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Barrierefreies Studium: Nachteilsausgleich, Beratung und Hilfen

Nachteilsausgleich, Ansprechpersonen und finanzielle Hilfen für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung, mit den BAföG-Regeln im Überblick.
Symbolbild: Barrierefreies Studium

Inhalt

Ein barrierefreies Studium bedeutet, dass bauliche, digitale und organisatorische Hürden an der Hochschule abgebaut werden. Dazu gehören Nachteilsausgleiche bei Prüfungen, Beratungsstellen und besondere BAföG-Regeln bei Behinderung oder schwerer Krankheit. Die Hilfen richten sich an Studierende mit körperlichen Behinderungen, Sinnesbeeinträchtigungen, psychischen Erkrankungen und chronischen Krankheiten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Nachteilsausgleich passt die Bedingungen einer Prüfung an, zum Beispiel durch mehr Zeit oder eine andere Prüfungsform. Das Verfahren regelt jede Hochschule selbst.
  • Ansprechpersonen sind die Beauftragten für Studierende mit Behinderung, die Beratung des Studierendenwerks und das BAföG-Amt.
  • Beim BAföG sind Behinderung und schwere Krankheit anerkannte Gründe für eine längere Förderung, für das Überschreiten der Altersgrenze und für einen Fachrichtungswechsel.
  • Kindergeld kann bei einer Behinderung, die vor dem 25. Geburtstag eingetreten ist, ohne Altersgrenze gezahlt werden.
  • Für Zuzahlungen gilt eine Belastungsgrenze, die bei chronisch Kranken bei 1 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen liegt.

Was bedeutet barrierefreies Studium?

Barrierefreiheit geht über den Aufzug hinaus. Sie betrifft drei Bereiche, die zusammenwirken:

  • Gebäude: Rampen, Aufzüge, automatische Türen und höhenverstellbare Arbeitsplätze in der Bibliothek.
  • Digitale Angebote: Lernplattformen, die mit Screenreadern nutzbar sind, Vorlesungsaufzeichnungen mit Untertiteln und Lernmaterial in zugänglichen Formaten.
  • Organisation: Nachteilsausgleiche, angepasste Prüfungsformen und persönliche Ansprechpersonen.

Was deine Hochschule konkret anbietet, unterscheidet sich von Ort zu Ort. Die Beratung vor Ort sagt dir, welche Angebote es gibt und was du beantragen musst. Die Frage lohnt sich schon bei der Wahl der Hochschule.

Wer kann Hilfen im Studium bekommen?

Hilfen kommen nicht nur bei einer sichtbaren Behinderung in Frage. Auch chronische und psychische Erkrankungen können das Studium so erschweren, dass Anpassungen sinnvoll sind. Entscheidend ist, wie stark die Beeinträchtigung deinen Studienalltag einschränkt. Welche Nachweise die jeweilige Stelle verlangt, erfährst du dort. Dieser Beitrag stellt keine Diagnose und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Wie funktioniert der Nachteilsausgleich im Studium?

Ein Nachteilsausgleich passt die Bedingungen einer Prüfung an deine Beeinträchtigung an, ohne die fachlichen Anforderungen zu senken. Die Regeln stehen in den Prüfungsordnungen, Verfahren und Zuständigkeit unterscheiden sich je nach Hochschule. Diese Beispiele sind üblich:

BereichMögliche Anpassung
ZeitVerlängerte Bearbeitungszeit oder zusätzliche Pausen
PrüfungsformMündliche Prüfung anstelle einer schriftlichen oder umgekehrt
RaumSeparater, ruhiger Prüfungsraum
HilfsmittelScreenreader, vergrößerte Darstellung, Gebärdensprachdolmetschung

Ob und in welcher Form ein Ausgleich gewährt wird, entscheidet die Hochschule im Einzelfall. Stelle den Antrag so früh wie möglich, damit genug Zeit für die Prüfung bleibt, und lies in der Prüfungsordnung nach, welche Fristen gelten.

An wen wendest du dich?

