Wissenschaftlich recherchieren heißt, systematisch nach Fachliteratur zu suchen, sie auf Verlässlichkeit zu prüfen und so festzuhalten, dass du sie später sauber belegen kannst. Die Suche beginnt nicht bei Google, sondern bei einer präzisen Fragestellung und dem Katalog deiner Hochschulbibliothek. Mit einem klaren Suchplan, zwei bis drei passenden Datenbanken und einem Literaturverwaltungsprogramm sparst du in jeder Haus- oder Abschlussarbeit viele Stunden.
Kurz beantwortet
Wissenschaftlich recherchieren heißt, mit einer engen Fragestellung zu starten, im Katalog deiner Hochschulbibliothek und in Fachdatenbanken zu suchen und Google Scholar zu ergänzen. Du bewertest jede Quelle nach Urheberschaft, Aktualität, Veröffentlichungsort und Zweck und erfasst sie von Beginn an in Zotero oder Citavi.
Das Wichtigste in Kürze
- Formuliere zuerst eine enge Fragestellung und leite daraus Suchbegriffe samt Synonymen und englischen Übersetzungen ab.
- Starte im Bibliothekskatalog und in Fachdatenbanken deiner Hochschule, ergänze mit Google Scholar.
- Bewerte jede Quelle nach Urheberschaft, Aktualität, Veröffentlichungsort und Zweck.
- Lies Literaturverzeichnisse gefundener Aufsätze, um weitere Quellen zu finden (Schneeballsystem).
- Erfasse Quellen von Beginn an in Zotero, Citavi oder einem vergleichbaren Programm, inklusive Seitenzahlen.
Wie beginnst du eine wissenschaftliche Recherche?
Du beginnst mit einer Frage, nicht mit einem Thema. Aus „Klimawandel“ wird eine Frage wie „Welche Folgen hat der steigende Meeresspiegel für die Küstenregionen Norddeutschlands?“ Je enger die Frage, desto gezielter kannst du suchen und desto schneller erkennst du, welche Treffer unbrauchbar sind.
Wenn du noch kein Thema hast, hilft dir der Beitrag, wie du das richtige Thema für die Bachelorarbeit findest. Plane außerdem Zeit für die Recherche ein, denn sie zieht sich über mehrere Wochen und läuft neben dem Schreiben weiter. Wie du dafür das Studium gut organisieren kannst, steht in unserem Beitrag zur Studienorganisation.
Wie entwickelst du Suchbegriffe und Suchstrings?
Sammle zu jedem Kernbegriff Synonyme, Ober- und Unterbegriffe sowie die englische Übersetzung. Daraus baust du einen Suchstring, den du in Katalogen und Datenbanken wiederverwenden kannst. Notiere dir jede Variante, damit du später nachvollziehen kannst, was du wo gesucht hast.
| Technik | Schreibweise | Wirkung |
|---|---|---|
| Und-Verknüpfung | Meeresspiegel AND Küste | Beide Begriffe müssen vorkommen und engen die Treffer ein |
| Oder-Verknüpfung | Meeresspiegel OR Wasserstand | Mindestens ein Begriff muss vorkommen und erweitert die Treffer |
| Ausschluss | Küste NOT Binnensee | Schließt Treffer mit dem zweiten Begriff aus |
| Phrasensuche | „sea level rise“ | Sucht die exakte Wortfolge |
| Trunkierung | Klima* | Findet Klima, Klimawandel, Klimapolitik und weitere Wortendungen |
Welche Schreibweisen eine Datenbank akzeptiert, unterscheidet sich. Die Hilfeseite der jeweiligen Plattform nennt die genaue Syntax. Suchst du englischsprachig, findest du meist deutlich mehr Fachaufsätze, weil ein großer Teil der Forschung auf Englisch erscheint.
Wo findest du wissenschaftliche Quellen?
Die besten Anlaufstellen sind der Katalog deiner Hochschulbibliothek, Fachdatenbanken und Google Scholar. Der Zugang zu kostenpflichtigen Datenbanken läuft meist über das Hochschulnetz oder einen Login der Bibliothek, sodass du viele Volltexte ohne eigene Kosten lesen kannst.
- Bibliothekskatalog und Discovery-System: Hier findest du Bücher, Sammelbände, E-Books und Zeitschriften. Viele Hochschulen bieten eine Suche, die Bestand und lizenzierte Datenbanken zugleich durchsucht.
