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Gehaltsverhandlung als Berufseinsteiger: Zahlen und Formulierungen

Gehaltsverhandlung als Berufseinsteiger: Mit Tarifwerten, dem Auskunftsanspruch nach EntgTranspG und klaren Formulierungen verhandelst du auf Augenhöhe.
Berufseinsteigerin mit Mitarbeiterausweis am ersten Arbeitstag

Inhalt

Eine Gehaltsverhandlung als Berufseinsteiger gelingt, wenn du mit Zahlen argumentierst, die sich prüfen lassen. Gehaltsverhandlungen sind dabei kein Verhör, sondern ein Gespräch über ein Angebot, das beide Seiten tragen sollen. Dieser Ratgeber zeigt dir die Zahlen, die du brauchst, und Formulierungen, die im Gespräch funktionieren.

Kurz beantwortet: Verhandle auf Basis eines Tarifs, wenn dein Arbeitgeber tarifgebunden ist. Ohne Tarif hilft der Auskunftsanspruch nach § 10 EntgTranspG. Er gibt dir Zugang zum durchschnittlichen monatlichen Bruttoentgelt vergleichbarer Beschäftigter. Das Verlangen muss in Textform erfolgen und ist in der Regel nur alle zwei Jahre wiederholbar (Stand: Oktober 2026, Quelle: § 10 EntgTranspG).

Das Wichtigste in Kürze

  • Formuliere dein Ziel als Zahl, und zwar als Monatsbrutto und, wenn du willst, als Stundenlohn.
  • Prüfe zuerst, ob ein Tarifvertrag gilt. Tarifwerte sind belastbarer als jede Stellenanzeige.
  • Der Auskunftsanspruch nach § 10 EntgTranspG erlaubt dir, nach dem durchschnittlichen Bruttoentgelt vergleichbarer Beschäftigter zu fragen.
  • Rechne dein Angebot netto durch, bevor du zusagst. Ein Plus von 300 Euro brutto ist netto deutlich weniger.
  • Verhandle das Gesamtpaket, wenn der Grundbetrag fest ist, etwa über Urlaub, Weiterbildung oder Home-Office.

Welche Zahlen brauchst du für deine Verhandlung?

Bevor du eine Summe nennst, brauchst du drei Werte: Einen Vergleichswert aus Tarif oder Auskunft, deinen Mindestbetrag und ein realistisches Wunschgehalt. Rechne alles in Monatsbrutto um und, wenn es passt, in einen Stundenlohn. So erkennst du schnell, ob ein Angebot vernünftig ist.

RechenschrittRechenweg (Annahme)Ergebnis
Monatsbrutto aus einem Jahresbrutto von 48.000 Euro48.000 Euro geteilt durch 124.000,00 Euro
Stundenlohn bei 40 Stunden pro Woche48.000 Euro geteilt durch (40 mal 52)23,08 Euro
Gesetzlicher Mindestlohn als Untergrenze (Stand 1. Januar 2026)13,90 Euro mal 40 mal 52 Wochen28.912 Euro brutto im Jahr

Die Zahlen sind Rechenbeispiele mit angenommenen Werten. Den Mindestlohn von 13,90 Euro brutto je Stunde hat die Mindestlohnanpassungsverordnung für 2026 festgelegt. Er ist eine gesetzliche Untergrenze und kein Maßstab für Berufseinsteiger mit Hochschulabschluss.

So bereitest du das Gespräch vor

  1. Sammle Vergleichswerte: Tarifwerte, Auskunft nach § 10 EntgTranspG oder öffentlich zugängliche Gehaltsspannen mit Quelle.
  2. Lege deine Untergrenze fest. Darunter nimmst du das Angebot nicht an.
  3. Formuliere ein Wunschgehalt, das du begründen kannst, zum Beispiel mit deinem Abschluss, deiner Praxiserfahrung oder den Anforderungen der Stelle.
  4. Notiere zwei oder drei Gegenleistungen, die dir wichtig sind, etwa Weiterbildung, Urlaubstage oder flexible Arbeitszeiten.
  5. Übe das Gespräch laut, am besten mit einer Person, die dein Gehaltsgespräch kritisch begleitet.

Was ein Brutto-Plus netto bedeutet

Ein höheres Bruttogehalt landet nur zum Teil auf deinem Konto. Annahme: Sozialabgaben von 21,15 Prozent, Lohnsteuer noch nicht berücksichtigt. Die Tabelle zeigt, was bei einem Brutto-Plus vor der Lohnsteuer übrig bleibt.

Plus brutto pro MonatPlus vor Lohnsteuer (Annahme 21,15 Prozent Sozialabgaben)Plus pro Jahr vor Lohnsteuer
100 Eurorund 79 Eurorund 950 Euro
300 Eurorund 237 Eurorund 2.840 Euro
500 Eurorund 394 Eurorund 4.730 Euro

Für die Lohnsteuer gilt zusätzlich die Steuerklasse und der Steuertarif. Deshalb solltest du die Differenz mit dem Abgabenrechner des BMF prüfen, bevor du das Angebot annimmst. Das Ergebnis zeigt oft, dass ein kleines Plus brutto netto weniger wirkt, als es zunächst scheint.

