Freunde findest du im Studium vor allem dort, wo du dieselben Menschen regelmäßig wiedersiehst. Das sind das Seminar, die Lerngruppe, die Fachschaft und der Hochschulsport. Wer Woche für Woche dieselben Gesichter trifft, kommt fast von selbst ins Gespräch. Der Anfang ist trotzdem oft zäh, vor allem in einer fremden Stadt. Hier findest du Orte, an denen es leichter geht, und Sätze, mit denen du den ersten Schritt machst.
Das Wichtigste in Kürze
- Wiederholte Begegnungen zählen mehr als ein perfekter erster Eindruck. Such dir Orte, an denen du dieselben Leute mehrmals triffst.
- Die ersten Wochen sind die einfachste Phase: Fast alle Erstsemester sind auf der Suche nach Anschluss.
- Eine Lerngruppe, die Fachschaft oder ein Hochschulsportkurs bringen dir Gespräche mit eingebautem Anlass.
- Aus einer Bekanntschaft wird Freundschaft, wenn einer den zweiten Schritt macht, etwa mit einem Vorschlag, einer Nachricht oder einer Einladung.
Warum fällt es im Studium oft schwer, Anschluss zu finden?
Anders als in der Schule sitzt du nicht jeden Tag mit denselben 25 Leuten im Raum. Vorlesungen sind groß, die Stundenpläne unterschiedlich, und nach dem Seminar geht jeder in eine andere Richtung. Dazu kommt bei vielen der Umzug in eine neue Stadt, in der niemand sie kennt.
Das Gute daran: Du bist damit nicht allein. Zu Studienbeginn suchen viele Anschluss, auch wenn sie es sich nicht anmerken lassen. Wer den ersten Satz sagt, macht es meist beiden leichter.
Wo lernst du als Erstsemester am schnellsten Leute kennen?
Am schnellsten gelingt das bei Angeboten, die für Neue gemacht sind und wiederkehren. Die folgende Übersicht zeigt, was sich wofür eignet.
| Ort | Warum es dort leichter fällt | Erster Schritt |
|---|---|---|
| Orientierungswoche | Alle sind neu, Kennenlernrunden gehören zum Programm | Zu den Kneipentouren, Stadtrallyes und Erstsemesterfrühstücken der Fachschaft gehen |
| Seminar und Tutorium | Kleine Gruppe, feste Termine, gemeinsame Aufgaben | Vor oder nach der Sitzung ein Gespräch über den Stoff beginnen |
| Lerngruppe | Regelmäßige Treffen mit einem klaren Anlass | Im Seminar eine Gruppe vorschlagen |
| Fachschaft | Offene Treffen, viele Aufgaben, die sich teilen lassen | Zu einem Fachschaftstreffen gehen und fragen, wo Hilfe gebraucht wird |
| Hochschulsport | Gemeinsame Bewegung, Gespräche entstehen nebenbei | Einen Kurs mit festen Terminen wählen |
| Wohnheim oder WG | Gemeinsame Räume, tägliche Begegnungen | In Küche und Aufenthaltsraum präsent sein |
| Verein in der Stadt | Kontakte außerhalb der Uni, mit anderen Altersgruppen | Ein Probetraining oder offenen Abend besuchen |
Wie sprichst du Kommilitonen an, ohne dass es komisch wirkt?
Bezieh dich auf etwas, das ihr gerade gemeinsam erlebt. Das nimmt den Druck, weil du kein Thema erfinden musst. Der Hörsaal, der Dozent, die Aufgabe oder der Kaffee in der Hand liefern genug Stoff.
Ein paar Einstiege, die in der Praxis funktionieren:
- „Kennst du dich mit dem Aufbau der Klausur schon aus? Ich bin noch etwas verloren.“
- „Hast du die Folien von letzter Woche? Ich habe bei der zweiten Hälfte den Faden verloren.“
- „Wollen wir die Aufgabe zusammen anschauen? Allein komme ich nicht weiter.“
- „Ich bin neu in der Stadt. Weißt du, wo man hier günstig Mittag essen kann?“
Eine Bitte um Hilfe wirkt oft besser als ein Kompliment. Wer dir etwas erklärt, fühlt sich gebraucht und erinnert sich an dich. Stell dich dabei kurz mit Namen vor, und zwar früh. Später wird es schnell peinlich, nachzufragen.
Wie findest du eine Lerngruppe?
Am einfachsten über Menschen, mit denen du schon zweimal gesprochen hast. Sprich sie nach einer Sitzung an und mach einen konkreten Vorschlag: „Ich will vor der Klausur die Übungsblätter durchgehen. Hast du Lust, am Donnerstag nach der Vorlesung in der Bibliothek anzufangen?“ Ein fester Termin mit Ort ist verbindlicher als ein „Wir sollten mal“.
Gute Gruppen bleiben klein, meist drei bis fünf Leute, damit sich alle beteiligen. Legt zu Beginn fest, was ihr pro Treffen schaffen wollt, und wechselt euch mit dem Erklären ab. Kennst du noch niemanden, helfen das Schwarze Brett, der Kursverteiler oder die Fachschaft, die oft Lerngruppen vermittelt.
Was kannst du tun, wenn du allein in einer neuen Stadt bist?
