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BAföG bei Geschwistern: Freibeträge der Eltern

Welche Freibeträge der Eltern gelten, warum Geschwister in Ausbildung den Zuschlag von 770 Euro nicht auslösen und wie du die Anrechnung grob berechnest.
Studentin füllt in der Bibliothek einen Förderantrag aus

Inhalt

BAföG bei Geschwistern überrascht viele Studierende erst beim Antrag. Das Einkommen deiner Eltern wird für die Förderung berücksichtigt, und ob deine Geschwister dabei einen zusätzlichen Freibetrag auslösen, hängt davon ab, ob sie selbst in einer förderungsfähigen Ausbildung stehen. Dieser Ratgeber zeigt die Freibeträge nach § 25 BAföG und rechnet ein Beispiel durch.

Kurz beantwortet: Die Freibeträge der Eltern nach § 25 BAföG liegen bei 2.540 Euro im Monat für verheiratete Eltern und bei 1.690 Euro je Elternteil, wenn die Eltern alleinstehend sind. Für jedes weitere Kind ohne eigene förderungsfähige Ausbildung kommen 770 Euro hinzu. Geschwister in Ausbildung lösen diesen Zuschlag nicht aus. Stand: Oktober 2026, Werte seit 1. August 2024.

Das Wichtigste in Kürze

  • Verheiratete oder verpartnerte Eltern haben gemeinsam einen Freibetrag von 2.540 Euro im Monat. Alleinstehende Elternteile haben je 1.690 Euro (§ 25 Abs. 1 BAföG).
  • Jedes weitere Kind und jede weitere unterhaltsberechtigte Person ohne förderungsfähige Ausbildung erhöht den Freibetrag um 770 Euro (§ 25 Abs. 3 BAföG).
  • Geschwister, die selbst eine förderungsfähige Ausbildung machen, bringen diesen Zuschlag nicht mit.
  • Vom Einkommen oberhalb der Freibeträge wird nach § 25 Abs. 4 BAföG nur die Hälfte berücksichtigt. Ein zusätzlicher Anteil von 5 Prozent je Kind mit Freibetrag wirkt ebenfalls, und das zuständige Amt prüft, wie er bei deinen Geschwistern greift.
  • Die Freibeträge gelten nach heutigem Recht. Der Entwurf der BAföG-Reform sieht eine Anhebung erst ab 1. August 2028 vor.

Welche Freibeträge gelten für deine Eltern?

Vom Einkommen deiner Eltern werden zuerst die Freibeträge abgezogen. Wie hoch sie sind, hängt davon ab, ob deine Eltern verheiratet oder verpartnert sind, ob ein Elternteil alleinsteht, ob ein Stiefelternteil im Haushalt lebt und ob weitere Kinder oder unterhaltsberechtigte Personen zu berücksichtigen sind. Was der Begriff genau umfasst, erklärt das Glossar zum Elternfreibetrag.

SituationFreibetrag pro MonatGrundlage
Verheiratete oder verpartnerte Eltern (gemeinsam)2.540 Euro§ 25 Abs. 1 BAföG
Alleinstehender Elternteil (je Elternteil)1.690 Euro§ 25 Abs. 1 BAföG
Nicht leiblicher Ehegatte oder Lebenspartner eines Elternteils (Stiefelternteil)+ 850 Euro§ 25 Abs. 3 Nr. 1 BAföG
Weiteres Kind oder unterhaltsberechtigte Person ohne förderungsfähige Ausbildung+ 770 Euro je Person§ 25 Abs. 3 BAföG

Stand: Oktober 2026. Die Werte gelten seit 1. August 2024 und sind laut bafög.de (Stand Dezember 2025) unverändert.

Als Kinder zählen nach § 25 Abs. 5 BAföG nicht nur leibliche Kinder. Dazu gehören Pflegekinder, in den Haushalt aufgenommene Kinder des Ehegatten oder Lebenspartners und in den Haushalt aufgenommene Enkel. Auch sie können den Zuschlag von 770 Euro auslösen, solange sie nicht selbst förderungsfähig ausgebildet werden.

Hat die Familie außergewöhnliche Belastungen, lässt sich ein weiterer Teil des Einkommens anrechnungsfrei stellen. Nach § 25 Abs. 6 BAföG ist dafür ein besonderer Antrag nötig, der vor dem Ende des Bewilligungszeitraums gestellt werden muss. Genannt werden außergewöhnliche Belastungen nach den §§ 33 bis 33b EStG und Aufwendungen für unterhaltsberechtigte behinderte Personen.

Zählen Geschwister in Ausbildung mit?

Für den Zuschlag von 770 Euro nicht. Das Gesetz nimmt Kinder aus diesem Zuschlag heraus, die selbst in einer nach dem BAföG oder nach § 56 SGB III förderungsfähigen Ausbildung stehen (§ 25 Abs. 3 BAföG). Der Freibetrag deiner Eltern bleibt deshalb niedriger, wenn deine Geschwister studieren. Das wirkt sich auf die Anrechnung aus, wie die folgende Tabelle zeigt.

