Wer eine medizinische Doktorarbeit plant, stößt schnell auf Begriffe wie experimentell, klinisch, statistisch oder retrospektiv. Sie beschreiben, woher die Daten stammen, und sie entscheiden darüber, welche Genehmigungen du brauchst und wie viel Zeit du einplanen musst. Dieser Ratgeber erklärt die Begriffe, zeigt am Beispiel der Universität Marburg, was Fakultäten verlangen, und gibt eine Checkliste für die Vorbereitung.
Kurz beantwortet: Experimentell heißt, dass du die Daten selbst erzeugst. Retrospektiv heißt, dass du vorhandene Daten auswertest, etwa Patientenakten oder Register. Die Fakultät der Universität Marburg nennt auf ihrer Seite experimentelle, statistische und klinische Promotionen. Retrospektive Studien brauchen laut Ethikkommission des Fachbereichs trotzdem ein Ethikvotum. Ob eine Arbeit zugelassen wird, entscheidet die Fakultät. Stand: Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Experimentell bedeutet, dass du die Daten im Labor oder in einer Untersuchung selbst erzeugst.
- Retrospektiv bedeutet, dass du vorhandene Daten auswertest, zum Beispiel Befunde oder Register.
- Die Marburger Fakultät nennt experimentelle, statistische und klinische Promotionen als Möglichkeiten.
- Auch eine retrospektive Studie braucht laut Ethikkommission des Fachbereichs ein Ethikvotum.
- Der Antrag auf Annahme muss vor Beginn der Doktorarbeit gestellt werden.
- Die Art der Arbeit bestimmt Aufwand, Datenschutz und Zeitplan.
Was bedeuten die Begriffe?
Die Unterscheidung zwischen experimentell und retrospektiv beschreibt, wann die Daten entstehen. Bei einer experimentellen Arbeit planst und führst du die Untersuchung selbst durch, etwa im Labor oder in einer Versuchsreihe. Bei einer retrospektiven Arbeit greifst du auf Daten zurück, die bereits vorliegen, etwa dokumentierte Behandlungsverläufe, Befunde oder Einträge in einem Register.
Klinische Arbeiten sind meist an Patientinnen und Patienten gebunden. Statistische Arbeiten werten Daten mit Methoden der Statistik aus. Die Begriffe überschneiden sich in der Praxis, deshalb ist die Einordnung im Betreuungsgespräch und in der Promotionsordnung wichtiger als eine Wortdefinition.
Was verlangt die Fakultät in Marburg?
Die Seite „Fragen über Fragen?“ des Fachbereichs Medizin der Universität Marburg nennt experimentelle, statistische und klinische Promotionen als Möglichkeiten. Sie definiert die Arten nicht näher. Retrospektive Arbeiten werden nur im Zusammenhang mit der Ethikfrage erwähnt. Die Seite gibt kein Datum an, prüfe den aktuellen Stand deshalb vor einer Anmeldung selbst. Lies die Seite als Ausgangspunkt, nicht als verbindliche Ordnung. Verbindlich ist die Promotionsordnung selbst. Gerade bei der Ethikberatung lohnt sich eine frühe Rückfrage, weil Kommissionen oft feste Sitzungstermine haben.
Nach den Angaben der Seite muss sich die Ärztin oder der Arzt bei biomedizinischer Forschung am Menschen und bei epidemiologischen Vorhaben von einer Ethikkommission beraten lassen, sofern das Projekt nicht schon beraten wurde. Die Ethikkommission des Fachbereichs hat außerdem beschlossen, dass auch für retrospektive Studien ein Ethikvotum vorliegen muss. Oft liegt bereits ein Antrag vor, wenn du an einem Teilprojekt eines größeren Forschungsvorhabens mitarbeitest.
Vergleich der Arbeitstypen
Die Tabelle stellt die beiden Typen gegenüber, die für die meisten Doktorandinnen und Doktoranden in der Medizin relevant sind. Die Angaben beruhen auf der Marburger Seite und der Tübinger Promotionsordnung.
| Merkmal | Experimentell | Retrospektiv |
|---|---|---|
| Datenquelle | Du erhebst die Daten selbst | Vorhandene Daten, etwa Akten oder Register |
| Ethikvotum | Bei Forschung am Menschen vor Beginn erforderlich | Laut Ethikkommission Marburg ebenfalls erforderlich |
| Zeitbedarf | Hängt vom Versuchsaufbau ab | Hängt von der Datenlage und dem Zugang ab |
| Typische Hürde | Versuchsaufbau, Probanden, Laborzeit | Datenzugang, Anonymisierung, Datenschutz |
Die Tübinger Promotionsordnung verlangt bei Forschung am Menschen eine Beratung durch die Ethikkommission vor Beginn und einen Nachweis dafür bei der Zulassung. Ob dein Projekt darunterfällt, klärt die Betreuung. Die Ordnung ist vom 9. Dezember 2021 und gilt seit dem 1. Februar 2022.