Such dir zwei oder drei feste Termine pro Woche außerhalb deiner Wohnung. Ein Sportkurs am Dienstag, das Fachschaftsfrühstück am Mittwoch, ein Spieleabend im Wohnheim am Freitag: Mit der Zeit kennt man dich dort. Du musst nicht überall hingehen, aber bei dem, was du dir aussuchst, solltest du bleiben.
Gerade im ersten Semester kann sich Einsamkeit schwerer anfühlen, als du es erwartet hast. Das ist weit verbreitet und kein persönliches Versagen. Halten Niedergeschlagenheit oder Rückzug über Wochen an, findest du Hinweise unter Hilfe bei psychischer Belastung. Wie du Psychotherapie im Studium bezahlen kannst, hängt von deiner Krankenversicherung ab. Die Studierendenwerke und viele Hochschulen bieten außerdem psychologische Beratung an. Frag bei deinem Studierendenwerk nach.

Wie wird aus einer Bekanntschaft eine Freundschaft?
Durch Wiederholung und einen kleinen Schritt über den Anlass hinaus. Wer euch bisher nur aus dem Seminar kennt, weiß nicht, ob du auch außerhalb Lust auf Kontakt hast. Mach das sichtbar: Schlag einen Kaffee nach der Vorlesung vor, frag, ob die Person zum Hochschulsport mitkommen will, oder schick am Abend vor der Klausur eine kurze Nachricht.
Ein paar Dinge helfen dabei:
- Merk dir Details. Wer von einer Prüfung oder einem Wochenendbesuch erzählt hat, freut sich über die Nachfrage danach.
- Sag öfter ja. Auch wenn du müde bist: Einladungen zum Essen, Lernen oder Spazierengehen sind die Gelegenheiten, bei denen sich Nähe aufbaut.
- Lade selbst ein. Warte nicht darauf, dass die anderen anfangen. Ein Kochabend mit zwei, drei Leuten ist ein niedrigschwelliger Anfang, und wenn ihr günstig vorkochen wollt, könnt ihr die Kosten und die Arbeit teilen.
- Bleib du selbst. Du musst nicht jedem gefallen. Mit wenigen Leuten, die zu dir passen, ist dir mehr geholfen als mit vielen oberflächlichen Kontakten.
Was, wenn es nicht auf Anhieb klappt?
Dann liegt das meist an der Auswahl der Orte, selten an dir. Nicht jede Gruppe passt, und nicht jedes Gespräch führt weiter. Probier im ersten Semester ruhig mehrere Angebote aus und entscheide danach, bei welchen du bleibst.
Wer wenig Geld und Zeit hat, muss nicht auf Kontakte verzichten. Wer minimalistisch studieren will, kann sich bewusst auf zwei oder drei Termine pro Woche beschränken, die ihm wichtig sind, und den Rest streichen. Wenn du in einer festen Beziehung bist, brauchst du trotzdem eigene Freundschaften, denn sie entlasten die Partnerschaft im Studium.
Häufige Fragen
Wann ist der beste Zeitpunkt, um Freunde im Studium zu finden?
Die ersten Wochen des ersten Semesters bieten die besten Voraussetzungen. Orientierungswoche, Kennenlernveranstaltungen und neue Seminare bringen viele Menschen zusammen, die noch niemanden kennen. Du kannst aber jederzeit einsteigen, etwa über Fachschaft, Hochschulsport oder eine Lerngruppe zur nächsten Prüfungsphase.
Wie finde ich als Master- oder Wechselstudent Anschluss?
Im Master sind viele Gruppen schon eingespielt. Such dir deshalb Formate, die neu zusammengesetzt werden: Einführungstage für Masterstudierende, Tutorien, Projektseminare oder Sprachkurse. Auch Fachschaften und Hochschulgruppen nehmen laufend neue Mitglieder auf.
Wie bilde ich eine Lerngruppe?
Sprich zwei bis vier Leute an, mit denen du dich im Seminar bereits gut verstanden hast, und schlage einen konkreten Termin mit Ort und Thema vor. Eine kleine Gruppe, feste Zeiten und ein klares Ziel pro Treffen halten sie am Laufen. Ein Aushang oder der Kursverteiler hilft, wenn du noch niemanden kennst.
Was tun, wenn ich mich trotz Bemühen einsam fühle?
Gib dir etwas Zeit, denn Freundschaften wachsen meist über Monate. Halte aber an festen Terminen fest und sprich mit jemandem darüber, etwa Freunden zu Hause, der Studienberatung oder der psychologischen Beratung deines Studierendenwerks. Wenn das Gefühl lange anhält und dich belastet, such dir professionelle Unterstützung.
So gehst du jetzt vor
- Such dir diese Woche zwei Angebote mit festen Terminen aus, zum Beispiel einen Sportkurs und ein Fachschaftstreffen.
- Sprich im nächsten Seminar eine Person an, mit einem der Einstiegssätze von oben, und nenne deinen Namen.
- Schlag nach spätestens zwei Gesprächen etwas Konkretes vor: Kaffee, Bibliothek oder gemeinsames Mittagessen.
- Bleib mindestens einen Monat bei dem, was du dir ausgesucht hast, bevor du entscheidest, ob es passt.
Passend dazu
- Mental Health im Studium: So bleibst du stabil
- Sport im Studium: Fit bleiben mit diesen Tipps
- Umzug ins Studium: Deine Checkliste für einen stressfreien Start
Stand: Oktober 2026.