | KI-Eigenständigkeitserklärung bei jeder Prüfungsleistung, auch bei Bachelor- und Masterthesis | Nicht korrekt gekennzeichnete Leistungen gelten nach § 16 Abs. 2 als Täuschung. |
| Vorlage „Eigenständigkeitserklärung und Einsatz von KI“ auf den Seiten der Universität Marburg (undatiert) | Tabelle im Anhang mit Programmname und Nutzungszweck, wenn KI für zentrale Arbeitsschritte genutzt wurde | Reine Sprachhilfen und geprüfte Recherche müssen nur aufgelistet werden. Ganze Kapitel oder Interpretation und Diskussion per KI sind nach der Vorlage unzulässig. |
Beispiel für eine Zeile im Hilfsmittelverzeichnis
Annahme: Du hast ein Sprachmodell genutzt, um die Formulierungen eines selbst geschriebenen Absatzes zu überarbeiten. Die Zeile könnte so aufgebaut sein:
| Werkzeug | Anbieter | Version oder Stand | Zweck | Fundstelle |
|---|---|---|---|---|
| Beispiel-Sprachmodell | Beispiel-Anbieter | Oktober 2026 | Sprachliche Überarbeitung eines selbst verfassten Absatzes | Kapitel 3.2 |
Das ist ein Beispiel, kein Vorgabeformat. Übernimm Aufbau und Umfang aus der Vorlage deiner Hochschule, falls es eine gibt.
Was solltest du mit der Betreuung klären?
- Ob KI erlaubt ist und wofür: Recherche, Gliederung, Sprachhilfe, Code, Auswertung.
- Ob Prompts dokumentiert werden müssen. Der Leitfaden der FH Wedel verlangt das nur auf Wunsch der Betreuung.
- Welche Werkzeuge ausgeschlossen sind. Die Marburger Vorlage nennt Tools, deren Nutzung die Prüferin oder der Prüfer ausgeschlossen hat, als unzulässig.
- Wie die Absprache festgehalten wird, am besten per E-Mail, damit du sie später belegen kannst.
Was gilt für Daten, Unternehmen und Quellen?
Gerade bei Abschlussarbeiten mit Praxispartner ist Vorsicht geboten. Der Leitfaden der FH Wedel nennt: Personenbezogene Daten Dritter und vertrauliche, insbesondere unternehmensbezogene Daten dürfen nicht in öffentlich zugängliche KI-Systeme. Literatur darfst du nur hochladen, wenn du sie nutzen darfst, Arbeiten mit Sperrvermerk gehören nicht dazu. Quellen belegst du an der Originalstelle, und Urheber- sowie Lizenzrecht bleiben zu beachten. Bei Code gilt: Erst verstehen, testen und auf Sicherheit und Lizenz prüfen, dann übernehmen.
Welche Folgen hat es, KI zu verschweigen?
Nach dem Leitfaden der FH Wedel liegt eine Täuschung vor, wenn du Vorgaben der Betreuung missachtest, eine angabepflichtige Nutzung verschweigst oder deine Eigenleistung so weit verdrängst, dass die Arbeit einer Auftragsarbeit gleichkommt. Die Folgen reichen von der Nichtanerkennung bis zur Exmatrikulation. Offene Kennzeichnung birgt deutlich geringere Risiken als Verschweigen, und die Eigenleistung kann im Kolloquium geprüft werden. Die Marburger Vorlage wertet Verstöße als Verletzung der Eigenständigkeitserklärung, die zum Nichtbestehen führen kann.
Ein Pressebericht von news4teachers vom 30.07.2026 zum Verwaltungsgericht Kassel (Az. 7 K 2515/25.KS) zeigt, wie viel Gewicht die unterschriebene Erklärung hat: Die Hochschule durfte danach eine Hausarbeit wegen nicht offengelegter KI-Überarbeitung als Täuschung werten, obwohl die Prüfungsordnung kein ausdrückliches KI-Verbot enthielt. Das ist ein Einzelfall nach einem Pressebericht und keine Rechtsauskunft.
Häufige Fragen
Muss ich auch Rechtschreibhilfen angeben?
Das regelt deine Hochschule. Die Marburger Vorlage verlangt für reine Sprachhilfen nur die Auflistung ohne Kennzeichnung im Text. Der Leitfaden der FH Wedel nennt Angabe unabhängig vom Umfang. Kläre es mit der Betreuung.
Muss ich Prompts dokumentieren?
Nicht überall. Nach dem Leitfaden der FH Wedel nur, wenn die Betreuung es verlangt. In der Marburger Vorlage werden Prompts nicht erwähnt. Führe Prompts trotzdem intern mit, falls du Nachfragen beantworten musst.
Kann ich KI als Mitautorin nennen?
Nach dem Leitfaden der FH Wedel kann die KI nicht als Autorin gelten. Du trägst die Verantwortung für alle übernommenen Ergebnisse, einschließlich Halluzinationen und erfundener Quellen.
Was ist, wenn die Betreuung die Nutzung nur mündlich erlaubt?
Halte die Absprache schriftlich fest, zum Beispiel per E-Mail. Der Leitfaden der FH Wedel empfiehlt eine möglichst schriftliche Klärung.
Muss ich die Erklärung ändern, wenn ich KI nutze?
Prüfe die Vorlage deiner Hochschule. Einige Hochschulen sehen Optionen für „Keine KI“ und „KI-Nutzung“ vor, andere einen Zusatz. Die Erklärung muss zu deinem Verzeichnis passen.
So gehst du jetzt vor
- Lies Prüfungsordnung und die Hinweise des Prüfungsamts zu Hilfsmitteln und zur Eigenständigkeitserklärung.
- Sprich mit der Betreuung vor dem Start über Werkzeuge, Zwecke und Umfang und halte das Ergebnis schriftlich fest.
- Lege ein Hilfsmittelverzeichnis an und pflege es laufend, nicht erst vor der Abgabe.
- Prüfe jede Aussage und jede Quelle im Original und gib keine vertraulichen Daten in öffentliche KI-Dienste ein.
- Gleiche vor der Abgabe Verzeichnis und Erklärung ab und unterschreibe nur, was stimmt.
Passend dazu
- KI in der Hausarbeit
- KI im Studium richtig nutzen
- Bachelorarbeit schreiben: Zeitplan in 12 Wochen
- Plagiat vermeiden
- KI-Tools für Studierende
Quellen: FH Wedel, Leitfaden Abschlussarbeiten mit KI (08.07.2026) · Universität Potsdam, Handreichung KI und Prüfungen, V1.1 (28.05.2026) · Hochschule Bremen, KI-Transparenz in Lehrveranstaltungen (Stand Oktober 2026) · Universität Marburg, Vorlage Eigenständigkeitserklärung und Einsatz von KI (undatiert) · news4teachers, Bericht zum Beschluss des VG Kassel (30.07.2026)
Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.