Welche Schritte gehören zur Vorbereitung?
- Kläre mit der Betreuung, welcher Typ deine Arbeit ist, und halte ihn im Antrag fest.
- Prüfe, ob dein Projekt Forschung am Menschen ist, und reiche die Unterlagen für die Ethikberatung ein.
- Stelle den Antrag auf Annahme als Doktorandin oder Doktorand, bevor die Arbeit beginnt.
- Kläre bei retrospektiven Daten den Zugang zu Akten oder Registern und die Anonymisierung, bevor du auswertest.
- Dokumentiere jede Datenquelle, damit du später erklären kannst, woher die Werte stammen.
Häufige Fragen
Ist eine retrospektive Arbeit eine vollwertige Promotion?
Das entscheidet die Fakultät nach ihrer Promotionsordnung. Die Marburger Seite nennt retrospektive Arbeiten nicht als eigene Kategorie, sondern im Zusammenhang mit der Ethik. Frag deine Betreuung und das Promotionsbüro, bevor du mit der Arbeit beginnst.
Brauche ich für eine retrospektive Studie wirklich ein Ethikvotum?
Laut Ethikkommission des Fachbereichs Marburg ja. Andere Fakultäten können anders entscheiden. Kläre deshalb die Regel für deine Hochschule, auch wenn du mit bereits vorhandenen Daten arbeitest.
Kann ich den Typ meiner Arbeit später ändern?
Eine Änderung greift in den Antrag ein und sollte mit der Betreuung und dem Promotionsbüro abgestimmt werden. Notiere Änderungen früh und schriftlich, damit sie sich nicht erst bei der Einreichung zeigen.
Muss ich den Typ schon vor der Annahme festlegen?
Der Antrag auf Annahme muss laut Marburger Seite vor Beginn der Doktorarbeit gestellt werden. Eine klare Festlegung im Antrag erleichtert die Ethikberatung. Der Antrag kann nach den Angaben der Seite per Post eingereicht werden, ein persönliches Erscheinen ist nicht nötig.
Wann lohnt sich welcher Typ?
Die Wahl folgt in erster Linie der Fragestellung. Wenn du eine Wirkung messen willst, passt oft ein experimenteller oder klinischer Aufbau. Wenn du Zusammenhänge in bestehenden Daten untersuchst, liegt eine retrospektive Arbeit nahe. Die Fragestellung sollte entscheiden und nicht die bequemere Variante.
Datenzugang und Datenschutz bei retrospektiven Arbeiten
Bei retrospektiven Arbeiten sind die Daten oft das eigentliche Nadelöhr. Patientendaten unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht und dem Datenschutz. Bevor du Akten oder Registerdaten auswertest, muss geklärt sein, wer Zugang gewährt, in welcher Form die Daten bereitgestellt werden und ob sie pseudonymisiert oder anonymisiert sind.
Plane außerdem ein, dass die Ethikkommission Fragen zu Datenquelle, Umfang und Auswertung stellt. Eine klare Beschreibung, welche Variablen du brauchst und warum, beschleunigt das Votum. Nicht jede Datenbank eignet sich für eine Dissertation, deshalb lohnt sich eine Machbarkeitsprüfung vor dem Antrag.
Was ändert sich beim Zeitplan?
Experimentelle Arbeiten brauchen Zeit für Versuchsaufbau, Wiederholungen und Auswertung. Retrospektive Arbeiten beginnen oft schneller mit der Auswertung, können aber an fehlenden oder unvollständigen Daten scheitern. Schätze deshalb beide Varianten realistisch und plane einen Puffer für die Datenbereinigung ein.
Annahme: Du hast 500 Befunde aus einem Register. Für die Bereinigung rechnest du mit 40 Stunden, für die Statistik mit 60 Stunden. Das sind 100 Stunden reine Arbeit, bevor du die Ergebnisse schreibst. Diese Stunden tauchen in keinem Antrag auf, sollten aber in deinem Arbeitsplan stehen.
Passend dazu
- Promotion in Medizin (Dr. med.): Dauer, Finanzierung und Versicherung
- Promotion finanzieren: Stelle, Stipendium oder Eigenmittel im Vergleich
- Krankenversicherung als Doktorand: Immatrikulation, Stelle oder Stipendium
- Dr. med. Kosten: Was du realistisch einplanen solltest
Quellen:
- Universität Marburg, Fachbereich Medizin, Seite „Fragen über Fragen?“ (ohne Datum auf der Seite, in German)
- Promotionsordnung der Medizinischen Fakultät Tübingen für Dr. med. und Dr. med. dent., 9.12.2021 (PDF, in German)
Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.