An vielen Hochschulen gibt es Beauftragte für Studierende mit Behinderung. Name und Kontakt stehen meist auf der Website der Hochschule. Daneben helfen weitere Stellen:

StelleHilft bei
Beauftragte oder Beauftragter für Studierende mit BehinderungNachteilsausgleich, Studienorganisation, Barrieren an der Hochschule
Psychologische Beratungsstelle der Hochschule oder des StudierendenwerksPsychische Belastungen und Krisen im Studium
StudierendenwerkBeratung zu Finanzierung und Wohnen
BAföG-Amt beim StudierendenwerkFörderung, Verlängerung, Altersgrenze, Fachrichtungswechsel
Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung (IBS) beim Deutschen StudierendenwerkBundesweite Informationen zu Studium und Behinderung
KrankenkasseHilfsmittel, Zuzahlungen, Fahrtkosten

Was gilt beim BAföG bei Behinderung oder schwerer Krankheit?

Den Antrag stellst du wie alle anderen online über BAföG Digital. Behinderung und schwere Krankheit sind außerdem anerkannte Gründe für drei Ausnahmen:

  • Verlängerung der Förderung: Über die Förderungshöchstdauer hinaus kann das BAföG um eine angemessene Zeit verlängert werden, etwa wegen einer Behinderung. Wie lang, hängt vom Einzelfall ab.
  • Altersgrenze: BAföG gibt es nur, wenn das Studium vor dem 45. Geburtstag beginnt. Verzögern eine Behinderung oder Krankheit den Start, kann die Grenze überschritten werden, wenn du das Studium unverzüglich aufnimmst, sobald das Hindernis weggefallen ist. Details nennt das Studierendenwerk.
  • Fachrichtungswechsel: Ab dem 5. Fachsemester wird ein Wechsel nur bei unabweisbarem Grund gefördert. Ein Beispiel ist eine Behinderung oder schwere Krankheit, die das Studium oder den angestrebten Beruf objektiv unmöglich macht. Du brauchst eine schriftliche Begründung und musst ohne schuldhaftes Zögern handeln, mehr dazu beim Studierendenwerk.

Behinderungsbedingte Mehrkosten sprichst du vor der Antragstellung beim BAföG-Amt an und klärst, welche Nachweise nötig sind.

Welche weiteren finanziellen Hilfen gibt es?

LeistungRegel
KindergeldEin Kind, das sich wegen einer Behinderung nicht selbst unterhalten kann, wird ohne Altersgrenze berücksichtigt, wenn die Behinderung vor dem 25. Geburtstag eingetreten ist (§ 32 EStG). Den Antrag stellst du bei der Familienkasse.
ZuzahlungenDie Belastungsgrenze liegt bei 2 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen, bei chronisch Kranken bei 1 Prozent. Die Befreiung beantragst du erst nach Erreichen der Grenze, sie gilt für ein Kalenderjahr.
HilfsmittelAnspruch auf Hilfsmittel wie Hörhilfen oder orthopädische Hilfsmittel, wenn sie im Einzelfall erforderlich sind. Die Zuzahlung beträgt 10 Prozent, mindestens 5 €, höchstens 10 € je Hilfsmittel.
KrankenfahrtenDie Kasse zahlt sie nur bei medizinischer Notwendigkeit auf Verordnung. Zu ambulanter Behandlung ist meist eine Genehmigung nötig, Ausnahmen gelten unter anderem bei Schwerbehindertenausweis mit den Merkzeichen aG, Bl oder H.
Erasmus+Studierende mit Behinderung ab einem Grad der Behinderung von 20 oder chronischer Erkrankung erhalten 2026/27 zusätzlich 250 € pro Monat.
WerkstudentenstatusAb dem 26. Fachsemester wird vermutet, dass das Studium nicht mehr im Vordergrund steht. Die Vermutung ist widerlegbar, etwa bei Krankheit oder Behinderung.

Wer privat versichert ist, findet im Beitrag zu den Hilfsmitteln in der PKV die Regeln für den Hilfsmittelkatalog. Dazu kommen Rabatte und Leistungen, die du mit dem Studierendenausweis nutzt: Eine Übersicht liefern die Vorteile mit Studierendenstatus.