Welche Vergleichswerte sind belastbar?

Nicht jede Zahl taugt als Argument. Tarifverträge sind die stabilste Grundlage, weil sie öffentlich nachlesbar sind. Ein individueller Auskunftsanspruch ergibt sich aus dem Entgelttransparenzgesetz. Nach § 10 Abs. 1 kannst du Auskunft über das durchschnittliche monatliche Bruttoentgelt vergleichbarer Beschäftigter verlangen. Dafür musst du eine zumutbare Vergleichstätigkeit benennen, die gleich oder gleichwertig ist.

Stellenanzeigen sind dagegen nur ein Anhaltspunkt. Gehaltsangaben darin sind oft Spannen, deren Herkunft unklar ist. Wenn du mit solchen Zahlen argumentierst, nenne die Quelle und den Stand.

Formulierungen, die im Gespräch funktionieren

Gute Formulierungen sind konkret, freundlich und machen eine Zahl zur Gesprächsgrundlage. Diese Sätze lassen sich anpassen:

  • „Ich freue mich auf die Aufgabe. Mir schwebt ein Bruttogehalt von 4.000 Euro im Monat vor. Ist dieser Rahmen für Sie realistisch?“
  • „Laut Tarif liegt die Einstufung für meine Qualifikation bei einem Monatsbrutto von etwa 4.760 Euro. Wie können wir uns dem annähern?“
  • „Ich habe mich über vergleichbare Stellen informiert. Mein Wunsch liegt bei rund 3.900 bis 4.100 Euro. Welche Spielräume sehen Sie?“
  • „Wenn der Grundbetrag fest ist, wären mir Weiterbildung und zusätzliche Urlaubstage wichtig.“
  • „Ich möchte mir die Entscheidung in Ruhe überlegen. Können Sie mir das Angebot schriftlich zusenden?“

Wichtig ist, dass du nach einem Angebot kurz schweigst. Die Stille gehört zur Verhandlung und ist kein Zeichen von Unsicherheit.

Was tust du, wenn die Antwort Nein lautet?

Ein Nein zum Wunschgehalt ist nicht automatisch ein Nein zur Stelle. Frage nach, woran das Angebot scheitert, und bitte um einen Zeitpunkt für eine Überprüfung, etwa nach einem halben Jahr. Halte die Vereinbarung schriftlich fest, sobald es eine Einigung gibt.

Häufige Fragen

Soll ich zuerst die Zahl nennen oder abwarten?

Wenn du die Zahl zuerst nennst, bestimmst du den Rahmen. Wartest du, bekommst du häufig ein Angebot, das dir etwas Spielraum lässt. Wenn du eine Zahl hast, die du belegen kannst, nenne sie ruhig zuerst.

Wie viel Spielraum habe ich bei Berufseinsteigern?

Das hängt stark vom Arbeitgeber und vom Tarif ab. Im Tarifbereich ist der Spielraum oft durch die Stufe begrenzt, im freien Markt größer. Eine allgemeine Prozentzahl wäre hier nicht belastbar, deshalb helfen nur konkrete Vergleichswerte.

Darf ich nach dem Gehalt der Kolleginnen und Kollegen fragen?

Ein individueller Auskunftsanspruch besteht nach § 10 EntgTranspG. Er gibt dir das durchschnittliche monatliche Bruttoentgelt vergleichbarer Beschäftigter, nicht den Betrag einzelner Personen. Das Verlangen muss in Textform erfolgen.

Wie oft kann ich den Auskunftsanspruch nutzen?

Nach § 10 Abs. 2 kannst du ihn erneut nur verlangen, wenn zwei Jahre vergangen sind oder sich eine wesentliche Veränderung ergeben hat. Nutze ihn deshalb gezielt, zum Beispiel vor einer Gehaltsrunde oder nach einer Beförderung.

Lohnt sich eine Verhandlung auch bei kleinen Summen?

Ja. Ein Unterschied von 100 Euro brutto im Monat macht über ein Jahr 1.200 Euro brutto aus. Auch wenn die Summe klein wirkt, zahlt sie sich über Jahre aus, weil spätere Gehaltsrunden häufig auf dem aktuellen Gehalt aufbauen.

Kann ich über das Netto verhandeln?

Nein, Arbeitgeber verhandeln in der Regel über das Brutto. Netto ergibt sich aus Abgaben und Steuern. Rechne deshalb deine Brutto-Forderung mit dem Nettogehalt-Ratgeber durch, bevor du sie nennst.

So gehst du jetzt vor

  1. Ermittle deinen Vergleichswert aus Tarif, Auskunft oder belastbarer Quelle.
  2. Lege Untergrenze, Wunschgehalt und zwei Gegenleistungen fest.
  3. Rechne jede Zahl in Monatsbrutto und Netto um.
  4. Vereinbare das Ergebnis schriftlich, bevor du den Termin verlässt.

Passend dazu

Quellen: § 10 EntgTranspG, Individueller Auskunftsanspruch, abgerufen Oktober 2026; Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung (MiLoV5), BMAS, Stand 1. Januar 2026.

Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.

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