- Fachdatenbanken: Web of Science und Scopus decken viele Disziplinen ab, PubMed die Medizin und Lebenswissenschaften, JSTOR Geistes- und Sozialwissenschaften. Welche davon deine Uni freischaltet, erfährst du bei der Bibliothek, die auch ein Fachportal für dein Studienfach empfiehlt.
- Google Scholar: Praktisch für den ersten Überblick und für Querverweise. Mit „Zitiert von“ siehst du neuere Arbeiten, mit „Ähnliche Artikel“ verwandte Texte, und über „Alle Versionen“ stößt du manchmal auf frei zugängliche Fassungen.
- Repositorien und Fachportale: Hochschulschriften, Preprints und Forschungsberichte liegen oft auf frei zugänglichen Servern.
Google Scholar ersetzt die Fachdatenbanken nicht. Die Trefferliste ist nicht transparent sortiert, und nicht jeder Eintrag stammt aus einer geprüften Quelle. Behandle es als Einstieg und prüfe jeden Treffer im Original.
Wie bewertest du Quellen?
Du bewertest eine Quelle mit vier Fragen: Wer hat sie verfasst, wann ist sie erschienen, wo wurde sie veröffentlicht und für wen oder zu welchem Zweck wurde sie geschrieben? Lässt sich eine dieser Fragen nicht beantworten, solltest du die Quelle nicht für zentrale Aussagen nutzen.
- Urheberschaft: Ist die Person fachlich ausgewiesen? Schau nach Hochschule, Fachgebiet und weiteren Veröffentlichungen.
- Aktualität: In Medizin, Technik und Recht veralten Aussagen schneller als in historischen Fächern. Klassiker bleiben aber oft zitierfähig.
- Veröffentlichungsort: Fachzeitschriften mit Begutachtung (Peer-Review), Verlage mit wissenschaftlichem Programm und Hochschulschriften gelten als verlässlicher als Blogs oder Werbetexte.
- Zweck und Perspektive: Will der Text informieren, überzeugen oder verkaufen? Prüfe, ob Interessenkonflikte genannt werden.
Bei Peer-Review prüfen Fachleute ein Manuskript vor dem Druck. Das ist ein Qualitätsmerkmal, aber keine Garantie für Fehlerfreiheit. Kennzahlen wie der Impact Factor sagen etwas über eine Zeitschrift aus, nicht über die Qualität eines einzelnen Aufsatzes.
Welche Quellentypen gibt es?
Für Abschlussarbeiten stützt du dich vor allem auf Monographien, Sammelbände und Zeitschriftenaufsätze. Wie weit andere Typen zulässig sind, legen die Vorgaben deines Lehrstuhls fest.
| Quellentyp | Stärke | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Monographie | Tiefe Behandlung eines Themas | Erscheinungsjahr, Verlag, Auflage |
| Sammelband | Mehrere Perspektiven zu einem Oberthema | Einzelne Beiträge, nicht nur das Gesamtwerk, bewerten |
| Zeitschriftenaufsatz | Aktuelle Forschung, oft begutachtet | Begutachtungsverfahren, Methode |
| Konferenzbeitrag | Sehr frühe Ergebnisse | Prüfstandard unterschiedlich |
| Abschlussarbeit | Ausführliche Literaturübersicht | Qualität schwankt, Betreuung beachten |
| Graue Literatur | Berichte, Statistiken, Behördendokumente | Herausgeber und Datenquelle prüfen |
Lexika und Wikipedia eignen sich zum Einlesen, aber meist nicht als Beleg in der Arbeit. Nutze die dort genannten Quellen und zitiere diese.
Wie arbeitest du mit dem Schneeballsystem?
Beim Schneeballsystem folgst du den Verweisen eines guten Aufsatzes weiter. Rückwärts liest du das Literaturverzeichnis und findest die Grundlagenwerke. Vorwärts suchst du in Scopus, Web of Science oder Google Scholar nach Arbeiten, die den Aufsatz später zitiert haben.
Tauchen bestimmte Namen und Titel in mehreren Verzeichnissen auf, hast du vermutlich die Standardliteratur deines Themas gefunden. Beginne mit einem aktuellen Übersichtsaufsatz, denn er bündelt viele relevante Quellen.
Wie liest und exzerpierst du effizient?
Lies zuerst Abstract, Einleitung und Schluss, dann entscheidest du, ob sich der Hauptteil lohnt. Bei zentralen Quellen prüfst du Methode, Datengrundlage und Argumentation genauer: Passt die Methode zur Frage? Stützen die Daten die Schlussfolgerung?