Lage (Annahme: Eltern verheiratet, Einkommen 3.000 Euro im Monat)FreibetragAnrechenbarer Betrag pro Monat
Keine weiteren Kinder2.540 Euro230 Euro (die Hälfte von 460 Euro)
Zwei Geschwister ohne förderungsfähige Ausbildung4.080 Euro0 Euro
Zwei Geschwister in förderungsfähiger Ausbildung2.540 Euro230 Euro

Rechenbeispiel. Annahme: Das Einkommen der Eltern beträgt nach den Abzügen 3.000 Euro im Monat. Der zusätzliche Anteil von 5 Prozent je Kind ist nicht berücksichtigt und kann den anrechenbaren Betrag senken. Die Rechnung ist vereinfacht und ersetzt nicht die Berechnung des Amtes.

Wie rechnest du den Elternanteil grob nach?

Mit wenigen Schritten bekommst du eine erste Schätzung. Sie hilft dir, den Antrag vorzubereiten, ist aber keine Bescheidung.

  1. Ermittle das Einkommen deiner Eltern für das maßgebliche Kalenderjahr nach § 24 BAföG.
  2. Addiere die Freibeträge: Den Elternfreibetrag, gegebenenfalls den Zuschlag für einen Stiefelternteil und 770 Euro für jedes Kind ohne förderungsfähige Ausbildung.
  3. Ziehe die Freibeträge vom Einkommen ab. Bleibt ein positiver Betrag, ist er die Grundlage für die Anrechnung.
  4. Berücksichtige davon nur die Hälfte nach § 25 Abs. 4 BAföG.
  5. Vergleiche das Ergebnis mit deinem Bedarf, etwa 855 Euro bei auswärtigem Wohnen (Annahme), und berücksichtige deine eigenen Einkünfte.

Was solltest du im Antrag angeben?

Die Angaben zu deiner Familie, zu den Einkommen und zur Ausbildung deiner Geschwister gehören in den Antrag. Lückenhafte Angaben verzögern die Bearbeitung. Die aktuellen Formulare und Hinweise findest du bei bafög.de, und das zuständige Amt für Ausbildungsförderung beantwortet Rückfragen zu deinem Fall. Für die Gesamtförderung lohnt sich ein Blick in den Überblick zu Anspruch und Höhe.

Häufige Fragen

Zählt mein Geschwisterkind mit, wenn es studiert?

Nicht für den Zuschlag von 770 Euro. Nach § 25 Abs. 3 BAföG gilt dieser Zuschlag nur für Kinder ohne förderungsfähige Ausbildung. Ob für dein studierendes Geschwisterkind der zusätzliche Anteil von 5 Prozent greift, prüft das Amt im Einzelfall.

Gilt ein Freibetrag auch für einen Stiefelternteil?

Ja. Ein nicht leiblicher Ehegatte oder Lebenspartner eines Elternteils erhöht den Freibetrag um 850 Euro (§ 25 Abs. 3 Nr. 1 BAföG). Dessen Einkommen wird ebenfalls berücksichtigt, deshalb sollte es in die Rechnung einfließen.

Ändern sich die Freibeträge mit der BAföG-Reform?

Der Regierungsentwurf zur 30. BAföG-Änderung (Drucksache 21/8405, Stand 7. Oktober 2026) sieht eine jährliche Anhebung der Freibeträge um 1,5 Prozent vor, erstmals ab 1. August 2028. Das ist ein Entwurf. Bis zu einer Verkündung gelten die heutigen Werte. Mehr dazu im Überblick zur BAföG-Reform 2027.

Was ist, wenn sich das Einkommen meiner Eltern ändert?

Maßgeblich ist zunächst das Kalenderjahr nach § 24 BAföG, nicht das aktuelle Jahr. Ändert sich das Einkommen im laufenden Bewilligungszeitraum deutlich, lässt es sich nur über einen besonderen Antrag berücksichtigen (§ 24 Abs. 3 BAföG). Die Freibeträge bleiben davon unberührt, solange sich die Zahl der Kinder nicht ändert.

Wo finde ich die aktuellen Beträge?

bafög.de führt die Freibeträge übersichtlich auf. Verbindlich ist aber nur die Entscheidung des zuständigen Amtes für Ausbildungsförderung in deinem Bescheid.

So gehst du jetzt vor

  1. Prüfe, ob deine Geschwister in einer förderungsfähigen Ausbildung stehen. Davon hängt der Zuschlag von 770 Euro ab.
  2. Kläre den Familienstand deiner Eltern und ob ein Stiefelternteil im Haushalt lebt.
  3. Rechne mit dem Schema oben eine erste Schätzung durch, bevor du den Antrag stellst.
  4. Frag beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung nach, wenn du unsicher bist, welche Angaben erforderlich sind.

Passend dazu

Quellen: § 25 BAföG, Freibeträge vom Einkommen der Eltern und des Ehegatten oder Lebenspartners (Stand: Oktober 2026); bafög.de, Welche Freibeträge werden gewährt (Stand: Dezember 2025); Gesetzentwurf 30. BAföG-Änderungsgesetz, Drucksache 21/8405 (Stand: 7. Oktober 2026).

Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine individuelle Beratung.

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