Wie organisierst du dein Studium mit Einschränkung?

Plane mit Puffer und behandle deine Energie als begrenzte Ressource. Lege anspruchsvolle Aufgaben in Zeiten, in denen es dir besser geht, und kläre früh, welche Veranstaltungen sich flexibel gestalten lassen, etwa durch Aufzeichnungen oder Ersatzleistungen. Wie du das Studium gut organisieren kannst, erklärt ein eigener Ratgeber.

Wenn Aufschieben zum Dauerthema wird, helfen Strategien gegen Aufschieberitis. Steckt eine Erkrankung dahinter, gehört das in die ärztliche oder psychologische Abklärung.

Digitale Hilfen wie Vorlesefunktionen oder KI-Tools zum Zusammenfassen können entlasten. Was dabei gut funktioniert und wo Grenzen liegen, zeigen die Chancen und Risiken von KI beim Lernen. Für Prüfungsleistungen gelten die Regeln deiner Hochschule. In Gruppenarbeiten hilft es, Bedarfe offen anzusprechen. Bei Spannungen unterstützt der Beitrag zu Konflikten in der Gruppenarbeit.

Wer im Studium persönliche Unterstützung braucht, etwa eine Assistenz, klärt Zuständigkeit und Kostenübernahme früh mit der Beratung der Hochschule und dem Studierendenwerk.

Welche Rolle spielt die Krankenversicherung bei einer Behinderung?

Die studentische Krankenversicherung endet in der Regel mit dem Semester des 30. Geburtstags.

Häufige Fragen

Was ist ein Nachteilsausgleich im Studium?

Ein Nachteilsausgleich ändert die Bedingungen einer Prüfung, damit eine Beeinträchtigung dich nicht benachteiligt, zum Beispiel durch mehr Zeit, einen separaten Raum oder eine andere Prüfungsform. Die fachlichen Anforderungen bleiben gleich. Beantragt wird er bei der Hochschule, die Regeln stehen in der Prüfungsordnung.

Bekomme ich BAföG länger, wenn ich eine Behinderung habe?

Eine Behinderung ist ein anerkannter Grund, die Förderung über die Förderungshöchstdauer hinaus um eine angemessene Zeit zu verlängern. Wie lang die Verlängerung ausfällt, hängt vom Einzelfall ab. Sprich das BAföG-Amt rechtzeitig an und kläre, welche Nachweise du brauchst.

Kann ich mit einer chronischen Erkrankung studieren und Hilfen bekommen?

Ja. Auch chronische und psychische Erkrankungen können berücksichtigt werden, wenn sie dein Studium erschweren. Welche Nachweise nötig sind und welche Anpassungen möglich sind, klärst du mit der Beauftragten oder dem Beauftragten deiner Hochschule.

Gibt es Kindergeld bei Behinderung auch nach dem 25. Geburtstag?

Ja, unter zwei Bedingungen: Das Kind kann sich wegen einer Behinderung nicht selbst unterhalten, und die Behinderung ist vor dem 25. Geburtstag eingetreten. Dann wird es ohne Altersgrenze berücksichtigt. Die Familienkasse prüft den Einzelfall.

So gehst du jetzt vor

  1. Suche auf der Website deiner Hochschule die Beauftragte oder den Beauftragten für Studierende mit Behinderung und vereinbare ein Gespräch.
  2. Kläre, welche Nachweise für einen Nachteilsausgleich nötig sind, und beantrage ihn früh.
  3. Sprich das BAföG-Amt auf Verlängerung, Altersgrenze oder Mehrkosten an, bevor du den Antrag abschließt.
  4. Prüfe Kindergeld, Belastungsgrenze und Hilfsmittel bei Familienkasse und Krankenkasse.

Passend dazu

  • Mutterschutz im Studium: Prüfungen, Fristen und Nachteilsausgleich
  • Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine individuelle Beratung.

    This guide is also available in English: Read the English version.

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