Notiere zu jeder Quelle die Kernaussage in eigenen Worten und beziehe sie auf deine Fragestellung. Markiere wörtliche Übernahmen deutlich und halte die Seitenzahl fest. So vermeidest du Fehler, die später als Täuschung gelten können. Wie das gelingt, erklärt der Beitrag, wie du Plagiate vermeiden kannst.
Welches Literaturverwaltungsprogramm lohnt sich?
Zotero und Citavi sind an deutschen Hochschulen verbreitet und nehmen dir Arbeit bei Literaturverzeichnis und Zitierstil ab. Welches passt, hängt vom Textprogramm, vom Betriebssystem und von dem ab, was deine Hochschule anbietet.
- Zotero: Quelloffen, läuft auf verschiedenen Systemen und speichert Quellen direkt aus dem Browser.
- Citavi: Weit verbreitet im deutschsprachigen Raum, mit Funktionen für Wissensorganisation. Viele Hochschulen stellen Lizenzen bereit, frage bei der Bibliothek nach.
Lege für jede Arbeit ein eigenes Projekt an, vergib Schlagwörter entlang deiner Gliederung und speichere PDFs mit. Das Programm formatiert dir das Verzeichnis, den Zitierstil legst du aber nach den Vorgaben deines Lehrstuhls fest. Die Grundlagen dazu findest du im Ratgeber, wie du richtig zitieren kannst.
Wann ist die Recherche abgeschlossen?
Die Recherche ist weitgehend abgeschlossen, wenn neue Suchen kaum noch neue relevante Quellen liefern und du deine Fragestellung mit der vorhandenen Literatur belegen kannst. Ein Rest bleibt immer offen. Prüfe kurz vor der Abgabe, ob inzwischen wichtige neue Aufsätze erschienen sind, die du ergänzen solltest.
Gerade bei der Abschlussarbeit hilft ein Rechercheprotokoll mit Datum, Datenbank, Suchstring und Trefferzahl. Es zeigt deiner Betreuung, wie du vorgegangen bist, und spart dir Nachrecherche. Einen Überblick über den gesamten Ablauf bietet die Anleitung, wie du Bachelorarbeit schreiben kannst. Für kleinere Arbeiten helfen die Tipps für die Hausarbeit.
Häufige Fragen
Wie nutze ich Google Scholar sinnvoll?
Verwende Google Scholar für den Einstieg und für Querverweise. Setze Phrasen in Anführungszeichen, grenze den Zeitraum ein und nutze „Zitiert von“, um neuere Arbeiten zu finden. Für die verlässliche Suche brauchst du zusätzlich die Datenbanken deiner Hochschule, weil Scholar nicht jede Quelle prüft.
Wie finde ich Literaturdatenbanken meiner Uni?
Auf der Webseite deiner Hochschulbibliothek gibt es meist ein Datenbank-Infosystem, das nach Fächern sortiert ist. Dort siehst du, welche Datenbanken lizenziert sind und wie du von zu Hause darauf zugreifst. Bei Fragen helfen Fachreferate oder die Auskunft der Bibliothek.
Sind Wikipedia und Blogs als Quelle erlaubt?
Als Beleg in einer wissenschaftlichen Arbeit sind sie meist nicht geeignet, weil Urheberschaft und Prüfung unklar sind. Zum Einlesen und für Hinweise auf Primärquellen helfen sie dennoch. Zitiere die dort genannte Fachliteratur, nachdem du sie selbst gelesen hast. Im Zweifel entscheidet deine Betreuung.
Wie viele Quellen brauche ich?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Entscheidend ist, dass deine Quellen die Fragestellung tragen und aktuelle Forschung abbilden. Manche Lehrstühle nennen Richtwerte im Merkblatt. Frage danach, statt zu raten.
So gehst du jetzt vor
- Formuliere deine Fragestellung in einem Satz.
- Lege eine Liste mit Suchbegriffen samt Synonymen und englischen Übersetzungen an.
- Prüfe Katalog und Datenbankliste deiner Hochschulbibliothek und wähle zwei bis drei Datenbanken.
- Richte Zotero oder Citavi ein, bevor du die erste Quelle speicherst.
- Suche einen aktuellen Übersichtsaufsatz und folge seinen Verweisen.
- Führe ein kurzes Rechercheprotokoll.
Passend dazu
- Bachelorarbeit schreiben: Anleitung, Zeitplan und Tipps
- Thema für die Abschlussarbeit finden: So gehst du vor
- Plagiat vermeiden: Darauf musst du beim Schreiben achten
Quellen
Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine individuelle Beratung.
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